Jetzt noch abschließen?

Jetzt noch abschließen?: Schutz gegen Berufsunfähigkeit wird 2015 teurer

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) wird ab kommendem Jahr deutlich mehr kosten - vor allem für jüngere Neukunden kann der Abschluss teuer werden. Sollten sich Verbraucher jetzt noch schnell um eine BU kümmern?

19.08.2014, 13:09

Ab 2015 wird der Schutz gegen Berufsunfähigkeit (BU) deutlich teurer, das hat der Heidelberger Finanzdienstleister MLP berechnet. Vor allem jüngere Kunden müssten sich auf steigende Beiträge in der Berufsunfähigkeitsversicherung einstellen, warnt das Unternehmen.

Hauptsächlich für junge Neukunden ziehen die Beiträge an: 7,6 Prozent mehr Prämie muss ein 20-Jähriger im Schnitt zahlen, wenn er im nächsten Jahr einen BU-Schutz (für eine Monatsrente von 1000 Euro und Laufzeit bis zum 67. Lebensjahr) abschließt. Ein 30-Jähriger muss mit einer Preissteigerung um 5,7 Prozent rechnen, ein 50-Jähriger immerhin noch mit um 2,0 Prozent. Je länger der verbleibende Versicherungszeitraum ist, desto mehr werden die Prämien voraussichtlich angehoben.

Ursache für die steigenden Prämien sei der ab 2015 abgesenkte Garantiezins für Lebensversicherungen auf 1,25 Prozent, hieß es. Wegen der niedrigen Zinsen haben die BU-Versicherungen immer mehr Probleme, das für ihre Kunden benötigte Finanzpolster aufzubauen. Und je niedriger die Zinsen sind, desto höher fallen die Beiträge aus.

MLP hat in allen Beispielen mit einer Versicherungslaufzeit bis zu einem Alter von 67 Jahren kalkuliert. Demnach fällt das Beitragsplus umso höher aus, je länger die Police läuft. Wird außerdem die versicherte Rente erhöht - etwa durch eine garantierte Rentensteigerung - fallen die Prämien sogar noch höher aus.

Eine BU kann beim Verlust der Arbeitskraft vor dem finanziellen Ruin schützen. Berufsunfähige Versicherte erhalten monatlich eine in ihrem Vertrag festgelegte Rente. Die Absicherung gilt mit Vertragsabschluss. Entscheidend für die Höhe des Beitrages sind neben dem Beruf und der vereinbarten Rentenhöhe auch das Eintrittsalter und der Gesundheitszustand.

Kunden sollten nicht übereilt eine BU abschließen

„Solche Teuerungen bei der BU sind realistisch“, erklärte auch Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BDV) auf dem Portal „Der Versicherungsbote“. Wegen der schlechteren Verzinsung sei es für die Versicherer schwieriger geworden, das benötigte Finanzpolster aufzubauen. Die Finanzierungslücke werde vor allem auf Neukunden übertragen – bestehende Policen seien aber nicht betroffen.

Zugleich warnte die Verbraucherexpertin vor blindem Aktionismus. Sie rechnet damit, dass die Versicherungen in den nächsten Monaten verstärkt bei Kunden um den Abschluss eines BU-Vertrages werben werden, um noch von den günstigeren Beiträgen zu profitieren. Die BU sei mit Jahresprämien von bis zu 1300 Euro schon jetzt keine günstige Versicherung, sagte Boss. Statt auf die Schnelle einen Versicherungsschutz mit Lücken abzuschließen, sei deshalb eine gute Beratung geboten.

Denn wer beim Versicherungsantrag Fehler macht, zum Beispiel Fragen zur Gesundheit falsch beantwortet oder eine zu kurze Laufzeit wählt, bekommt im Ernstfall oft keinen Cent. Die versicherte Rente sollte bei mindestens 1000 Euro im Monat liegen, also deutlich über den staatlichen Sozialleistungen. Auch sind teure Verträge nicht immer die besseren: Ein 35-jähriger Bürokaufmann, der sich auf 1800 Euro Monatsrente versichert, zahlt bei günstigen Gesellschaften zwischen 70 bis 80 Euro, hat das Vergleichsportal Biallo errechnet.

Nichtsdestotrotz sollten zum Beispiel Studenten, Auszubildende und Berufsanfänger möglichst früh eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Werden sie krank und können nicht mehr arbeiten, haben sie in den ersten fünf Beitragsjahren keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Darauf weist die Verbraucherzentrale Thüringen hin.

Psychisch Kranke haben Probleme beim Abschluss

16,9 Millionen BU-Verträge liegen laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft aktuell in den Beständen der Versicherungsunternehmen. „Auf dem Papier hat sich das Angebot der privaten Versicherer in den vergangenen Jahren immer weiter verbessert“, berichtet Stiftung Warentest. Insbesondere gut ausgebildete, gesunde Interessenten könnten sich meistens ausreichend versichern.

Dagegen hätten es Kunden mit Vorerkrankungen, risikoreichen Berufen oder gefährlichen Hobbys schwer. „Wer eine psychische Vorerkrankung hat, erhält meist gar kein Angebot“, so die Verbraucherschützer. Häufig führe schon eine einzige Sitzung beim Psychologen zur Ablehnung. (gs/dpa)