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Marcel Halstenberg

Marcel Halstenberg von RB Leipzig über seine Ziele in der Bundesliga

Leipzig - Ist er ein kommender Nationalspieler? Marcel Halstenberg überzeugt bei RB Leipzig mit konstanten Leistungen als Linksverteidiger - auf einer Position also, auf der Bundestrainer Joachim Löw eher wenig Optionen hat. Im Gespräch mit Martin Henkel gibt Halstenberg die Nationalmannschaft erstmals als sein erklärtes Ziel ...

15.09.2016, 17:36

Ist er ein kommender Nationalspieler? Marcel Halstenberg überzeugt bei RB Leipzig mit konstanten Leistungen als Linksverteidiger - auf einer Position also, auf der Bundestrainer Joachim Löw eher wenig Optionen hat. Im Gespräch mit Martin Henkel gibt Halstenberg die Nationalmannschaft erstmals als sein erklärtes Ziel aus.

Herr Halstenberg, Ihr Viererketten-Kollege Lukas Klostermann hat sich das Kreuzband gerissen. Was empfinden Sie?
Halstenberg: Es tut mir sehr leid für Lukas. Er war nach der Diagnose noch bei der Mannschaft und wir haben versucht, ihn zu trösten und aufzubauen, was. aber schon schwer ist. Und für unsere Mannschaft ist es natürlich ärgerlich und bitter, dass es jetzt einen von uns so erwischt hat.

Lukas Klostermann ist Leistungsträger bei RB, wie schwer wiegt sein Ausfall?
Halstenberg: Schwer, klar. Aber wir haben mit Benno Schmitz ja einen Spieler, der die Position von Lukas schon gespielt hat, als der noch bei Olympia war. Und Benno hat das gegen Hoffenheim gut gemacht.

Samstag gastiert RB Leipzig beim Hamburger SV, ohne Klostermann, mit Schmitz. Wie geht es dort weiter nach dem 2:2 in Hoffenheim und dem 1:0 gegen Dortmund?
Halstenberg: Wir sind wieder Underdog und wollen punkten.

Der frühere Trainer Armin Veh hat vergangenen Sonntag gemeint, dass RB Leipzig als Saisonziel den Klassenerhalt ausgebe, sei Understatement, das ihm missfalle.
Halstenberg: Es wäre absoluter Quatsch zu sagen: Sieg gegen den BVB und jetzt greifen wir oben an. Wir wollen nicht absteigen, richtig, vor allem aber wollen wir uns am besten im gesicherten Mittelfeld der Tabelle festsetzen. Das ist das Ziel. Und wir sind Aufsteiger, also sind wir in unseren Spielen der Underdog, auch wenn wir vielleicht als der etwas andere Aufsteiger gesehen werden.

Wie anders?
Halstenberg: Die Bedingungen waren schon vergangene Saison erstklassig. Ich weiß noch, wie ich Sommer 2015 eine Woche vor Transferschluss das Angebot aus Leipzig bekam und vor Ort gereist bin. Ich habe mir die Stadt angeschaut, das Trainingszentrum, habe mit Ralf Rangnick gesprochen – und dann war klar: Hier willst du deinen nächsten Schritt machen.

Sie kamen vom FC St. Pauli, zwei Jahre zuvor von Dortmunds zweiter Mannschaft und davor aus Hannover, ihrer Heimatstadt, auch zweite Mannschaft. Sie haben vierte, dritte und zweite Liga gespielt. Wie nah dran waren Sie an einer Unterhaus-Karriere?
Halstenberg: Ich habe immer daran geglaubt, dass ich das Zeug dazu habe, 1. Liga zu spielen. Und ich wusste, ich werde Schritt für Schritt dahin kommen, wenn ich hart an mir arbeite. So habe ich trainiert und so auch meine Entscheidungen gefällt.

Sie gingen aus Hannover weg, auch weil es hieß, es fehle Ihnen das Zeug für die 1. Mannschaft, also auch für die 1. Liga. Empfinden Sie Genugtuung?
Halstenberg: Ich denke nicht, dass man das Genugtuung nennen kann. Ich glaube, das trifft es nicht. Ich schaue auf mich, das ist für mich entscheidend.

Was ist anders in der 1. Liga im Vergleich zu den Ligen darunter?
Halstenberg: Sie ist schneller. Und jeder Fehler kann fatal sein. Ich hatte schon große Erwartungen und ordentlich Respekt.

Und jetzt?
Halstenberg: Wir können mithalten, das ist bislang die wichtigste Erkenntnis für uns.

