„Er ist zu jeder Zeit gewaltbereit“

Geldstrafe statt Haft: Tom Schwarz' Ex-Freundin erhebt nach Urteil schwere Vorwürfe

Boxer Tom Schwarz drohten bis zu zehn Jahre Haft, doch wurde das Verfahren gegen eine Geldstrafe eingestellt. Ex-Freundin Tessa erhebt nun schwere Vorwüfe.

11.11.2021, 11:37 • Aktualisiert: 11.11.2021, 12:02
Boxer Tom Schwarz muss für seinen Schlag ins Gesicht seiner Exfreundin 2500 an die Staatskasse zahlen.
Boxer Tom Schwarz muss für seinen Schlag ins Gesicht seiner Exfreundin 2500 an die Staatskasse zahlen. (Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentra)

Burg/dpa/MZ - Bei ihm flossen Tränen der Erleichterung, seine Ex-Freundin Tessa verließ schweigend den Saal: Das Verfahren gegen den Box-Profi Tom Schwarz wegen gefährlicher Körperverletzung ist am Dienstag am Amtsgericht Burg bei Magdeburg nach fast fünfstündiger Verhandlung eingestellt worden. Im schlimmsten Fall hätte Schwarz eine Gefängnisstrafe von zehn Jahren gedroht. Stattdessen muss der 27-Jährige bis zum Ende des Jahres nur eine Geldstrafe von 2500 Euro an die Staatskasse überweisen.

„Es lag ein Fehlverhalten auf beiden Seiten vor. Er ist eben der Meister der fliegenden Fäuste und nicht der Meister des gesprochenen Wortes“, sagte Richter Winfried Leopold. „Der Schlag hätte anders ausgeführt werden können und müssen und als Profiboxer muss man in der Lage sein, das dosieren zu können. Aber auch die Ex-Freundin hat sich nicht mit Ruhm bekleckert.“

Urteil gegen Tom Schwarz: Gericht sieht Fehlverhalten auf beiden Seiten

Ex-Freundin Tessa sprach am Tag nach dem Urteil bei „Bild-Live“ ausführlich über ihre Meinung zum Urteil. „Das ist ein Wegschauen und eine Mauschelei der Justiz“, sagte Tessa, die sich ungerecht behandelt fühlt: „Alle unsere Zeugen wurden abgeleht und ich hatte keine weitere Möglichkeit, mich zu äußern.“ Ihrem Ex-Freund unterstellte sie zugleich, „ein narzistischer Mensch mit einer ganz großen Persönlichkeitsstörung“ zu sein: „Eine Beziehung mit Tom ist der Horror. Er ist zu jeder Zeit gewaltbereit.“

Dem durch einen Kampf gegen Superstar Tyson Fury einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gewordenen Schwarz war vorgeworfen worden, seine Ex-Freundin im Mai 2020 vor einer Pizzeria zunächst zu Boden gestoßen und ihr im weiteren Verlauf den Kiefer mit einem Schlag mehrfach gebrochen zu haben. Beide Punkte wurden durch Gutachten und Zeugen bestätigt. Auslöser der Auseinandersetzung war offenbar ein Streit zwischen Schwarz' Ex-Freundin und seiner heutigen Frau.

Tom Schwarz schlug Ex-Freundin Tessa ins Gesicht

Allerdings sah das Gericht die gefährliche Körperverletzung als nicht erwiesen an, da kein Beweis für eine Lebensbedrohlichkeit der Ex-Freundin erbracht werden konnte. „Dafür reichen die in der Hauptverhandlung getroffenen Aussagen nicht aus“, sagte Leopold und zog lediglich eine Verurteilung wegen Körperverletzung in Betracht. Dafür hätte das Höchstmaß fünf Jahre Gefängnis betragen.

Leopold legte eine gewisse Mitschuld der früheren Freundin nahe, da sie Schwarz nach dem Schubser zu dessen Auto gefolgt war, wo dann der Schlag erfolgte. „Sie konnte nicht stichhaltig erklären, warum sie ihm gefolgt ist“, sagte Leopold. Die Ex-Freundin wollte den Streit nach eigener Aussage schlichten, eine Zeugin berichtete allerdings auch von Schlägen gegen den Boxer.

Regina Halmich fordert lebenslange Sperre für Tom Schwarz

Die Verteidigung brachte am Ende sogar einen Freispruch für Schwarz ins Gespräch. „Die Verletzungen hat mein Mandant von Anfang an bedauert“, sagte Schwarz' Anwalt Stefan Conen. „Meines Erachtens liegt eine Notwehrhandlung vor, da mein Mandant eingeengt in seinem Range Rover saß und nirgendwohin ausweichen konnte. Da sehe ich die Chance auf einen Freispruch.“ Dieser Argumentation folgte die Staatsanwaltschaft allerdings nicht.

Schwarz war einst Juniorenweltmeister im Schwergewicht, hat seit September 2019 allerdings keinen Kampf mehr bestritten. Von seinem Boxstall SES war der Hallenser bis zum Ende des Verfahrens suspendiert worden. Ob und wann Schwarz nun für SES wieder in den Ring zurückkehrt, ist noch offen.

Ex-Box-Star Regina Halmich äußerte sich via „Bild“ ebenfalls zum Urteil und sprach von einer „Schande für den Boxsport“. Trotz des Freispruchs vor Gericht forderte sie harte Konsequenzen für Tom Schwarz: „Für seinen Sport gehört er lebenslänglich gesperrt.“