Fussball Grün-Weiß Rieder

Fussball Grün-Weiß Rieder: Der ewige Jockel mit der Rückennummer 3

Rieder - Schon als Kind hatte Dirk Kolar seinen Spitznamen auf dem Platz weg. Warum er mit 48 Jahren immer noch die Schuhe für Rieder schnürt.

Von Thomas Baake

Andere hätten sich längst zur Ruhe gesetzt. Der 48-Jährige Dirk Kolar spielt indes immer noch für Rieders Reserve. Mit fünf Jahren begann Kolar, Spitzname Jockel, dem runden Leder hinterher zu jagen: „Früher als Kind, wo wir hier rumgebolzt haben, haben sie mich einfach Jockel genannt. Den Spitznamen habe ich bis heute und unter einem anderen Namen kennt man mich hier gar nicht auf dem Sportplatz“, erinnert sich der Familienvater, der in der Jugend auch für Motor Quedlinburg und Stahl Thale am Ball war.

„In der A-Jugend in der DDR-Liga wurde ich umfunktioniert und habe dann in der Verteidigung gespielt“

Da wurde viermal pro Woche trainiert und es waren laut Kolar zwei wunderbare Jahre. In der Bezirksliga und in allen Altersklassen in der Kreisauswahl hat er im Mittelfeld gekickt. „In der A-Jugend in der DDR-Liga wurde ich umfunktioniert und habe dann in der Verteidigung gespielt. Sportlich haben da ein paar Dinge wie die Schnelligkeit gefehlt“, sagt Kolar.

Einem ist der 1,82 Meter große Fußballer in all den Jahren aber treu geblieben – der Rückennummer 3. „Für mich ist das eine Glückszahl.“ Als es dann in den Herrenbereich ging, trat Norbert Witzel an den jungen Kolar heran und fragte, ob er nicht für Grün-Weiß Rieder die Fußballschuhe schnüren möchte. Und er tat es ganze 26 Jahre lang für die Erste bis ins Jahr 2018.

Die Erinnerung an das erste Spiel

An sein erstes Spiel für Rieder mit 18 Lenzen kann sich Kolar noch genau erinnern. Es ging gegen Königerode und „Jockel“ erzielte seine ersten Treffer für Grün-Weiß - gleich drei Stück in einer Partie. Aber auch Tore gegen Neinstedt oder in Halberstadt bleiben dem Abwehrspieler in Erinnerung. Im Heimspiel gegen Neinstedt traf Kolar mit dem schwachen Fuß oben links in den Winkel. Und in Halberstadt versenkte er einen Freistoß von der Mittellinie über den Torwart hinweg.

Jetzt in der Zweiten am Ball

Aber nicht nur Tore gehören zu den positiven Erlebnissen im Grün-Weißen Trikot. Ein besonderer Erfolg war 2008 der Aufstieg in die Landesklasse – damals noch mit Aufstiegsspielen. Für Gänsehaut sorgten bei Kolar und Kollegen auch die Endspiele im Kreispokal gegen Westerhausen und Askania Ballenstedt – trotz Niederlagen. Aber die Fans feierten ihr Team.

Seit gut zwei Jahren trainiert und spielt Dirk Kolar nun in der Reserve von Grün-Weiß mit. Eine Umstellung. „Es war schwer und ich hätte es nicht gedacht, es für mich zu akzeptieren. Das Niveau ist nicht so hoch wie in der Ersten. Es hat ein anderes Spielerpotenzial mit Charakter. Ich habe es akzeptiert. Für mich ist es wichtig, mich noch etwas zu bewegen und Spaß zu haben mit der Mannschaft“, sagt Kolar und fügt hinzu: „ Es ist ein weinendes Auge und ein lachendes Auge. Für die Erste zu spielen geht nicht mehr. Ich muss es akzeptieren. Es war ein langer Prozess. Nun müssen die jungen Spieler ran.“

Von heute auf morgen aufhören geht nicht

Aber zwei, drei, vier Jahre will er noch die Fußballschuhe für die Reserve oder die Altherren schnüren. Aufhören von heute auf morgen gehe nicht. „Für mich zählt der Zusammenhalt des Teams und dass wir nicht absteigen. Nach dem Spiel einfach mal erzählen, ein Würstchen essen und zusammen sitzen“, sagt Kolar. Früher habe sich für ihn alles um Fußball gedreht.

„Da war Fußball für mich sehr wichtig. Meine Frau hat mich nicht anders kennengelernt. Das ganze Wochenende auf dem Sportplatz, ob als Spieler oder Nachwuchstrainer. Jetzt ist Fußball nicht mehr im Vordergrund“, sagt der Familienmensch.

Fußballerisch kürzer treten sei angesagt. Dennoch verfolgt Kolar das Geschehen bei Grün-Weiß. „Ich finde die fußballerische Entwicklung besser, auch durch Tim Schulze. Traurig ist, dass wir keinen Nachwuchs mehr haben.“ Kolars Weg indes hätte auch ein anderer sein können. 1983, da war er zehn, hatte er, wie Marco Gebhardt, das Angebot, von Motor Quedlinburg auf die Sportschule nach Halle zu wechseln.

„Für mich war es als Kind schwierig von zu Hause wegzugehen. Marco hat es gemacht. Er spielte dann später für Eintracht Frankfurt, Union Berlin und 1860 München. Er ist auch einer der Spieler, mit dem ich gern zusammen gespielt habe“, erinnert sich Rieders ältester aktiver Spieler. (mz)