Ralph Hasenhüttl

Ralph Hasenhüttl: 100 Tage bei RB Leipzig - Eine Erfolgsbilanz

Leipzig - Seit 100 Tagen trainiert Ralph Hasenhüttl den Überraschungsaufsteiger RB Leipzig. Bislang erntet der markante Österreicher Lob von allen Seiten.

Von Ullrich Kroemer 18.10.2016, 10:06

Ralph Hasenhüttl beobachtete am Montagmittag gut gelaunt das Training seiner Reserveakteure von RB Leipzig. Während die Stammspieler, die am Sonntag beim 1:0 in Wolfsburg geglänzt hatten, im Leistungszentrum ihr Regenerationstraining absolvierten, stand der Fußballlehrer breitbeinig auf dem Platz; von weitem sah seine Silhouette aus wie die eines Cowboys.

Zwischen den Trainingssequenzen schallte immer mal ein motivierender Ruf oder ein freundlicher Hinweis an seine Kicker über den Rasen am Cottaweg. Als das Training beendet war, stellte sich Hasenhüttl vor die Kameras und Mikrofone und gewährte gleichermaßen cool wie freundlich ein wenig Einblick in seine Arbeit und das Innenleben des Teams – so wie beinahe jeden 

Hasenhüttls erster Arbeitstag war der 11. Juli

Vieles an Hasenhüttls Auftreten ist längst so selbstverständlich, als habe der frühere Stürmer irgendwie schon immer dazugehört. Zumindest wirkt seine Amtszeit länger, als die 100 Tage, die genau an diesem Dienstag seit seinem Amtsantritt vergangen sind.

Am 11. Juli, seinem ersten offiziellen Arbeitstag bei RB Leipzig hatte der Österreicher forsch angekündigt, ein „noch aggressiveres Pressing“ spielen zu lassen, als das unter Vorgänger Ralf Rangnick der Fall gewesen war. Nach sieben Spielen in der Bundesliga und inklusive Testspielen nur einer einzigen verlorenen Partie, dem Aus im DFB-Pokal bei Dynamo Dresden, kann man Hasenhüttl bescheinigen, dass genau das der Schlüssel zum aktuellen Höhenflug des Bundesliga-Neulings ist.

Das Team steht hinter ihm

Mit viel akribischer Trainingsarbeit hat Hasenhüttl sein Team taktisch so perfekt eingestellt, dass sich derzeit selbst Spitzenteams die Zähne an den Sachsen ausbeißen. Zugleich hat er seiner Mannschaft in der Offensive jene Wucht und Leidenschaft verordnet, die ihn bereits als Stürmer auf dem Spielfeld auszeichnete.

Dazu hat es der markante Steirer geschafft, seine Mannschaft hinter sich zu versammeln, so dass sie für den Erfolg und ihren Trainer so bedingungslos läuft und kämpft wie kein anderes Team der Liga. „Er ist ein super Coach und ein super Typ“, sagt etwa Emil Forsberg. „Wir wollen immer alles geben für ihn, und er gibt alles für uns. Genau so muss es funktionieren.“

Sein erster großer Klub

Da der Schwede außerhalb des Platzes nicht eben für Gefühlsausbrüche bekannt ist, hat das Lob doppelten Wert. Ein schöneres Kompliment kann es für einen Trainer kaum geben. Höchstens das, was Marvin Compper über Hasenhüttls bisherige Leistung bei RB äußert. „Die Vorbereitung und die Einstellung der Mannschaft durch das Trainerteam ist hervorragend“, sagt der RB-Routinier. „Er ist hoch emotional, hat einen ehrlichen, klaren Umgang mit uns. Gerade einer jungen Mannschaft tut das unheimlich gut.“

Und auch Hasenhüttls Chef Ralf Rangnick lobt seinen Nachfolger auf dem Trainerstuhl in Leipzig. „So, wie er mit der Mannschaft arbeitet und wie emotional er das mit der Mannschaft mitlebt, das kommt bei den Jungs richtig gut an“, sagt Rangnick. Überhaupt zeigt sich der Sportdirektor, der von Beginn an schwer beeindruckt von Hasenhüttl war, „noch einmal zusätzlich positiv überrascht“. Schließlich hatte der Fußballlehrer in den ersten Wochen im Amt nicht nur seine Mannschaft, sondern auch die Arbeit in einem so perfektionistischen Klub wie Leipzig kennenlernen müssen.

Nach Stationen in Unterhaching, Aalen und Ingolstadt verantwortet der 49-Jährige zum ersten Mal einen „großen“ Verein. „Ich denke, einiges war für ihn schon neu bei uns“, sagt Rangnick. Als Beispiele nannte der Sportdirektort die Akribie in der Videoanalyse oder der psychologischen Vorbereitung. „Er hat es in den ersten acht Wochen sensationell gemacht und die Dinge bei RB förmlich aufgesogen“, lobt Rangnick.

Eigenes Profil neben Rangnick

Tatsächlich scheint zwischen Hasenhüttl und dem omnipräsenten Leipziger Macher derzeit kein Blatt Papier zu passen. Die Disziplin, neben Rangnick nicht nur zu bestehen, sondern ein eigenes Profil zu entwickeln, absolviert Hasenhüttl bislang meisterhaft. So hat der gebürtige Grazer den Status „neuer Trainer“ längst überwunden. Der Mann mit der Cowboy-Statur ist 100 Tage nach seinem Amtsantritt nicht mehr wegzudenken.