Vor dem Darmstadt-Spiel

Yussuf Poulsen von Rasenballsport Leipzig im Interview: So sieht der RBL-Stürmer sein Team in der 1. Bundesliga

Leipzig - 607 Spielminuten in acht Bundesligaspielen: Yussuf Poulsen ist einer der Dauerbrenner bei RB Leipzig. Vor dem Spiel gegen Darmstadt sprach der 22-Jährige mit Martin Henkel über den sensationellen Saisonstart und darüber, wem er beim Torjubel lieber aus dem Weg gehen würde.

Von Martin Henkel 28.10.2016, 18:00
Gegen den FC Augsburg hat Poulsen sein erstes Bundesliga-Tor erzielt. Gelingt ihm in Darmstadt ein weiterer Treffer?
Gegen den FC Augsburg hat Poulsen sein erstes Bundesliga-Tor erzielt. Gelingt ihm in Darmstadt ein weiterer Treffer? imago sportfotodienst

607 Spielminuten in acht Bundesligaspielen: Yussuf Poulsen ist einer der Dauerbrenner bei RB Leipzig. Vor dem Spiel gegen Darmstadt sprach der 22-Jährige mit Martin Henkel über den sensationellen Saisonstart und darüber, wem er beim Torjubel lieber aus dem Weg gehen würde.

Herr Poulsen, sind Sie bereit für Darmstadt?
Poulsen: Das bin ich.

Sie standen in sieben von acht Spielen bislang in der Startelf. Und das bei einem Läufer-Klub wie RB Leipzig. Sind Sie nicht müde?
Poulsen: Ich regeneriere ziemlich schnell. Meine elf Kilometer kann ich im Spiel eigentlich immer laufen.

Gegen Bremen sah es kurz vor Ihrer Auswechslung so aus, als würden Sie gleich zusammen brechen.
Poulsen: (lacht). Ja, es gab da eine Szene, in der ich erst 80 Meter zurückgerannt bin, danach von der Mittellinie einen Sprint in den Strafraum gemacht habe und dann auch noch ins Gegenpressing wollte. Da hab ich gemerkt, jetzt geht nichts mehr.

Wie oft werden Sie gegen Darmstadt über die Grenzen gehen müssen, immerhin ein alter Bekannter aus der 3. und 2. Liga?
Poulsen: Das waren immer enge Spiele. Also bestimmt eine Menge. Darmstadt wird vermutlich eher tief stehen, so ähnlich hat auch Werder gegen uns gespielt. Da hat man schon gesehen, dass wir in der 1. Halbzeit zunächst ein wenig Schwierigkeiten hatten.

RB wird eher Ballbesitzfußball spielen müssen. Für eine Mannschaft, die mit Vorliebe gern den Ball jagt, ist das eine ziemlich neue Facette.
Poulsen: Das denken viele, weil sie uns jetzt erst so richtig wahrnehmen. Aber wir haben so auch schon in der 2. Liga spielen müssen. Dort standen zehn, zwölf Mannschaften tief gegen uns. Von daher wissen wir, dass wir auch diese Spielweise beherrschen.

Das Niveau in der 1. Liga ist ein anderes.
Poulsen: Das stimmt.

Was ist der größte Unterschied?
Poulsen: Das Qualitäts-Level der Gegenspieler. Es wird in der 2. Liga härter beziehungsweise zum Teil mannorientierter verteidigt. In der 1. Liga hat man vielleicht noch mehr Respekt voreinander, man verteidigt abwartender. Man weiß, dass auf der anderen Seite sehr viel Qualität steht. Ein Fehler – und es kann gleich 0:1 stehen. Das gibt dir in manchen Situationen mehr Raum, mehr Zeit am Ball – ohne dass da gleich einer hinter dir steht.

Was hat sich für Sie verändert?
Poulsen: Ich bin viel besser geworden im Spiel mit dem Rücken zum Tor.

Yussuf Poulsen, der Wandspieler?
Poulsen: (lacht) Genau, ich bin jetzt unter anderem ein Wandspieler. Ich hab’ im Training vor allem die Situationen mit den Innenverteidigern genutzt – und ausprobiert, was ich anders machen kann, wenn ich mit dem Rücken zum Tor angespielt werde. Und dann hatte ich den Dreh raus. Früher habe ich mich vor allem immer auf den Ball konzentriert. Jetzt versuche ich zu erahnen, wie der Gegner sich bewegt.

Der Großteil der Mannschaft besteht aus Zweitligaspielern. Dann tauchen Sie in der 1. Liga auf und gewinnen von acht Spielen fünf und spielen drei Partien Remis. Wie gehen Sie mit dieser Entwicklung um?
Poulsen: Man muss manchmal schon inne halten und sagen, puuh, wir haben das jetzt bislang ganz ordentlich gemacht. Es ist ein bisschen besser gelaufen, als wir gedacht haben. Aber wir sind und bleiben bodenständig.

Die Erwartungshaltungen im Umfeld nehmen zu. Die Rede ist von Bayern-Jägern, Champions-League-Aspiranten.
Poulsen: Wir sind neu in der Liga, und wir haben nie gesagt, dass wir auf einen Champions-League-Platz wollen. Und Sie sagen es: Diese Erwartungen kommen ausschließlich von außen. Intern ist das ist bei niemandem ein Thema. Das interessiert uns nicht.

RB Leipzig weigert sich standhaft seine Saisonziele neu zu benennen. Warum?
Poulsen: Weil erst acht Spiele gespielt sind. Wir wollen eine sorgenfreie Saison spielen. Und wie viele Punkte braucht man dafür? 40, 45? Wenn wir die haben, dann können wir irgendwann vielleicht über andere Ziele sprechen. Man hat das damals bei Hoffenheim gesehen, als die aufgestiegen sind. Die waren Herbstmeister und am Ende Siebter, glaube ich. Man sollte sich nie zu früh irgendwas wünschen.

Wie moderiert Ralph Hasenhüttl die aktuelle Situation?
Poulsen: Muss er gar nicht. Niemand von uns verliert gerade den Kopf, bloß weil wir Zweiter sind.

Was schätzen Sie an Ihrem Trainer?
Poulsen: Seine Energie. Wenn man ihn am Spielfeldrand erlebt, könnte man meinen, er stünde selbst auf dem Platz. Das hat man schon beim ersten Spiel in Hoffenheim gesehen, da war er beim 2:2 schneller bei Marcel Sabitzer als jeder andere.

Bekommt man als Torschütze Angst, wenn einer wie Ralph Hasenhüttl einen anspringt? Er ist 1,91 Meter groß.
Poulsen: (lacht). Ich hab bislang nur ein Tor gemacht, gegen Augsburg. Und das war auf der anderen Seite des Spielfelds. Da kam er nicht hin. Aber natürlich hat man keine Angst.

Gibt es Gratulanten im Team, denen Sie besser aus dem Weg gehen?
Poulsen: (lacht) Von der Statur her, Terrence Boyd vielleicht. Oder Fabio Coltorti. Schwieriger wird’s, wenn sich die Spieler über einen werfen. Und sich dann alle übereinander stapeln. Als wir nach dem Sieg gegen Saabrücken in die 2. Liga aufgestiegen sind, lag ich mit Joshua Kimmich ganz unten. Wir konnten uns nicht mehr bewegen. Es kann also auch mal wehtun, wenn du Erfolg hast.