Boykott-Diskussion

Langläufer Angerer regt Olympia in mehreren Ländern an

Von dpa 28.01.2022, 03:31
Regt ein generelles Umdenken in der Olympischen Bewegung an: Der ehemalige Langläufer Tobias Angerer.
Regt ein generelles Umdenken in der Olympischen Bewegung an: Der ehemalige Langläufer Tobias Angerer. Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Berlin - In der Diskussion um einen Boykott der Winterspiele in Peking hat der frühere Weltklasse-Langläufer Tobias Angerer (44) ein generelles Umdenken in der Olympischen Bewegung angeregt.

„Warum richten nicht zwei, drei Länder zusammen die Olympischen Spiele aus, wenn ein traditioneller Ort zu klein ist, um heutzutage noch Olympische Spiele auszurichten? Ich denke da zum Beispiel an Norwegen und Schweden. Aber dazu braucht es Mut und ein Umdenken“, sagte der zweimalige olympische Silbermedaillengewinner in einem Gastbeitrag der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. „Wir haben die Chance, ein neues Image zu prägen und wirklich auf Nachhaltigkeit zu setzen.“

„Warum sollen überhaupt Sportler Zeichen setzen“

Wegen der Menschenrechtsverletzungen in China waren zuletzt immer wieder die Rufe nach einem sportlichen Boykott laut geworden. Viele Sportler halten davon gar nichts. „Warum sollen überhaupt Sportler Zeichen setzen, indem sie die Olympischen Spiele boykottieren? Der Sport kann die Rolle nicht übernehmen, die von der gesamten Gesellschaft zu lösen ist“, schrieb der dreimalige Biathlon-Olympiasieger Michael Greis (45): „Vielleicht dürfen wir die Olympischen Spiele auch einfach nicht mehr so überhöhen.“

Andrea Burke, die 2002 unter ihrem Mädchennamen Henkel in Salt Lake City Doppel-Olympiasiegerin im Biathlon wurde, meinte: „Wenn die Athleten die eigentliche Olympische Idee verkörpern sollen, sollte man vielleicht auch über eine Möglichkeit nachdenken, sie stärker bei der Entscheidung mit einzubeziehen.“

Auch bei den Winterspielen 2014 im russischen Sotschi war die politische Lage „schon problematisch, und es gab Fragen nach einem Boykott und wie man sich zu den dortigen Verhältnissen verhalten sollte“, sagte Burke (44). „Ich fand das damals sehr schade, dass die Athleten dafür in die Bresche springen sollten, was das IOC entschieden hatte. Dass die Athleten in so eine Situation gebracht werden, ist nicht richtig.“