Sie wurden nach dem Spiel gegen Dortmund in die Kicker-Elf des Tages aufgenommen. Noch ein paar solcher Nominierung und erfahrungsgemäß folgt eine Einladung zur Nationalmannschaft. Beschäftigen Sie sich mit diesem Thema?
Halstenberg: Mein Hauptthema ist es nicht gerade. Mein Fokus liegt zunächst einmal darauf, weiterhin konstant gute Leistungen in der Bundesliga zu bringen.

Und als Nebenthema?
Halstenberg: Jeder der Fußball spielt, träumt davon, in der 1. Liga zu spielen. Und insgeheim träumt er bestimmt auch davon, für sein Land zu spielen. Ich bin jetzt in der 1. Liga, und klar würde ich gern den nächsten Schritt gehen. Aber wie gesagt: In erster Linie geht es um RB, dass wir eine gute Saison spielen, alles andere wird sich dann gegebenenfalls schon ergeben.

Sie haben anders als viele ihrer Stammelf-Kollegen noch nie für den DFB gespielt. Wieso nicht?
Halstenberg: (lacht) Ich war wohl nicht gut genug?

Sie gehören auf Links-Hinten-Außen zu einer seltenen Gattung in Deutschland. Mit Marcel Schmelzer vom BVB und Jonas Hector vom 1. FC Köln haben Sie eigentlich nur zwei Kontrahenten auf dieser Position.
Halstenberg: Beide sind genau genommen eigentlich  keine Konkurrenten, sie haben ja viel mehr Erfahrung als ich, insbesondere in der 1.Liga.

Sie wiederum treffen gern ins gegnerische Tor, zuletzt vier Mal in der 2. Liga. Woher haben Sie das?
Halstenberg: Die frühen Stürmerjahre.

Die gab’s?
Halstenberg: (lacht) Na klar. In meinem Heimatklub war ich Stürmer so wie alle anderen außer dem Torwart auch. Und je älter ich wurde, desto mehr ging’s nach hinten.

Weil?
Halstenberg: Es vorne immer Bessere oder Torgefährlichere gab als mich. Also habe ich mich angepasst. Ich war dann lange Zeit Innenverteidiger.

Jetzt spielen Sie außen. Weil auch Innen andere besser waren?
Halstenberg: Ich müsste meinen damaligen Trainer beim BVB noch mal fragen. David Wagner sagte damals zu mir: Wir bauen dich jetzt mal hinten links auf.

Hat Ihnen der Umzug gefallen?
Halstenberg: Nein, ganz und gar nicht. Ich war Innenverteidiger. Auch weil ich nicht so gern viel gelaufen bin. Das ging dann fünf, sechs Spiele so, dann hieß es: Marcel, komm wieder nach innen. Und ich: Nein, ich will lieber außen spielen.

Weil Sie plötzlich doch gern viel gelaufen sind?
Halstenberg: Weil ich plötzlich wieder nach vorn durfte. Außen ist man schon ein ganzes Stück freier als anderswo, sowohl nach vorn als auch nach hinten. Wir dürfen nämlich beides.

Ein anderes Markenzeichen von Marcel Halstenberg sind Freistöße.
Halstenberg: Das stimmt, das ist schon mein Ding.

Wo ist ihre Lieblingsfreistoßposition?
Halstenberg: Halb rechts, ca. 25 Meter entfernt.

Klingt nach einer Knuckle-Ball-Distanz.
Halstenberg: (lacht) Sie meinen die Bälle mit dem Drall, die kein Torwart berechnen kann, die Ronaldo und Gareth Bale drauf haben. Die sind nichts für mich. Ich trainiere die solideren Sachen.

Wenn nicht Bale oder Ronaldo, ist ein andere Spieler Vorbild für Sie?
Halstenberg: Ich würde sagen es sind drei. Roberto Carlos und Rivaldo, waren beide Linksfüßer, hatten einen phänomenalen Schuss und waren außergewöhnliche Freistoßschützen. Aber eigentlich David Beckham. Bei ihm waren es die Freistöße und seine Rückennummer 23, die trage ich ja auch.

Sie werden in gut zwei Wochen 25. Zu diesem Zeitpunkt war Beckham schon ein Star. Sind Sie spät dran oder noch gut dabei?
Halstenberg: (lacht). Kommt drauf an. Eigentlich noch richtig gut dabei. Aber mit Beckham verglichen bin ich wohl ein Spätstarter. (mz)