Turn-WM

Wahl-Hallenser Lukas Dauser wird zum Silberstar

Wie schon bei den Olympischen Spielen in Tokio setzt der Wahlhallenser das Glanzlicht aus deutscher Sicht. An seinem Spezialgerät ist nur ein Chinese stärker.

Aktualisiert: 07.11.2022, 09:39
Der Hallenser Lukas Dauser feiert seine WM-Silbermedaille.
Der Hallenser Lukas Dauser feiert seine WM-Silbermedaille. (Foto: AFP)

Liverpool/MZ/DPA - Die wichtigsten Glücksbringer waren am Samstagabend rechtzeitig für das große Finale der WM eingetroffen. Mama Gabi und die zukünftige Ehefrau Viktoria konnten am Sonntag als größte Fans und wichtigste Daumendrücker auf den Rängen der Liverpooler Arena mitfiebern. Lukas Dauser enttäuschte seine Liebsten nicht.

Der Vorzeigeathlet der deutschen Turner schwang sich wie schon bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 an seinem Spezialgerät Barren mit 15,50 Punkten zum Silberstar auf. Einzig Olympiasieger Zou Jingyuan (16,166 Zähler) war besser als der in Halle bei Hubert Brylok trainierende Bayer. Dauser sicherte sich seine erste Medaille bei einer WM. Es war auch das einzige deutsche Edelmetall in England.

Lukas Dauser nach Silber: „Ich kann noch gar nicht richtig glauben, dass ich Vize-Weltmeister bin“

„Ich rede nicht gern über Medaillen, sondern gewinne sie lieber, das ist mir heute gelungen“, sagte ein überglücklicher Dauser nach dem Wettkampf dem SWR. „Das war heute sehr nah an der perfekten Übung. Ich kann noch gar nicht richtig glauben, dass ich Vize-Weltmeister bin.“

Einen der größten Momente seiner Karriere feierte der 29-Jährige am Abend nicht nur mit Trainer Brylok und den Teamkollegen, darunter mit Nils Dunkel ein weiterer Hallenser, sondern eben auch mit „seinen größten Unterstützern“, wie Dauser seine Verlobte und seine Mama nannte. „Es ist das Größte für mich, dass ich heute vor ihnen die Silbermedaille gewinnen konnte.“

Mit Silber bei der WM machte Dauser auch die Enttäuschung bei der Heim-EM in München aus dem August vergessen. Dort hatte der für Unterhaching startende Sportsoldat im Finale gepatzt und musste sich mit Rang acht begnügen. In Liverpool zeigte er sich nun aber wieder nervenstark.

Zuvor hatte sich Dauser bereits als einziger deutscher Turner für das Finale im Mehrkampf qualifizieren können und so seine nationale Ausnahmestellung unterstrichen. Im Endkampf belegte er einen respektablen elften Platz.

Bei den Frauen zeigte Elisabeth Seitz die stärkste Leistung. Als Vierte am Stufenbarren verpasste sie am Samstag einen Podestplatz nur knapp. Die Stuttgarterin, die am Freitag 29 Jahre alt geworden war, hatte sich nach einer Coronavirus-Infektion an zwei Geräten gerade noch rechtzeitig fit machen können für diese Titelkämpfe. Als Achte in die Entscheidung gekommen, konnte sich die WM-Dritte noch einmal deutlich nach vorn schieben und zeigte sich angesichts der Umstände „glücklich“ über ihr Abschneiden.

Für die Zukunft plant die Lehramtsstudentin, den Ausgangswert ihres Vortrags, der aktuell bei 6,10 Punkten liegt, noch einmal zu erhöhen. Bundestrainer Gerben Wiersma habe ihr dafür ein paar Anregungen gegeben, „ich habe richtig Lust, mal wieder etwas Neues auszuprobieren“. Mit Blick auf die Olympischen Spiele in Paris peilt die deutsche Rekordmeisterin auch wieder einen Vierkampf an. „Gerade Boden macht mir immer sehr viel Spaß.“

Den Sprung in die Mannschaftsfinals hatten die Riegen des Deutschen Turner-Bundes (DTB) sowohl bei den Männern, wie bei den Frauen verpasst. Allerdings fehlten auch viele Topleute. Bei den Frauen etwa die WM-Zweite am Schwebebalken, Pauline Schäfer aus Chemnitz, bei den Männern unter anderem der Hallenser Nick Klessing. Dennoch blicken die Verantwortlichen des DTB optimistisch in Richtung Olympia-Qualifikation. Die jeweils noch verbleibenden acht Tickets für die Reise 2024 nach Paris werden bei den Weltmeisterschaften im nächsten Herbst im belgischen Antwerpen vergeben.