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RB Leipzig: Präsident Oliver Mintzlaff will zügig über Aus- oder Neubau des Stadions entscheiden

Leipzig - Seit Monaten wird bei RBL darüber nachgedacht, ob die derzeitige Arena auf maximal 57.000 Zuschauer ausgebaut werden soll oder doch ein Neubau im Norden in Autobahnnähe infrage kommt.

Von Ullrich Kroemer
Ausverkauft! Im Aufstiegsspiel gegen den Karlsruher SC war das Leipziger Stadion mit 43.000 Zuschauern zum dritten Mal in der Klubgeschichte komplett voll.

Als ehemaliger Spitzen-Leichtathlet läuft RB Leipzigs Präsident und Geschäftsführer Oliver Mintzlaff beim Bundesliga-Aufsteiger ohnehin stets vorneweg. In der Stadionfrage macht der 40-Jährige nun noch einmal extra Tempo. Seit Monaten wird bei RBL darüber nachgedacht, ob die derzeitige Arena auf maximal 57.000 Zuschauer ausgebaut werden soll oder doch ein Neubau im Norden in Autobahnnähe infrage kommt.

Bisher hatte Mintzlaff stets dafür plädiert, die Stadionauslastung in der ersten Bundesliga-Saison abzuwarten, um dann ausgeruht eine Entscheidung zu treffen. Nun sagte der RBL-Tempomacher dem Kicker: „Das Thema liegt auf meinem Schreibtisch ganz oben. Zwölf Monate können wir mit einer Entscheidung nicht mehr warten.” Bereits seit März prüfe RBL Grundstücke auf ihre Tauglichkeit und habe nun sogar schon Architekten für Stadionneubaupläne beauftragt.

Kritik an Infrastruktur, Bedingungen und Wirtschaftlichkeit der WM-Arena

Mintzlaff hatte in den vergangenen Monaten immer wieder seine Zweifel am bisherigen Standort geäußert, weil die Innenstadtarena infrastrukturell und aus Sicherheitsgründen wenig optimal sei. Dazu gebe es zahlreiche Probleme bei der täglichen Nutzung. „Es ist für die WM 2006 und ohne Beteiligung eines Bundesligisten gebaut worden. Viele Dinge wurden temporär gelöst, und das fällt uns jetzt auf die Füße”, sagte Mintzlaff dem Fachblatt. „In vielen Bereichen ist das Stadion nicht mehr auf dem neuesten Stand und eine dauerhafte Nutzung im Ligabetrieb nicht optimal.”

In einer neuen Arena hätten nicht nur etwa 70.000 Zuschauer Platz, sondern es würden auch zahlreiche hochmoderne VIP-Logen entstehen, die RB braucht, um die angestrebten Umsatzsteigerungen zu erzielen.

Mintzlaffs Vorstoß als Antwort auf Kölmels Vorpreschen

Aktuell wohnt RB Leipzig bei Stadionbesitzer Michael Kölmel sozusagen zur Miete. Der Vertrag endet 2020, muss aber 2019 gekündigt werden, damit sich der Kontrakt nicht bis 2025 verlängert. Kölmel hatte die Stadionbaupläne des Red-Bull-Klubs erst kürzlich in der Leipziger Volkszeitung als „utopisch” bezeichnet. „Wer soll bis 2019 ein neues Stadion hinstellen? Faktisch geht es bis 2025 weiter.“ Zu den Neubaukosten von etwa 300 Millionen Euro hatte Kölmel gesagt: „Herr Mateschitz ist Geschäftsmann und dieses Investment ergibt keinen Sinn.“

Da bei RB Leipzig Einmischungen in die eigene Firmenpolitik in etwa so beliebt sind wie 37-jährige Spieler bei Sportdirektor Ralf Rangnick, darf man Mintzlaffs aktuellen Vorstoß auch als Antwort auf Kölmels Vorpreschen verstehen. Es geht bei dem Poker schließlich auch um die Höhe der Stadionmiete und Beteiligung an möglichen Umbaukosten.

Interne Unstimmigkeit bei RBL?

Doch das Thema könnte bei RBL auch intern für Unstimmigkeit sorgen. Bei einer Podiumsdiskussion im Mai hatte sich Ralf Rangnick noch unmissverständlich für einen Verbleib im geschichtsträchtigen ehemaligen Zentralstadion ausgesprochen. Bei Tempomacher Mintzlaff klingt das nun ganz anders. (mz)