„GoT“-Star in Berlin

„Game of Thrones“-Star: Lena Headey setzt sich mit Aydan Özoguz für Familiennachzug ein

Berlin - Headey und Özuguz trafen zusammen geflüchtete Frauen in Berlin.

Von Annika Leister
Die Schauspielerin Lena Headey (l.) im Gespräch mit geflüchteten Frauen. 
Die Schauspielerin Lena Headey (l.) im Gespräch mit geflüchteten Frauen.  AP

Am Ende umarmt Lena Headey die 35-jährige Amal lange, während um sie herum die Kameras klicken. Headey wünscht der jungen Frau aus Syrien alles Gute. „Gute Frau“, sagt Headey noch und klopft Amal einmal auf die Schulter. Dann: „Jetzt brauche ich Wasser.“ Die Schauspielerin steckt die Hände in die tiefen Taschen ihrer grünen Latzhose, dreht sich um und geht zur Theke mit den Erfrischungen.

Headey ist durch die Erfolgsserie Game of Thrones weltweit bekannt geworden. Dort spielt sie die blonde Cersei, meistgehasste Frau der Serie, eine Herrscherin, die ihr eigenes Volk bombardiert, ihre Kinder in den Selbstmord treibt und nichts kennt als den eigenen Machterhalt. Mit der Realität hat diese Rolle natürlich nichts gemein. Im Gegenteil. Die 44-Jährige ist für das Thema Flüchtlinge inzwischen geworden, was Leonardo DiCaprio für den Klimawandel ist: Ein Name, der Medien anzieht und Aufmerksamkeit durch bloße Anwesenheit erzeugt.

2016 war Headey mit Kollegen wie Maisie Williams - Arya Stark in Game of Thrones - auf der griechischen Insel Lesbos und besuchte Flüchtlingscamps, die von der Organisation International Rescue Committee (IRC) betreut werden. Zusammen mit IRC drehte sie ein Video, in denen Flüchtlinge ihre Geschichte erzählen: Wo sie herkommen, wie sie auf Lesbos gestrandet sind, wie sehr das Festsitzen im Camp an der europäischen Grenze an ihren Nerven zerrt. Dabei kritisierte Headey auch den Deal zwischen der EU und der Türkei, der Flüchtlingen den Weg nach Europa versperrt. Danach rümpften manche Medien die Nase über den politischen Einsatz der Prominenten. „Champagner-Sozialistin“ habe man sie genannt, erzählte Headey in einem Interview. „Aber das ist kompletter Schwachsinn. Ich bin nur ein Mensch mit einem Gewissen.“ Sie habe zwei Kinder – und die seien ihr stärkster Antrieb: „Sie sollen später wissen, dass mir nicht alles scheißegal war.“

Die vier Kinder sitzen in Syrien fest

Deswegen ist Headey auch in Berlin. Heute trägt sie Brille, ihr Haar ist dunkel und lockig, ein wenig zerzaust. Im fünften Stock einer Jobvermittlungsfirma unterhält sie sich mit fünf geflüchteten Frauen, die an einem Projekt teilgenommen haben, das sie auf den Arbeitsmarkt in Deutschland vorbereiten soll. Auf dem Platz gleich rechts von Headey, vor Schokoplätzchen und leeren Teetassen, sitzt Aydan Özoguz (SPD), Migrations-Beauftragte der Bundesregierung. Sie hat nur eine Stunde Zeit und mit dem Projekt nichts zu tun, unterstützt aber ähnliche Initiativen. Und was schadet schon Austausch – und ein wenig PR?

Der IRC hat das Projekt, um das es hier geht, mit der Jobvermittlungsplattform Care.com initiiert. 50 Frauen haben bisher teilgenommen. Amal ist eine von ihnen. In Syrien war die 35-Jährige Frisörin. In den hellen Räumen von Care.com wurde sie zwei Wochen lang drei Stunden pro Tag über rechtliche Besonderheiten ihres Gastlandes aufgeklärt, hat erfahren, in welchen Bereichen Arbeitskräfte gesucht werden und hat Kindertagesstätten und Krankenhäuser besucht, um vor Ort einen kurzen Blick in die Praxis zu werfen.

Aber die Frau mit dem strahlend weißen Kopftuch hat zurzeit ein dringenderes Problem, über das sie in der Promi-Runde reden will. Eine Dolmetscherin übersetzt aus dem Arabischen. Sie sei 2015 nach Deutschland gekommen, wollte ihre Familie sofort nachholen. Dann wurde der Familiennachzug ausgesetzt. Jetzt sitzen ihre vier Kinder in Syrien fest. Ihre Mutter passe dort auf sie auf, aber: „Ich fühle mich so schlecht, dass ich hier bin und sie in Gefahr. Das zerstört mich“, sagt Amal.

Özoguz verspricht zu Kämpfen

Headey spricht wenig und nickt viel in der Runde. SPD-Politikerin Özoguz ergreift häufiger das Wort, drückt ihre Bewunderung für die Frauen aus, erklärt, dass die Lage gerade kompliziert sei, und verspricht Amal: „Wir kämpfen dafür.“

Doch die Zeit drängt: Amals älteste Tochter wird bald 18, dann fällt sie nicht mehr unter die Nachzugs-Regelung. Und einer ihrer Söhne nähert sich dem wehrpflichtigen Alter, in wenigen Monaten schon könnte er als Kämpfer für Assads Truppen eingezogen werden. Özoguz‘ Partei SPD und die Union haben sich im Bundestag allerdings gerade darauf verständigt, den Familiennachzug für subsidiär Schutzbedürftige wie Amal bis zum 31. Juli weiterhin auszusetzen. Bis dahin wollen sie eine Regelung schaffen, die die Einreise von bis zu 1 000 Familienangehörigen pro Monat ermöglicht. In den Koalitionsverhandlungen will die SPD zusätzlich auf eine Härtefallregelung dringen. Ob das Amals ältesten Kindern noch weiterhelfen wird, ist fraglich. „Ich stehe unter extremem Zeitdruck“, sagt Amal später. Dass der Nachzug weiterhin ausgesetzt wurde, mache sie fertig, sie könne an nichts anderes denken.

Auch in der Berliner Zentrale von Care.com drängt die Zeit. Özoguz und Headey stellen sich noch rasch einer Fragerunde vor Journalisten. Sie habe Projekte in Deutschland gesehen, sagt Headey, voller Hoffnung und Optimismus. Die Migrations-Beauftragte sagt mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen: „Ich möchte die Familienzusammenführung so schnell wie möglich wieder beginnen.“ Vor zwei Jahren sei die Situation eine andere gewesen, die Behörden mit der großen Zahl der Geflüchteten hoffnungslos überfordert. Man müsse ehrlich sein: „Damals hätten wir auch ohne Aussetzung gar nicht viel mehr geschafft.“ Inzwischen habe sich die Situation geändert, man könne nun wieder zur Normalität zurückkehren. Özuguz spricht deutsch. Headey versteht sie nicht, nickt aber bestätigend. 

Amal hat wieder Hoffnung

Nach einer knappen Stunde verteilt Özuguz Küsschen auf den Wangen der fünf geflüchteten Frauen und verabschiedet sich. Sie müsse los, „das Land verändern“. Headey wird noch bleiben, um mit den Frauen ohne Fotografen und Presse zu sprechen. Kurz war der Termin, in der Gesprächsrunde kam jede Frau nur einmal zu Wort. Amal lächelt trotzdem. „Ich habe heute wieder Hoffnung bekommen. Hoffnung, dass sich etwas ändern kann.“