CL-Lizenz für RB Leipzig

RB Leipzig: Uefa-Entscheidung zur CL-Lizenz lässt wichtige Fragen offen

Leipzig/Salzburg/Nyon - Die Uefa hat RB Leipzig und dem FC Red Bull Salzburg die Lizenz für die Champions League erteilt. Eine Entscheidung, die Fragen aufwirft.

Von Ullrich Kroemer 21.06.2017, 12:34
Die Lizenz der Uefa ist da: Die RB-Fans sind bereit für die Champions League.
Die Lizenz der Uefa ist da: Die RB-Fans sind bereit für die Champions League. imago sportfotodienst

Mit dem Ringen um Lizenzen kennen sie sich aus bei RB Leipzig. Von der ersten Saison des 2009 gegründeten Klubs an waren die Zulassungen von Rasenballsport stets umstritten und medial beachtet: durch den Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV, 2009), den DFB (2013), die DFL (2014) und nun schließlich durch die Uefa. Hürden, die sie bei RBL allesamt übersprungen haben.

Anders als bei den vorangegangenen nationalen Lizenzierungen hat der europäische Verband weder Auflagen noch Bedingungen für den Champions-League-Neuling verhängt. Dass RB Leipzig der Start in der „Königsklasse” verwehrt würde, wäre weder realistisch noch angemessen gewesen. Auflagen oder Sanktionen hingegen, dass sich Leipzig und Salzburg sowie Geldgeber und Gründer Red Bull noch stärker voneinander lösen müssen, schon.

Denn Zwillingsklubs sind in der Champions League ebenso wenig vorgesehen, wie Unternehmen, die unbegrenzt Geld in ihre Klubs pumpen – Regeln, die die Macher des Red-Bull-Franchise-Klubsystems erst lernen mussten.

Dass es nun keine konkreten, die Integrität des Wettbewerbs betreffenden Strafen der Uefa für die Leipziger gibt, hängt damit zusammen, dass bereits im Vorfeld jede Menge Änderungen vollzogen wurden – vor allem in Salzburg. Das begann 2015, als sich Ralf Rangnick als RBS-Sportdirektor zurückziehen, und sich auf Leipzig konzentrieren musste.

Entflechtung der Klubs: Was Leipzig und Salzburg schon getan haben

Zudem änderten die Salzburger ihre Satzung, beschränkten so das Stimmrecht von Red Bull und reduzierten den finanziellen und inhaltlichen Einfluss auf den Status einen Hauptsponsors. Und auch in Leipzig musste das Mateschitz-Imperium seine Zuwendungen den Regularien anpassen.

Weil der Uefa das nicht weitreichend genug war, mussten im Frühjahr recht kurzfristig auch Oliver Mintzlaff seinen Posten als Red-Bull-Fußballchef ersatzlos abgebeben und Rudolf Theierl den Vorstandsposten in Salzburg räumen, um personelle Überschneidungen zwischen Klubs und Unternehmen zu unterbinden.

Maßnahmen von Red Bull: Neuer Namen, neue Trikots

Zu guter Letzt müssen die Salzburger, die international wie gehabt als FC Salzburg antreten, künftig bei Uefa-Spielen in anderen Trikots auflaufen. Bislang hatten die Leiberl, wie der Österreicher sagt, von Leipzig und Salzburg nahezu identisch ausgesehen, was in Salzburg zu einer peinlichen Verwechslung führte. Die Überarbeitung der Optik wird zwar vor allem als Kosmetik wahrgenommen, ist aber die Mindestvoraussetzung, wenn beide Vereine unabhängig voneinander sein oder zumindest erscheinen wollen.

Champions-League-Lizenz: Der Weg für den Laimer-Transfer ist frei

Doch dass die Drähte zwischen beiden Klubs nach wie vor bestens sind, zeigt etwa der bevorstehende Transfer von Salzburgs Jungstar Konrad Laimer. Hinter den Kulissen soll der Deal bereits seit geraumer Zeit feststehen. Red-Bull-Insider Alexander Zickler hatte den Transfer bereits in einem Interview verkündet. Mit der offiziellen Veröffentlichung warteten nun alle drei Parteien in aller Ruhe noch so lange, bis die Uefa-Entscheidung fix ist. Man kennt sich eben.

Zudem bleiben auch über die vermuteten inhaltlichen Verflechtungen hinaus offene Fragen. Erstens: Trägt Red Bull in Salzburg tatsächlich weniger als 30 Prozent am Gesamtumsatz und hat so keinen maßgeblichen Einfluss? Und wie wurden in diesem Zusammenhang die geschätzten 37,8 Millionen Euro Transfereinnahmen aus Leipzig bewertet? Also Geld, durch das Red Bull Salzburg angeblich unabhängig vom Sponsor sein soll, das aber über den Umweg Leipzig zurück nach Salzburg floss.

Die Uefa bleibt mit ihrer Entscheidung viele Antworten schuldig

Zweitens: Hat Red Bull RB Leipzig tatsächlich marktübliche Sponsoringgelder überwiesen oder wurden hier Summen gezahlt, die weit über dem Normalmaß liegen und somit Verluste ausgleichen sollten? Laut Schätzungen eines Experten, die der MZ vorliegen, soll RB bereits in der 2. Liga im Geschäftsjahr 2015 40 bis 50 Millionen Euro bezogen haben. Ein Vielfaches des Üblichen. Von den 52,38 Millionen Euro Schulden der Leipziger beim Getränke- und Marketinggiganten (Stand: 31.12.2015) einmal abgesehen.

Doch dazu mag die Uefa bislang keine Auskunft geben. Eine Urteilsbegründung wurde angekündigt. So verfestigt sich der Eindruck bei zahlreichen Fans, dass Europas Verband im Hinterzimmer nach Gutdünken über die Teilnahme und Sanktionen entscheidet, anstatt Fakten transparent vorzulegen. Vertrauen in die Verbände, das diese bitter nötig hätten, entsteht so sicher nicht.

Übrigens: Mit dem Ringen um Lizenzen muss sich RB Leipzig fürs Erste nicht mehr herumschlagen. Durch die Uefa-Lizenzierung haben die Leipziger auch die letzte Stufe der Lizenzierungsleiter erfolgreich genommen. (mz)