Erste Niederlage

0:1 beim FC Ingolstadt - RB Leipzig verliert erstmals ein Bundesliga-Spiel

Ingolstadt - Zum ersten Mal verliert RBL ein Bundesliga-Spiel - ausgerechnet beim Schlusslicht und Ex-Verein von Trainer Ralph Hasenhüttl.

Von Ullrich Kroemer und Martin Henkel 10.12.2016, 17:15
RBL-Flügelspieler Oliver Burke kann die erste Saisonniederlage der Roten Bullen nicht fassen
RBL-Flügelspieler Oliver Burke kann die erste Saisonniederlage der Roten Bullen nicht fassen imago sportfotodienst

Der Letzte ringt den Spitzenreiter nieder: Der FC Ingolstadt hat RB Leipzig die erste Niederlage in der Bundesliga beigebracht. Nach acht Siegen hintereinander musste sich der Tabellenführer beim Schlusslicht mit 0:1 (0:1) geschlagen geben – das Ende der 13 Spiele währenden Serie ohne Niederlage. Das Tor des Tages erzielte Roger nach einem Freistoß per Kopf (12.). Durch den gleichzeitigen 5:0-Sieg des FC Bayern gegen den VfL Wolfsburg büßte Rasenballsport den Spitzenplatz ein und steht nun punktgleich mit dem Rekordmeister auf Rang zwei. Ingolstadt gab die Rote Laterne durch den Überraschungssieg an Darmstadt 98 ab und rückte auf Rang 17.

Ausgangslage

RB Leipzig reiste zwar als Tabellenerster zum Schlusslicht der Bundesliga. Aber der Spitzenreiter war gewarnt. Der FCI hatte unter dem neuen Trainer Maik Walpurgis nicht nur vier Punkte aus drei Spielen geholt. Er kennt auch die Spielweise des Gegners aus dem Effeff. Ganz einfach: Weil der FC Ingolstadt selber so spielt. Das hat vor allem mit RB-Trainer Ralph Hasenhüttl zu tun, der vor seinem Engagement in Sachsen drei Jahre lang Trainer der „Schanzer” gewesen ist. Dort hatte er eine noch radikalerer Variante des Gegenpressings spielen lassen, als das bei RB der Fall ist. Hasenhüttl meinte deshalb vor der Partie: „Wer aus der Tabellenkonstellation ableitet, dass das ein einfaches Spiel wird, dem ist nicht zu helfen.“

Personalien

RB Leipzig trat auch im dritten Spiel nacheinander in der zuletzt gewohnten Formation auf. Der einzige echte Wackelkandidat, Yussuf Poulsen, wurde rechtzeitig fit. Auch Benno Schmitz, gegen Schalke noch verletzt ausgewechselt, stand wieder in der Startelf.

Bei den Hausherren nahm Trainer Walpurgis im Vergleich zum jüngsten 1:2 in Bremen zwei Veränderungen vor. Alfredo Morales ersetzte den gesperrten Suttner, der ehemalige Leipziger Anthony Jung rückte dafür in die Viererkette. Außerdem verdrängte Dario Lezcano Moritz Hartmann im Angriffszentrum. „Ich möchte nachher noch die Option haben, einen guten Stürmer zu bringen”, erklärte Walpurgis. Ingolstadts neue Nummer eins Martin Hansen und Stürmer Matthew Leckie hatten zwar unter der Woche nicht voll trainieren können, waren aber am Samstag wieder fit und in der Startelf. Verzichten muss der FCI auf Abwehrspieler Romain Brégerie, der noch nicht wieder ins Training einsteigen konnte.

1. Halbzeit

Während RB Leipzig in den vergangenen Spielen schon in den ersten Minuten auftrumpfte, kamen die Gäste beim FC Ingolstadt nicht gut ins Spiel. Die Hausherren hingegen waren von Beginn an wacher, verteidigten anfangs teilweise mit fünf Spielern in der letzten Abwehrreihe und setzten auch nach vorn Akzente. Von den ersten Minuten an war klar, dass diese Partie eine höchst kampfbetonte und aggressive Begegnung werden würde.

Nach einer ersten Chance von Pascal Groß (1.) hatten die Gastgeber per Freistoß durch Anthony Jung die nächste Gelegenheit. Der Ex-Leipziger brachte den Ball aus halblinker Position so scharf und präzise auf den Kopf von Roger, dass weder Innenverteidiger Stefan Ilsanker, noch RB-Keeper Gulacsi etwas ausrichten konnten – die frühe Führung für den FCI (12.).

