Später Ausgleich

RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach trennen sich nach spätem Ausgleich der Gäste mit 1:1-Unentschieden.

Leipzig - Am 4. Spieltag der 1. Fußball-Bundesliga trifft RB Leipzig in der Red Bull Arena auf Borussia Mönchengladbach

Von Ullrich Kroemer und Martin Henkel 21.09.2016, 21:45
Ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten sich RB Leipzig um Yussuff Poulsen (li.) und Borussia Mönchengladbach mit Christoph Kramer beim 1:1-Unentschieden in der Red Bull Arena Leipzig.
Ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten sich RB Leipzig um Yussuff Poulsen (li.) und Borussia Mönchengladbach mit Christoph Kramer beim 1:1-Unentschieden in der Red Bull Arena Leipzig. imago sportfotodienst

RB Leipzig bleibt in der Bundesliga ungeschlagen, hat aber den dritten Sieg verpasst. Gegen Borussia Mönchengladbach führte der Aufsteiger lange, musste sich am Ende aber mit einem 1:1 (1:0) zufriedengeben. Im ersten Flutlichtspiel in der Bundesliga mit RB-Beteiligung erzielte Timo Werner das frühe erste Tor des Abends (6.). Gladbach glich in der 85. Minute zum 1:1 durch Fabian Johnson aus.

Ausgangslage

Zweites Bundesliga-Heimspiel der Klubgeschichte, zweiter Topgegner: Nach den Borussen aus Dortmund gastierte mit der Borussia aus Mönchengladbach der nächste Champions-League-Teilnehmer in Leipzig. Mehr Qualität und Attraktivität zum Auftakt war kaum möglich. RB-Trainer Ralph Hasenhüttl vor der Partie: „Die Aufgabe wird mindestens so schwer wie gegen Dortmund, vielleicht sogar noch schwerer.” Auch taktisch erwarteten die Leipziger ein ähnliches Spiel wie gegen den BVB, bereiteten sich aber akribisch auf Unterschiede wie etwa die Gladbacher 3-4-1-2-Grundordnung vor. Positives Vorzeichen für Leipzig: Mönchengladbach hatte saisonübergreifend nur eines seiner vergangenen zwölf Auswärtsspiele in der Liga gewonnen.

Personalien

RB Leipzig setzte wieder auf Dominik Kaiser: Nachdem der Kapitän beim HSV über eine Stunde auf der Bank saß, durfte der Spielführer gegen die „Fohlen” ebenso wieder von Beginn an ran wie Timo Werner. Emil Forsberg musste trotz seiner Topleistung gegen die Hamburger zunächst auf die Bank; und auch Naby Keita verlor seinen Platz in der Startelf. Auf der Rechtsverteidigerposition lief erneut Bernardo auf. Bei Borussia Mönchengladbach rückten Oscar Wendt, Tobias Strobl und André Hahn in die Anfangsformation.

Fans

Die Partie war ähnlich wie die gegen den BVB schon seit Wochen mit 42 558 Zuschauern ausverkauft gewesen – inklusive der etwa 5 000 Plätze im Gästebereich. Im Gegensatz zu der aktiven Fanszene des BVB reisten die Mönchengladbacher Ultras nach Leipzig an, blieben aber in Anlehnung an das Gründungsjahr der Borussia – 1900 – die ersten 19 Minuten stumm. Danach enthüllten die Gladbacher riesige Banner mit der Aufschrift „Tradition seit 1900”. Die RB-Anhänger nutzten das Schweigen der Gäste und machten von Beginn an äußerst stimmgewaltig Stimmung. Als die Gladbacher ihr Team dann lautstark unterstützten, entwickelte sich ein beeindruckend lautstarkes Gesangsduell auf den Rängen – teilweise ohrenbetäubend.

RB-Fans denken an Lukas Klostermann

Besondere Aktion der RB-Fans: In der 16. Minute hielten die Anhänger Hunderte mit der Zahl 16 in die Höhe – Rückennummer des verletzten Lukas Klostermann, der an diesem Mittwoch am Kreuzband operiert wurde. Zudem hatte die Initiative 60 plus vor dem Spiel mit einer Fanaktion für den aktuellen Stadionstandort geworben.

