TV-Aufnahmen überführen Patrick Moster

„Hol die Kameltreiber“: BDR-Sportdirektor sorgt bei Olympia für einen Eklat

28.07.2021, 13:37 • Aktualisiert: 28.07.2021, 14:14
Die rassistischen Äußerungen beim Zeitfahren könnten für Patrick Moster nach Olympia noch Konsequenzen haben.
Die rassistischen Äußerungen beim Zeitfahren könnten für Patrick Moster nach Olympia noch Konsequenzen haben. (Foto: dpa/Maurizio Gambarini)

Fuji - Die Außenmikrofone ertappten Patrick Moster auf frischer Tat. Laut und deutlich war die rassistische Entgleisung des Sportdirektors der deutschen Radfahrer zu verstehen - er muss deshalb trotz einer umgehenden Entschuldigung um seinen Job fürchten. „Hol die Kameltreiber, hol die Kameltreiber, komm“, hatte Moster seinem Schützling Nikias Arndt beim olympischen Zeitfahren zugerufen.

„Die Aussage ist nicht akzeptabel“, sagte BDR-Präsident Rudolph Scharping und ergänzte: „Wir werden darüber nach den Olympischen Spielen sprechen und dabei die Entschuldigung von Moster auch in die Bewertung einbeziehen, sowie den besonderen Stress, dem das deutsche Männer-Team Straße ausgesetzt war.“

ARD-Kommentator Florian Nass zögerte keine Sekunde und kritisierte Moster während der Live-Übertragung umgehend, auch in den Sozialen Medien folgte ein Sturm der Entrüstung. Mosters Entschuldigung folgte schnell - ob sie ihm seinen Job rettet, ließ der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) offen.

Patrick Moster entschuldigt sich nach verbaler Entgleisung

Moster, seit 2012 als Sportdirektor des Verbandes, hatte zuvor versichert, dass es ihm „wahnsinnig leid“ tue. „Ich kann mich nur für die getätigten Worte entschuldigen“, sagte der 54-Jährige dem SID. Er bekräftigte, dass der momentane Stress und die Hektik aber keine Entschuldigung für seinen Aussetzer seien dürften. „Das darf nicht passieren“, sagte Moster.

Auch der DOSB reagierte auf den Eklat. „Das Team D steht für die Einhaltung der olympischen Werte Respekt, Fairplay und Toleranz und lebt diese in all ihren sportlichen Wettbewerben“, sagte Präsident Alfons Hörmann und betonte: „Es ist wichtig, dass sich Patrick Moster unmittelbar nach dem Wettkampf entschuldigt hat.“ Der DOSB will umgehend das persönliche Gespräch mit Moster suchen und die Situation aufarbeiten.

BDR will nach Olympia über die Zukunft von Patrick Moster entscheiden

Vor Arndt waren der Eritreer Amanuel Ghebreigzabhier und der Algerier Azzedine Lagab im Kampf gegen die Uhr auf die Strecke gegangen. Er könne es sich selbst nicht erklären, wie es zu dieser Äußerung gekommen sei, sagte Moster. Direkt im Anschluss an das Rennen, das der ehemalige Skispringer und letztjährige Tour-Zweite Primoz Roglic (Slowene) gewann, versuchte er eigenen Angaben zufolge, Kontakt mit den beiden betroffenen Fahrern aufzunehmen. Vergeblich.

So versuchte Moster vehement seine grundsätzlich antirassistische Haltung herauszustellen. „Ich bin in keinster Weise gegen ausländische Mitkonkurrenten in rassistischer Absicht oder ähnlichem unterwegs“, betonte Moster im Gespräch mit dem SID. Er „schätze und achte die Leistungen, die von allen Sportlern hier gebracht werden“. Moster erwähnte zudem, dass er auch in seinem Bekanntenkreis Freunde mit Wurzeln aus Nordafrika habe.

Ob all diese Einsicht ihm am Ende seinen Job noch retten kann, wird er erst nach seiner Rückkehr in die Heimat erfahren.