Ken Gipson

RB Leipzig: Ken Gipson gehört zum Bundesliga-Kader

Leipzig - Ken Gipson auf der Bühne zu sehen, dürfte für die Mehrheit des Präsentationspublikums eine Überraschung gewesen sein. Selbst dem flamboyanten Stadionsprecher Tim Thoelke fielen auf die Schnelle keine Opernworte ein, er kündigte ihn nüchtern als Abwehrspieler an.

Von Martin Henkel

Gegen Mittag, oberhalb der Festwiese zwischen Red-Bull-Arena und Jahnallee, fuhr der Teambus von RB Leipzig vor und parkte unter dem Werner-Seelenbinder-Turm. Es entstiegen ihm die Spieler und Trainer des Bundesliga-Aufsteigers. Nacheinander liefen sie die mächtige Freitreppe hinab zur Bühne und stellten sich im Spalier zur Mannschaftsvorstellung auf. RB hatte am Sonntag zum Fanvergnügen geladen, offizielle Saisoneröffnung, eine Fanhymne wurde präsentiert und der Saisonkader zur Schau gestellt. Unter den Spielern waren die Alten und die Neuen. Und Ken Gipson.

Nüchterne Begrüßung für Ken Gibson

Ken Gipson auf der Bühne zu sehen, dürfte für die Mehrheit des Präsentationspublikums eine Überraschung gewesen sein. Selbst dem flamboyanten Stadionsprecher Tim Thoelke fielen auf die Schnelle keine Opernworte ein, er kündigte ihn nüchtern als Abwehrspieler an.

Aber da stand er nun, inmitten des Erstliga-Kaders. Gipson ist 20 Jahre alt, er kam Sommer vor einem Jahr vom VfB Stuttgart. Er verletzte sich früh in der Saison, spielte nach der Genesung sieben Mal für RBs 2. Mannschaft und zwei Mal für das A-Team – gegen Sandhausen (13. Spieltag, 2:1) und gegen den 1. FC Kaiserslautern (14. Spieltag, 0:2). Nach dem Ende der Saison bekam er von der sportlichen Leitung des Vereins mitgeteilt, dass es für die 1. Liga nicht reiche. Aber in der 4. Liga, im Regionalligateam also, da könne er sich profilieren und Trainer Ralph Hasenhüttl zeigen.

Ken Gipson in sieben von acht Testspielen dabei

Dann begannen die Olympischen Spiele in Rio, was bedeutete, dass RB knapp in der Abwehr besetzt war, weil Lukas Klostermann dem DFB nach Brasilien folgte. Und jetzt ist das mit der Profilierung schneller gegangen, als das im Verein erdacht worden ist. Gipson saß in sieben von acht Testspielen auf der Bank, so auch bei der Generalübung gegen Real Betis, und bekam von Hasenhüttl bis auf die Partie gegen die Spanier jeweils seine Spielzeiten. Er fehlte lediglich gegen den SSV Markranstädt und hielt sich gegen Betis immerhin an der Torauslinie fit.

Gipson ist kein Wunderkind. Er spielt solide mit Physis und Wille. Aber für die zweite Reihe reicht das aus. Zumal die Leipziger so üppig auf den Außenbahnen in der Defensive nicht besetzt sind. Marcel Halstenberg (rechts) und Klostermann (rechts) sind gesetzt. Ersatz sind Zugang Benno Schmitz, und weil Anthony Jung RB Richtung Ingolstadt verlassen hat, jetzt eben Gipson.

Anweisung an Berater: Leih-Option suchen

Der jugendliche Abwehrmann könnte damit endlich mal wieder ordentlich schlafen. Mit der Berufung in den Festwiesenkader hat RB zumindest deutlich gemacht, dass Gipson ab sofort dazu gehört. Zumindest so lange der Transfermarkt noch offen hat. Unlängst hatte Gipson (Vertrag bis 2018) dem Sportmagazin Kicker anvertraut, dass er seinen Berater Olaf Schmäler angewiesen habe, ihn als Leihobjekt ins Schaufenster zu stellen. Zu diesem Zeitpunkt durfte Gipson sich noch nicht sicher sein, ob Hasenhüttl mit ihm plant. Und Einsätze in der Regionalliga hält er eben nicht mehr für förderlich für seine Karriere. Gipson ist niemand für die großen Gesten und großen Worte, aber unter Wert verkaufen will er sich nicht. Gipson, der in der Vergangenheit immer mal wieder in den Kader der U-15 und U-16 des DFB berufen wurde, erklärte vor einer Woche: „Ich würde schon gern ein bisschen höher spielen.“ Sein Wunsch hat sich offenbar erfüllt. Hasenhüttl sagte nach dem Test gegen Betis: „Ken Gipson hat es in der Vorbereitung nicht schlecht gemacht. Er ist momentan unsere einzige Alternative auf den Außenverteidiger-Positionen. Sollte Marcel Halstenberg einmal fehlen, werden wir wahrscheinlich Schmitz nach links schicken und Ken spielt rechts hinten. Die Wahrscheinlichkeit, dass er irgendwann einmal spielen wird, ist nicht so gering.“  (mz)