Der Tabellenführer tat sich auch danach weiter schwer, hatte im Mittelfeld zu wenig Kontrolle, den Bällen in die Spitze fehlten ebenso die Präzision wie den Kombinationen. Die Ingolstädter liefen die Leipziger mit zunehmender Spieldauer schon 20 Meter vor dem Tor so mutig an, dass Rasenballsport überhaupt nicht in den geordneten Spielaufbau fand und hinten teilweise fahrig agierte. Und anders als in allen vorangegangenen Partien ergaben sich auch keine Räume für Konter. Marcel Halstenberg hatte aus spitzem Winkel nach einem Freistoß die einzige Chance der ersten 45 Minuten (20.) für die Leipziger, verfehlte aber den Kasten von Martin Hansen. Aufs Tor brachte RB in der ersten Hälfte keinen einzigen Schuss.

2. Halbzeit

Ralph Hasenhüttl kam mit gesenktem Haupt und Sorgenfalten zurück auf den Platz. Die wurden auch in den ersten Minuten der zweiten Hälfte nicht weniger, wenngleich RB den Kampf etwas besser annahm, als zuvor. Nach einer Aktion von Timo Werner, der nach seiner Schwalbe gegen Schalke bei jeder seiner spärlichen Ballaktionen mit Pfiffen bedacht wurde, sprang der Ball zu Naby Keita, der auf Sabitzer in den Strafraum weiterleitete. Doch der Österreicher wurde von Almog Cohen und dem herauseilenden Hansen gestoppt – eine elfmeterwürdige Situation (52.).  

Keeper Hansen verletzte sich bei der Aktion, sodass Ingolstadt Ersatzkeeper Örjan Nyland einwechseln musste. Hasenhüttl brachte den wuchtigen Schotten Oliver Burke für den glücklosen Yussuf Poulsen ins Spiel. RB wurde nun etwas dominanter, bekam die Partie aber nicht wirklich in den Griff. Dennoch hatte Forsberg aus der Distanz den Ausgleich auf dem Fuß, doch Nyland parierte den Schuss von der Strafraumgrenze (63.).

Die Ingolstädter ließen sich aber nicht dauerhaft in die Defensive drängen, sorgten immer wieder mit Kontern und Offensivaktionen für Entlastung und ließen die Leipziger nicht ins Powerplay kommen. Erst in der Schlussphase bäumte sich der Tabellenführer noch einmal auf. Der eingewechselte Davie Selke hatte per Kopf eine Gelegenheit (86.). Eine 100-prozentige Torchance vergab Emil Forsberg, als er nach feiner Vorarbeit von Keita aus fünf Metern Entfernung neben den linken Pfosten zielte (88.). Die Gelb-Rote Karte gegen Mathew Leckie (90.+4) nach Foul an Diego Demme und Schubser an Willi Orban änderte nichts mehr am Endstand. So feierte Ingolstadt den ersten Heimsieg seit April, während die Leipziger die erste Partie seit Ende August verloren.

Fans

Der Audi-Sportpark, mit einer Kapazität von 15.200 das kleinste Stadion der Liga, war komplett ausverkauft. Das lag zum einen am Gegner, RB Leipzig lockt die Zuschauer mittlerweile aus Sensationslust. Vor allem aber hat das mit Trainer Ralph Hasenhüttl zu tun. Die Ingolstädter haben nicht vergessen, dass der Österreicher die Schanzer vor drei Jahren auf dem letzten Tabellenrang der 2. Liga übernahm – und sie in die 1.Liga führte und dort auch hielt. Einige Anhänger nehmen dem Österreicher den Abgang aber offenbar noch krumm und dichteten ungelenk per Banner: „Steht die Pam mit dem Gummi in der Hand – kommt Hasi direkt angerannt.” Daneben baumelte eine Gummipuppe am Zaun. Darauf darf sich jeder seinen eigenen Reim machen.

Zudem kritisierten die Ingolstädter auch noch mit zwei weiteren Bannern, texteten unter anderem: „Mitbestimmung im Verein muss für euch ein Fremdwort sein.” Der Gästeblock war mit 1600 Anhängern aus Leipzig voll besetzt.

Ausblick

RB Leipzig tritt kommenden Samstag zum letzten Heimspiel dieses denkwürdigen Fußballjahres an, die Sachsen empfangen Hertha BSC (Sa., 15.30 Uhr).  Ingolstadt muss am Sonntag (17.30) nach Leverkusen.

FC Ingolstadt - RB Leipzig 1:0 (1:0)

FC Ingolstadt: Hansen (O. Nyland, ) – Hadergjonaj, Tisserand, M. Matip, A. Jung – Cohen, Roger – Lecki, Groß (Hinterseer, 86.), Hartmann – Lezcano (M. Hartmann, 64.)
RB Leipzig: Gulacsi – Schmitz, Ilsanker, Orban, Halstenberg – Demme, Keita – Sabitzer, Forsberg – Werner (Selke, 70.), Y. Poulsen (Burke, 55.)
Tor: 1:0 (Roger, 12.); Torchancen: 3:9; Eckenverhältnis: 3:4;
Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart); Gelbe Karten: Sabitzer (34.), Werner (61.), Ilsanker (90.), Selke (90.)
Gelb-Rote Karte: Lecki (90.);
Zuschauer: 15.200 im Audi-Sportpark (ausverkauft)