Wintersport Gott auf Kufen: US-Star Malinin verzückt Eiskunstlauf-Welt
Ilia Malinin verschiebt im Eiskunstlaufen mit seinen Flugshows die Grenzen. Die Vorbereitung auf den wichtigsten Wettkampf in der Karriere des US-Wunderkinds läuft. Schlagbar scheint er nicht zu sein.

St. Louis - Ilia Malinin schwebt über das Eis, als hätte die Schwerkraft beschlossen, kurz einmal wegzusehen. Ein Vierfachsprung hier, ein Vierfachsprung da und obendrauf noch ein Rückwärtssalto. Der 21 Jahre alte US-Superstar lässt das Schwierige so einfach aussehen und setzt im internationalen Eiskunstlaufen neue Maßstäbe.
Der wichtigste Titel - der Olympiasieg - fehlt Malinin aber noch. Am 13. Februar wird bei den Winterspielen in Mailand die Goldmedaille in der Männerkonkurrenz vergeben - und alles andere als ein Triumph des Wunderläufers wäre eine Sport-Sensation.
Der Countdown bis zum bislang wichtigsten Wettkampf in Malinins Karriere läuft, die finale Vorbereitung startet mit dem Kurzprogramm bei der US-Meisterschaft in St. Louis im Bundesstaat Missouri am Donnerstag.
US-Meisterschaft nur eine Zwischenstation
Sein vierter nationaler Titel soll nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu seinem Olympia-Triumph sein. Er werde die Zeit bis zu den Winterspielen nutzen, „um alles zu perfektionieren, wirklich an all meinen Schwächen zu arbeiten und alles so perfekt wie möglich zu machen“, äußerte der zweimalige Weltmeister, der seit mehr als zwei Jahren keinen Wettbewerb mehr verloren hat.
Malinins Spitzname in der Eiskunstlauf-Welt lautet „Vierfach-Gott“, weil er so viele Vierfachsprünge beherrscht wie kein anderer auf der Welt. Beim Grand-Prix-Finale in Japan Anfang Dezember hatte er in der Kür als erster Sportler sieben Vierfachsprünge gezeigt. Dazu zählt auch der vierfache Axel, der als schwierigster Sprung überhaupt gilt. Außer Malinin hat dieses Element noch niemand anderes in einem Wettkampf gestanden.
„Einfach verblüffend“
„Es ist einfach verblüffend, was er da macht“, wurde der frühere britische Eiskunstläufer Mark Hanretty vom US-amerikanischen Sportportal „The Athletic“ zitiert. Selbst einen fünffachen Sprung zu stehen, hält Malinin für die Zukunft nicht für ausgeschlossen.
Das Talent wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Seine in der Sowjetunion geborenen Eltern Tatjana Malinina und Roman Skornyakov nahmen in den 1990er und 2000er Jahren für Usbekistan an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teil.
Edelmetall bei den ganz großen internationalen Wettkämpfen konnten sie aber nicht holen - im Gegensatz zu Sohn Ilia, der 2024 im kanadischen Montreal und 2025 bei der Heim-WM in Boston jeweils Gold gewann.
Einen Weltrekord hat er schon
Aber Malinin beeindruckt nicht nur mit Titeln, sondern auch mit Rekorden. Mit seiner Grand-Prix-Kür holte er 238,24 Punkte und stellte einen Weltrekord auf. Der frühere kanadische Läufer Ted Barton schwärmte und bezeichnete das Programm als „eine der großartigsten Darbietungen in der Geschichte des Männer-Eiskunstlaufs“.
Malinin nähert sich auch dem Gesamtweltrekord aus Kurzprogramm und Kür. Die Marke seines Landsmanns Nathan Chen (335,30 Punkte) aus dem Jahr 2019 verfehlte er bei seiner bisherigen persönlichen Bestleistung nur um 1,49 Zähler. Es scheint allenfalls eine Frage der Zeit zu sein, bis auch dieser Rekord wackelt.
Malinin hat noch eine Rechnung offen
„Was auch immer er macht – es funktioniert ganz offensichtlich“, wurde Chen, der 2022 in Peking Olympiasieger wurde, von der US-Nachrichtenagentur AP zitiert.
Mit Olympischen Spielen hat Malinin noch eine Rechnung offen. Denn bei Chens Triumph in der chinesischen Hauptstadt musste der „Vierfach-Gott“ mit der Zuschauerrolle vorliebnehmen. Trotz seines zweiten Platzes bei der US-Meisterschaft hinter Chen wurde Malinin unter anderem wegen mangelnder Erfahrung nur als Ersatzläufer nominiert. Dieses Mal führt kein Weg an ihm vorbei.
Malinin für deutsche Läufer unerreichbar
Deutsche Läufer, die derzeit nichts mit der Weltklasse zu tun haben, sind von Malinins Punktzahlen weit entfernt. Eine Inspiration kann das Wunderkind für sie aber dennoch sein. „Man kann sich natürlich an ihm orientieren“, sagte Deutschlands derzeit bester Läufer Genrikh Gartung, der immerhin auch mehrere Vierfachsprünge im Repertoire hat, aber sich international erst noch beweisen muss.
Immerhin dürfte Malinin mit seinen beeindruckenden Flugshows seiner Konkurrenz bewusst machen, was auf dem Eis alles möglich ist. Denn auch Malinin ist wie alle anderen Läufer immer noch nur ein Mensch.