Gegen Intoleranz

Gegen Intoleranz: Lehrer warnen mit Manifest vor Radikalisierung und Hasssprache

München - Bayerns Lehrer warnen vor den Auswirkungen hasserfüllter Sprache auf Kinder und Jugendliche. „Wir beobachten mit größter Sorge, wie sich die Stimmung, die Kommunikation in den sozialen Netzwerken und die alltäglichen Umgangsformen in unserer Gesellschaft verändern“, heißt es in einem Manifest mit dem Titel „Haltung zählt“, das die Vorsitzende des Lehrerverbandes BLLV, Simone Fleischmann, am Mittwoch in München verlas. „Diese Verrohung des Umgangs wirkt sich auch auf unsere Kinder und Jugendlichen aus.“ Lehrer beobachteten bei ihren Schülern inzwischen eine „zunehmende Aggressivität gegenüber Andersdenkenden, Ausländern und Flüchtlingen“, sagte ...

07.09.2016, 12:49

Bayerns Lehrer warnen vor den Auswirkungen hasserfüllter Sprache auf Kinder und Jugendliche. „Wir beobachten mit größter Sorge, wie sich die Stimmung, die Kommunikation in den sozialen Netzwerken und die alltäglichen Umgangsformen in unserer Gesellschaft verändern“, heißt es in einem Manifest mit dem Titel „Haltung zählt“, das die Vorsitzende des Lehrerverbandes BLLV, Simone Fleischmann, am Mittwoch in München verlas. „Diese Verrohung des Umgangs wirkt sich auch auf unsere Kinder und Jugendlichen aus.“ Lehrer beobachteten bei ihren Schülern inzwischen eine „zunehmende Aggressivität gegenüber Andersdenkenden, Ausländern und Flüchtlingen“, sagte sie.

In dem Manifest heißt es: „Im Artikel 1 des Deutschen Grundgesetztes heißt es: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Wir Lehrerinnen und Lehrer sehen diesen Grundkonsens bedroht. Wir beobachten, wie unsere Gesellschaft gespalten und Menschen emotional aufgehetzt werden sollen. Extreme Gruppierungen und Personen, insbesondere Repräsentanten der Rechtspopulisten und Rechtsextremen, tragen zu dieser Verrohung maßgeblich bei. Damit wird der Boden bereitet für Zwietracht, Verfolgung und physische Gewalt.“

Wie Worte wirken

Es gebe einen engen Zusammenhang zwischen aggressiver Sprache und aggressivem Verhalten, betonte der Neurologe und Psychotherapeut Joachim Bauer von der Uni Freiburg. „Worte wirken massiv auf das Gehirn.“ Es sei beunruhigend, „wie in den sozialen Netzwerken Hass kultiviert wird“. Denn: „Ich kann mit Sprache einwirken auf das Gehirn anderer Menschen.“ Beschimpfungen und Demütigungen lösten im Gehirn erst einen Schmerz und dann Aggression aus, sagte Bauer. „Hasssprache erhöht die Bereitschaft, selbst gewaltbereit zu handeln.“

Nach Einschätzung des Deutschen Lehrerverbandes hat die Gewaltbereitschaft auf dem Schulhof bereits zugenommen - „und zwar im quantitativen und auch um qualitativen Sinn“, sagte Verbandspräsident Josef Kraus. „Und es fängt alles immer früher an. Sie hören heute schon von Acht- oder Neunjährigen Begriffe wie „Hure“, „Spasti“, „Asylant“.“

Der Lehrerverband ruft dazu auf, dieser Art von Sprache den Nährboden zu entziehen: „Wir wollen, dass unsere Kinder in einer weltoffenen Gesellschaft leben. Unsere Kinder sollen Respekt, Wertschätzung und Interesse für die anderen Menschen erleben und leben - unabhängig davon, welcher Religion sie angehören, welche Hautfarbe sie haben, welche Muttersprache sie sprechen und welche Meinung sie vertreten.“ (dpa)