1:0-Sieg in Wolfsburg

Emil Forsberg trifft - RB Leipzig siegt 1:0 beim VfL Wolfsburg und steht auf einem Champions League-Platz

Wolfsburg - Emil Forsberg war der Mann des Spiels: Erst vergab er einen Strafstoß und traf dann zum 1:0.

Von Martin Henkel und Ullrich Kroemer
Der Torschütze jubelt mit seinem Trainer. imago sportfotodienst

Vierter Saisonsieg für RB Leipzig: Beim VfL Wolfsburg triumphierte der Bundesliga-Neuling nach starker zweiter Hälfte verdient mit 1:0 (0:0). Emil Forsberg erzielte das Tor des Abends mit einem Schlenzer aus 18 Metern (70.). In den ersten 45 Minuten hatte der Schwede noch einen Strafstoß verschossen (17.). So blieben die Leipziger auch im siebten Bundesligaspiel ungeschlagen und kletterten auf Rang drei – punktgleich mit dem zweitplatzierten 1. FC Köln.

Ausgangslage

RB Leipzig gehörte vor Spielbeginn zu den vier ungeschlagenen Teams der Bundesliga und wollte das auch unbedingt dabei belassen. Trainer Ralph Hasenhüttl prophezeite, dass es „verdammt schwer” sein würde, etwas mitzunehmen und forderte daher ein „temporeiches, leidenschaftliches Spiel” von seiner Mannschaft ein. „Wir wollen zeigen, dass wir nichts an unserem Ehrgeiz und unserem Hunger verloren haben.”  Sein Kollege Dieter Hecking hatte vor der Partie die Chancenverwertung seines Teams moniert, um die Ergebniskrise zu überwinden. „Das ist tatsächlich unser Problem. Wir haben unsere Chancen, aber wir treffen zu selten.”

Personal

RB-Trainer Ralph Hasenhüttl entschied sich für die spielstarken Wolfsburger wieder für seine Aggresssiv-Aufstellung. Heißt: Im defensiven Mittelfeld durften Diego Demme und Stefan Ilsanker von Beginn an auflaufen. Naby Keita, einer der feinsten Fußballer im Kader der Leipziger, musste zunächst draußen bleiben – eine „reine Bauchentscheidung”, wie Hasenhüttl sagte. „Mit Diego und Ilse sind wir eine Spur aggressiver.” Und auch Kapitän Dominik Kaiser musste zunächst auf der Bank Platz nehmen; Emil Forsberg erhielt den Vorzug. Beim VfL Wolfsburg liefen mit dem wiedergenesenen Luiz Gustavo und Vierinha zwei neue Spieler von Beginn an auf. Jakub Blaszczykowski musste wegen Rückenbeschwerden passen.

Fans

Der Gästeblock in Wolfsburg war am Sonntagabend gut gefüllt – auch nicht alltäglich. Knapp 3000 Fans aus Leipzig hatten sich auf den Weg gemacht, um ihr Team zu unterstützen – für RBL eine rekordverdächtige Auswärtskulisse. „Auf geht’s Leipziger Jungs” war immer wieder im Wolfsburger Stadion zu hören. Nach einer Stunde skandierten der Gästeanhang: „Ohne Leipzig wär’ hier gar nichts los.” Die übrigen 27.000 Wolfsburger Fans unterstützten ihr Team weniger leidenschaftlich. Einige pfiffen Trainer Hecking vor Anpfiff aus und begleiteten die Wolfsburger auch mit Pfiffen in die Kabine.

Spielverlauf und Analyse

Der VfL Wolfsburg wollte das Spiel von Beginn an an sich reißen und nutzte die Unsortiertheit der Leipziger Abwehr in den Startminuten. Julian Draxler zog aus halblinker Position von der Strafraumgrenze ab, doch RB-Schlussmann Peter Gulacsi parierte den zu unplatzierten Schuss (3.).