Spielverlauf und Analyse

RB-Chefcoach Ralph Hasenhüttl war nach den ersten drei Spielen für seine Taktik gelobt worden, sich den Gegner erst zurechtzulegen und dann in der zweiten Hälfte eiskalt zuzuschlagen. „Ich hätte nichts dagegen, wenn wir auch mal in der ersten Hälfte treffen würden”, hatte der Österreicher lachend gesagt. Und da RB Leipzig neben viel Qualität und Wucht gerade auch einen Lauf mit viel Fortune hat, kam es genau so. 

Nach einer Balleroberung in der eigenen Hälfte war Yussuf Poulsen einmal diagonal über den Platz gesprintet und brachte seine Flanke zu Timo Werner. Der hatte den Ball im Sturmzentrum eigentlich schon an Gladbachs Verteidiger Andreas Christensen verloren. Doch der junge Däne verteidigte so nervös, dass die Kugel zurück auf den Fuß des derzeit treffsichersten RB-Kickers flipperte, der zum frühen 1:0 abstaubte (6. Minute). 

US-Nationalspieler Johnson vergibt riesige Ausgleichschance

Ein Traumstart für die Gastgeber, die nun dem Gegner ganz nach Plan mehr Ballbesitz überließen, um dann zu gefährlichen Angriffen anzusetzen. Doch die Gäste ließen nach dem Treffer vorerst keine weitere große RB-Chance zu, sodass die Gladbacher etwas besser ins Spiel fanden und ihrerseits die nächste riesige Gelegenheit hatten: Stürmer André Hahn legte den Ball artistisch auf den frei vor dem Tor stehenden US-Nationalspieler Fabian Johnson vor, dessen Schuss jedoch nur die Latte streifte.

Danach wurde RB wieder dominanter. Marcel Sabitzer traf nach einer Ecke das Außennetz (31.); Marcel Halstenberg traf eine Flanke am langen Pfosten nicht richtig, sodass der Ball über das Tor flog (41.). Bernardo versuchte es artistisch per Fallrückzieher (45.). Insgesamt eine starke, vor allem außergewöhnlich abgeklärte erste Hälfte des Bundesligaaufsteigers gegen eines der Bundesliga-Topteams der vergangenen Jahre.

Unnötiger Ballverlust führt zum Ausgleich

Gladbach drängte zu Beginn der zweiten Hälfte entschlossener auf den Ausgleich, sodass RB zunächst entschlossen verteidigte und auf Chancen lauerte. Glück hatten die Gastgeber, als die Gladbacher nach einem haarsträubenden Fehlpass des eingewechselten Emil Forsberg einen Konter schwach ausspielten (59.). 

Doch auf die große Offensive der Gladbacher in Hälfte zwei warteten die 5 000 Gästefans lange vergebens. RBL verteidigte die Führung bis zum Ausgleich so souverän, als seien sie der Traditionsklub mit jahrelanger Erstligaerfahrung. Durch Werner (78., 79.) hatte RB die beiden besten Gelegenheiten in den zweiten 45. Minuten.

Doch als alle schon an den nächsten Sieg glaubten, schlug Gladbach eiskalt zu, konterte nach einem RB-Ballverlust am Gladbacher Strafraum über drei, vier Stationen. Spielmacher Lars Stindl leitete den Ball in den Strafraum weiter auf Johnson, der cool zum Ausgleich vollstreckte (85.). Danach entwickelte sich in den verbleibenden Minuten ein wildes Spiel mit Unsicherheiten und Chancen auf beiden Seiten. Doch es blieb beim für die Gladbacher schmeichelhaften 1:1.

Ausblick

Am Sonntag (17.30 Uhr) ist RB Leipzig beim schwierigen Auswärtsspiel gegen den 1. FC Köln gefragt. Die Gladbacher müssen bereits einen Tag eher ran, treten am Samstagnachmittag gegen den 1. FC Ingolstadt an (15.30 Uhr).

RB Leipzig - Borussia Mönchengladbach 1:0

Leipzig: Gulacsi - Bernardo, Orban, Compper (63. Papadopoulos), Halstenberg - Ilsanker, Demme - Kaiser, Sabitzer (56. Forsberg) - Timo Werner (81. Burke), Poulsen
Gladbach: Sommer - Vestergaard, Christensen, Wendt - Traore (84. Schulz), Strobl (24. Elvedi), Kramer, Johnson - Stindl (90. Jantschke) - Hahn, Hazard
Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)
Zuschauer: 42 558 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Werner (6.), 1:1 Johnson (84.)
Gelbe Karte: Vestergaard
Torschüsse: 9:3
Eckenverhältnis: 5:2