Marktgestaltung

Marktgestaltung: Idee vom alten Rathaus lebt

Halle/MZ. - Soll Halle sein altes Rathaus wieder aufbauen? Diese Frage rückt jetzt auf die Tagesordnung. In dieser Woche wurde ein Verein gegründet, der sich den Wiederaufbau des Rathauses zum Ziel setzt. Sein Name: Kuratorium Altes Rathaus e.V. Der Vorsitzende ist Ulrich Schröder, ein gebürtiger Hallenser, der heute in Leipzig lebt und am Sprachenzentrum der dortigen Universität lehrt. Er ist überzeugt, dass die Idee vom alten Rathaus in Halle noch lebendig ist: "Die überwiegende Zahl der Bürger ist für den Wiederaufbau", glaubt ...

Von Andreas Lohmann

Soll Halle sein altes Rathaus wieder aufbauen? Diese Frage rückt jetzt auf die Tagesordnung. In dieser Woche wurde ein Verein gegründet, der sich den Wiederaufbau des Rathauses zum Ziel setzt. Sein Name: Kuratorium Altes Rathaus e.V. Der Vorsitzende ist Ulrich Schröder, ein gebürtiger Hallenser, der heute in Leipzig lebt und am Sprachenzentrum der dortigen Universität lehrt. Er ist überzeugt, dass die Idee vom alten Rathaus in Halle noch lebendig ist: "Die überwiegende Zahl der Bürger ist für den Wiederaufbau", glaubt Schröder.

Das alte Rathaus ist in den Jahren 1948 und 1950 schrittweise abgerissen worden. Am 13. März 1945, einem Ostersonntag, war es durch Fliegerbomben beschädigt worden. "Die Fundamente sind noch im Boden", berichtet der 54-jährige Schröder, der umfangreiche Akten zu dem Bauwerk, das vom 13. bis 16. Jahrhundert mehrmals neu- und umgestaltet wurde, studiert hat. Der in Ostdeutschland geborene und heute in den USA lebende Medizin-Nobelpreisträger Günter Blobel habe ihn bestärkt, in seiner Idee. "Was bei der Frauenkriche in Dresden möglich ist, sollte auch beim alten Rathaus in Halle gelingen", sagt Schröder. Blobel zum Beispiel habe für die Frauenkirche gespendet. "Unser Verein wird sich weltweit um Spenden bemühen." Bei der Sparkasse Halle (Bankleitzahl: 80053762) sei bereits ein Spendenkonto (Nummer: 386311111) eingerichtet worden. Hierauf könnten die Befürworter des Wiederaufbaus einzahlen. "Es wird sich dann sicherlich bald zeigen, ob unser Anliegen unterstützt wird", so Schröder, dessen stellvertretende Vereinsvorsitzende die Rechtsanwältin Martina Wildgrube und der Politikwissenschaftler Norbert Böhnke, beide aus Halle, sind. Insgesamt zähle der Verein derzeit 15 Mitglieder, heißt es.

In den 90-er Jahren war des öfteren über den Wiederaufbau des Rathauses diskutiert worden. Es gab dazu jedoch niemals ein verbindliches Votum. Im Planungsdezernat hieß es gestern, die Diskussion um den Wiederaufbau dürfe nicht losgelöst von der künftigen Nutzung des Gebäudes geführt werden. Diese könne nur eine öffentliche sein. Dann stelle sich jedoch die Frage nach der Finanzierbarkeit. Die Baukosten dürften mindestens 50 Millionen Mark betragen. Der Verein werde sich dazu in Kürze äußern, so Schröder. Als künftige Mieter könne er sich die Havag (mit einer Verkaufsstelle), die Tourist-Information und auch eine Polizei-Wache vorstellen.

Bei den Stadtratsfraktionen gibt es unterschiedliche Reaktionen. CDU-Fraktionschef Eberhard Doege meint, "an dieser Sache scheiden sich die Geister". Man werde das Anliegen aber ernst nehmen. PDS-Fraktionschef Bodo Meerheim erklärt: "Wir haben schon vor Jahren gesagt, wir wollen keine Bebauung in der Mitte des Markplatzes. Dabei bleibt es." SPD-Fraktionsvize Gottfried Koehn sagt, seine Fraktion habe vor Jahren beschlossen, die Idee, das Alte Rathaus wieder aufzubauen, nicht länger zu verfolgen. Daran habe sich bisher nichts geändert. "Soll sich der Verein ruhig mal Gedanken machen", meint Sabine Wolff (Hal-Fraktion/Neues Forum). Denn viele Fragen seien offen: "Wo soll das Rathaus hin? Was soll rein. Wer soll es bezahlen?" Und Bernd Stemme, MBL-Fraktionschef: "Wenn die Bürger mehrheitlich sagen, es gibt Wichtigeres zu tun, sollte man es bleiben lassen." FDP-Fraktionschef Gerry Kley lobt das Anliegen des Vereins. "Den Hallensern liegt das alte Rathaus am Herzen. Wenn jeder Einwohner hundert Mark gibt, hat man das Geld schon fast beisammen."