RBL gegen FC Ingolstadt

RB Leipzig: Niederlage bei Ralph Hasenhüttls Ex-Verein FC Ingolstadt

Ingolstadt - Ralph Hasenhüttl fuhr mit RB Leipzig bei seinem alten Verein FC Ingolstadt die erste Saisonniederlage ein.

Von Martin Henkel 11.12.2016, 08:00

Es ist nicht einfach nach Hause zu kommen, und die Begrüßung fällt nicht so aus wie erwartet. Ralph Hasenhüttl musste das erfahren am Samstagnachmittag, als er mit RB Leipzig zu seinem alten Verein FC Ingolstadt fuhr.

Drei Jahre war er bei den Schanzern gewesen, hatte sie vor dem Abstieg in der 2. Liga bewahrt, in die 1. Liga geführt und dort gehalten. Als er das Stadion betrat, zippelten die Ultras der Schanzer gerade ein Spruchband an die Blockballustrade. Drauf stand: „Sieht die Pam mit dem Gummi in der Hand – kommt der Hasi direkt angerannt.“

Die Botschaft war rätselhaft. Pam? Gummi? Eine Latexpuppe aus dem Sexshop neben der Banderole löste die Chiffre. Sie trug ein P auf der Brust – und Pam wie Pamela ist eine der Phallustierpuppen, die im Netz angeboten werden. Man durfte sich seinen Reim drauf machen.

Ralph Hasenhüttl mit RB Leipzig bei seinem alten Verein FC Ingolstadt: Rückkehr ohne Sentimentalität

Hasenhüttl-Chöre jedenfalls blieben zur Gänze aus. Es gab überhaupt keine Sentimentalitäten in „Hasis“ Richtung. Nach dem Spiel erinnerte sich der Torschütze zum 1:0 für Ingolstadt, Roger, an seinen früheren Coach. Und meinte: „Das waren die besten Zeiten mit ihm.“ Aber Roger ist Brasilianer – und sein Deutsch lässt keine Zwischentöne zu.

Natürlich hat man Hasenhüttl nicht vergessen. Das wird niemals geschehen, jeder beim FCI weiß, dass ohne den Österreicher das Spiel am Samstag gar nicht stattgefunden hätte.

Aber Ingolstadt steckt im Abstiegskampf – und so war das Thema nicht der Ex, sondern die drei Punkte gegen den Tabellenführer. Der FCI, das war von Beginn an zu sehen, wollte diesen Sieg unbedingt.

Und er bekamen ihn. Dass die Bayern dabei zu Werke ging wie einst unter Hasenhüttl, war die Ironie dieser Partie. Schweine-Fußball hatte Trainer Bruno Labbadia das Spiel gegen die Schanzer mal bezeichnet, als er mit dem HSV vergangene Saison nur 1:1 im Audi-Sportpark spielte. Vielleicht musste sich der Österreicher dieses Mal selbst auf die Lippe beißen. Zumal ihn sein Gegenüber ganz offensichtlich mit einfachen Mitteln ausgecoacht hatte.

Trainer Maik Walpurgis stellte in der letzten Linie eine Dreierkette und postierte davor vier weitere Abwehrspieler. Durch die Mitte ging so für Leipzig gar nichts. Zumal auch das Gegenpressing bei RB nicht funktionierte. Wie auch? Dafür braucht man einen Gegner mit Ballbesitz. Und den gab es an diesem Nachmittag nicht.

RB Leipzig: Erste Saisonniederlage von RBL gegen taktisch disziplinierten FC Ingolstadt

Hasenhüttls Mimik nach dem Spiel jedenfalls verriet, dass diese Niederlage der vermeintlichen Heimkehr nicht nur jegliche Poetik entzog. Sondern dass er auch noch mit Mittel geschlagen worden war, die er der Mannschaft selbst beigebracht hat: Kampf nämlich, Einsatz, Wille, Leidenschaft und taktische Disziplin. Leipzig kam damit kaum zu Rande.

Auf der Pressekonferenz saß Hasenhüttl entsprechend mit mürrischer Miene, analysierte die Partie sachlich und ließ sich ansonsten zu kaum einem weiteren Kommentar hinreißen. Frage: „Hat der FCI sie heute mit Hasenhüttl-Fußball besiegt?“ Antwort: „Nein, das war guter Walpurgis-Fußball. Glückwunsch!“ Frage: „Wie werden ihre Spieler mit dieser ersten Niederlage umgehen?“ Antwort: „Das kann sich Jeder kommenden Samstag angucken.“

Alles in allem war die Rückkehr oder Heimkehr oder das Wiedersehen oder wie auch immer so nach dem Spiel nicht mehr annähernd das große Thema, wie es davor eines gewesen ist. Als wäre die Beziehung, die alte, an diesem Nachmittag entzaubert worden – und hätte sich endgültig aus der Gegenwart verabschiedet.

Der FCI und Ralph Hasenhüttl nach diesem bemerkenswerten Spiel – das jedenfalls war einmal. Und so klang das beim Trainer auch selbst, als er sich mit den Worten aus Ingolstadt verabschiedete: „Es war schon ein bisschen anders hier, als das in anderen Stadien der Fall ist. Aber es war kein Ausgerechnet oder Gerade-hier. Ich hätte sehr gern etwas mit nach Leipzig genommen.“