Unzensiert

„Thomas Müntzer“: Defa-Film am Montag im MDR

Halle (Saale) - Das ist rekordverdächtig: Mehr als 40 Jahre nach dem Eingreifen der Zensur ist der Defa-Film „Thomas Müntzer“ nun ohne politisch motivierte Kürzungen zu sehen.

Von Kai Agthe

Das ist rekordverdächtig: Mehr als 40 Jahre nach dem Eingreifen der Zensur ist der Defa-Film „Thomas Müntzer“ nun ohne politisch motivierte Kürzungen zu sehen.

Doch schon zur Entstehungszeit war das Werk über den Theologen und Luther-Widersacher Müntzer (1489-1525), der zum Anführer der Bauern wurde, ein außergewöhnliches filmisches Projekt.

Defa-Film „Thomas Müntzer“ mit Wolfgang Stumpf im MDR

„Thomas Müntzer“ mit Wolfgang Stumpf (1909-1983) in der Hauptrolle ist in der Rekordzeit von nur 83 Tagen in Quedlinburg gedreht worden. Neben 169 Schauspielern sorgten 5.000 Kleindarsteller dafür, dass der Historienstreifen zu einer der aufwendigsten und teuersten Defa-Produktionen ihrer Zeit wurde. 1956 uraufgeführt, war die Urfassung seit 1966 nicht mehr zu sehen. Das MDR Fernsehen zeigt den von der Defa-Stiftung rekonstruierten Film an diesem Montag um 22.05 Uhr.

Nach 1517 verbreiten sich die Thesen Luthers rasend schnell im Land. Auch der junge Pfarrer Thomas Müntzer (Wolfgang Stumpf) ist davon begeistert. Zu jener Zeit lernt er als Beichtvater in einem Nonnenkloster Ottilie von Gersen (Margarete Taudte) kennen, seine spätere Frau. 1523 tritt er in Allstedt eine Pfarrstelle an. Wie überall sind auch hier die Bauern mit ihrer Situation unzufrieden. Müntzer mischt sich ein, als der Bauer Hans Buss (Heinz Gies) verhaftet werden soll, der nur seine Schwester Bärbel (Ruth Maria Kubitschek) verteidigt hat.

Der Graf von Mansfeld (Gerhard Bienert) hört erstmals Müntzers Namen. Wenig später hält der Theologe vor begeisterten Massen eine Predigt in Deutsch. Müntzer folgt nicht länger Luther, der gewaltsamen Aufruhr ablehnt. Doch für Müntzer ist der Kampf gegen die Fürstenwillkür unumgänglich. Die Bauern zerstören, von dessen Worten aufgewiegelt, Heiligenbilder, brennen eine Kirche nieder und greifen die Soldaten des Mansfelder Grafen an. Die Rädelsführer werden verhaftet, auch Müntzer. Er wird hingerichtet.

Defa-Film „Thomas Müntzer“ seit 1974 nur zensiert gezeigt worden

Anlässlich des 450. Jahrestages des Bauernkrieges beschloss das DDR-Kulturministerium im Jahr 1974, den Film erneut ins Programm zu nehmen. Wegen der veränderten politischen Situation nach dem Mauerbau sollten allerdings Szenen herausgeschnitten werden, die einen gesamtdeutschen Bezug hatten, der nun unerwünscht war: Schwarz-rot-goldene Fahnen, Gespräche „vom großen Zug übern Neckar und Rhein“ und Botschaften wie „Ihr müsst den Brüdern überm Main die Hand reichen. Ganz Deutschland muss ins Spiel kommen.“ Alles in allem musste Regisseur Martin Hellberg seinen Film um fast ein Viertel kürzen, bevor er ab Oktober 1974 wieder in den DDR-Kinos gezeigt wurde.

„Thomas Müntzer“: am Montag um 22.05 Uhr im MDR. (mz)