Reifeprüfung für Leipzig

RB Leipzig will beim 1. FC Kaiserslautern endlich wieder zu Null spielen

Leipzig - Nach der 0:1-Schlappe gegen den SV Sandhausen soll das am Montag beim 1. FC Kaiserslautern wieder gelingen. „Wir wollen dominanter und aktiver gestalten, dass der Gegner nicht zu einfachen Toren kommt. Das müssen wir abstellen”, forderte RBL-Kapitän Dominik Kaiser.

Von Ullrich Kroemer
Kampf um jeden Zentimeter: RBL-Kapitän Dominik Kaiser gegen Alexander Ring vom 1. FCK beim 1:1 im Rückspiel der vergangenen Saison. imago sportfotodienst

Dominik Kaiser hat sich unter der Woche auf unbekanntem Terrain ausprobiert. Weil der RBL-Spielführer gut mit dem Kapitän der Bundesliga-Judoka vom JC Leipzig bekannt ist, stattete er den Kampfsportlern einen Trainingsbesuch ab. Schmerzhafte Würfe musste Kaiser bei der weiß-gelben Gürtelprüfung nicht über sich ergehen lassen. „Ich war immer in der Offensive”, berichtete der 27-Jährige. Eine Parallele zu seinem Erst-Sport: „Es ist ja auch beim Fußball unser Ziel, aktiv zu agieren und die Gegner vor Probleme zu stellen.”

Nach der 0:1-Schlappe gegen den SV Sandhausen soll das am Montag beim 1. FC Kaiserslautern wieder gelingen. „Wir wollen dominanter und aktiver gestalten, dass der Gegner nicht zu einfachen Toren kommt. Das müssen wir abstellen”, forderte Kaiser. In den vergangenen sieben Saisonspielen war RB sechs Mal in Rückstand geraten und hatte stets großen Aufwand betreiben müssen, um die Spiele danach zu drehen. „In den verbleibenden vier Spielen müssen wir die Dinge früh in unsere Richtung lenken.” Und auch Cheftrainer Ralf Rangnick forderte, auf dem Betzenberg „mal wieder zu Null zu spielen und ein richtig gutes Spiel abzuliefern – von Anfang an”. Der 57-Jährige sagte: „Wir wollen unser Ding gegen Kaiserslautern über 90 Minuten hinweg durchziehen – dazu gehört auch die erste Hälfte.”

Kapitän Kaiser: „Keine Larifari-Einstellung”

In den vergangenen Wochen waren die „Roten Bullen” oftmals seltsam gehemmt in die Partien gestartet. Die letzte Halbzeitführung ist bereits über zwei Monate her, datiert vom 19. Februar, dem 3:0 (2:0)-Heimsieg gegen Union Berlin. Beim 1. FC Nürnberg und gegen den VfL Bochum waren die ersten 45 Minuten ordentlich; die übrigen sechs Spiele seither eher unter Niveau. Erklären können das weder Rangnick noch Kaiser. Auch der Kapitän konstatierte am Freitag einen „enormen Aufwand”, den das Team betreiben müsse, „wenn wir Rückständen hinterherlaufen”.

Doch der Leistungsträger, Spitzname „Domme”, mochte seinem Team „keine Larifari-Einstellung” unterstellen. Stattdessen lähmt ganz offensichtlich der Aufstiegsdruck die junge Mannschaft. Erst nachdem Rangnick seine zuletzt meist lautstarken und flammenden Pausenappelle abgegeben und durch Wechsel nachjustiert hatte, entwickelte das Team jene Wucht und Effektivität, die den Unterschied machen.

Alle RBL-Spieler zum Saisonende fit

Dazu, das zeigen die Aussagen und Analysen nach den Niederlagen in der Rückrunde, war das Team immer dann stark, wenn Vorbereitung und äußere Umstände optimal passen. Wenn jedoch wegen schlechten Rasens (St. Pauli), Schnee (SC Freiburg), Grippe (1. FC Nürnberg) oder zuletzt zu kurzer Vorbereitungs- und Regenerationszeit (SV Sandhausen) die Bedingungen nicht optimal sind, gerät das auf Perfektion getrimmte Team in Bedrängnis.

Dieser Logik folgend sollte der Auftritt beim 1. FC Kaiserslautern ein guter werden, da die Akteure bis zum Montag zehn Tage spielfrei hatten und ausreichend regenerieren konnten. Da es keine angeschlagenen Spieler gibt, kann Rangnick aus dem Vollen schöpfen. Noch offen ist, ob RBL im 4-2-2-2 mit Davie Selke aufläuft oder im 4-2-3-1 und welche „Sechser” - Demme, Ilsanker, Khedira, Kaiser? - im defensiven Mittelfeld auflaufen werden.

Aggressive Stimmung, wiedererstarkter Gegner, schlechtes Wetter

Dass der Mannschaft im Saison-Schlussspurt die Puste ausgehen könnte, glaubt Kaiser nicht. „Ich fühle mich gut und fit”, sagte der frühere Hoffenheimer. Und auch die Kollegen seien nach einer Woche mit viel Freizeit in guter Verfassung. „Dass die Nationalspieler einen Tag extra frei bekommen haben, halte ich für eine sehr gute Entscheidung, weil sie viel unterwegs waren und nun die Köpfe wieder freibekommen haben.” Neben einer aggressiven Grundstimmung – RB Leipzig ist bei den „Roten Teufeln” ungefähr so beliebt wie Pyrotechnik beim DFB – sollten sich Kaiser & Co. allerdings auf schlechtes Wetter einstellen: Für Montag sind in Kaiserslautern Regen und böiger Wind angesagt. So darf man Partie auf dem „Betze” als Nagelprobe und Reifeprüfung auf dem Weg in die erste Liga betrachten.

Dazu warnte Rangnick natürlich vor dem 1. FCK: „Die Mannschaft gehört viel weiter nach oben, als sie aktuell platziert ist.” Und auch Kaiser weiß: „Lautern hat sich zuletzt wieder stabilisiert.” Doch das ist Rangnick sogar ganz recht: Denn schließlich hatte Sandhausen zuletzt ausgerechnet gegen Leipzig seine wochenlange Niederlagenserie durchbrochen. „Kaiserslautern wird sicher keiner unterschätzen – erst recht nicht nach der Niederlage gegen Sandhausen”, sagte Rangnick. (mz)