In den ersten zehn Minuten zeigten die Wolfsburger das strukturiertere Offensivspiel über die Flügel, fanden aber in der Mitte Stürmer Mario Gomez nicht. So blieben zwei Schüsse aus dem Hinterhalt durch Vierinha (11., 36.) die größten Möglichkeiten für die Hausherren. Nach einem rustikalen Einsteigen von Bernardo, als der Brasilianer Mario Gomez in den Rücken sprang, hätte es Elfmeter für die Gastgeber geben können (35.).

Zerfahrenes Spiel beider Teams

RB Leipzig konzentrierte sich in dem anfangs unruhigen, zerfahrenen, mit vielen Fehler behafteten Spiel auf ihr aggressives Pressingspiel. Das hätte in der 17. Minute zur Führung führen müssen, als sich VfL-Keeper Coen Casteel von Timo Werner den Ball abnehmen ließ und den RB-Stürmer nur durch ein Foul stoppen konnte. Doch Emil Forsberg, der wie gegen Hamburg zum Elfmeter antrat, schoss den Strafstoß deutlich links neben den Kasten (17.).

Und auch die zweite RB-Chance in den ersten 45 Minuten resultierte aus einer Standardsituation. Der früh für den verletzten Marcel Sabitzer eingewechselte Dominik Kaiser schoss einen Freistoß in die Arme von Casteels (27.).

„Wir müssen schauen, dass wir schneller spielen und uns besser bewegen. Da müssen wir uns steigern”, sagte der verletzte Wolfsburger Daniel Didavi in der Halbzeitpause. Doch das blieb aus. Stattdessen hatte RB durch Kaiser nach schöner Hereingabe von Timo Werner (47.) und Poulsen nach einem Patzer von Innenverteidiger Jeffrey Bruma (57.) weitere Gelegenheiten und kaufte den Gastgebern nach und nach immer mehr den Schneid ab.

Forsberg macht seinen Fehler wieder gut

Wolfsburg baute in der zweiten Hälfte sogar deutlich ab, sodass RB immer mehr Zweikämpfe und Kontrolle gewann und das Spiel in den zweiten 45 Minuten bestimmte. So war der Führungstreffer der Leipziger völlig verdient: Yussuf Poulsen bediente Emil Forsberg 25 Meter vor dem Tor, Wolfsburgs defensives Mittelfeld schaute nur zu, sodass der Schwede aus 18 Metern auf das Tor schlenzen konnte. Diesmal traf Forsberg den Ball besser als beim Elfmeter und ließ Casteels mit seinem Schuss in die rechte Ecke keine Chance (70.).

Auch danach fand Wolfsburg keine Mittel gegen die hervorragend gestaffelte RB-Defensive, sodass die Hausherren in Hälfte zwei ohne echte Torchance blieben. In der Nachspielzeit hätte der eingewechselte Oliver Burke noch auf 2:0 erhöhen können, scheiterte aber an Casteels (90.+2). 

Ausblick

Für die "Roten Bullen" geht es in fast genau einer Woche weiter. Erneut steht ein Sonntagsspiel für die Leipziger auf dem Programm, Werder Bremen kommt in die Red Bull-Arena. Anpfiff ist dann aber bereits um 15.30 Uhr. 

VfL Wolfsburg - RB Leipzig 0:1 (0:0)

VfL Wolfsburg: Casteels - Träsch, Bruma, Knoche, R. Rodriguez - Seguin (60. Bruno Henrique), Luiz Gustavo (73. Mayoral) - Vieirinha (63. Brekalo), Arnold, Draxler - Gomez
RB Leipzig: Gulacsi - Bernardo, Orban, Compper, Halstenberg - Demme, Ilsanker - Sabitzer (15. Kaiser), Forsberg (87. Keita) - Werner, Y. Poulsen (80. Burke)
Tor: 0:1 Forsberg (70., Poulsen)
Eckenverhältnis: 7:4; 
Schiedsrichter: Sascha Stegemann (Niederkassel), Gelbe Karten: Casteels (17.), Arnold (93.) / Halstenberg (69.)
Besonderes Vorkommnis: Forsberg schießt Elfmeter links neben das Tor (17.)
Zuschauer: 30.000 (ausverkauft) in der Volkswagen-Arena Wolfsburg