Gelb-Rot für Orban

Gelb-Rot für Orban: Kaiserslautern ertrotzt Remis gegen RB Leipzig

Leipzig - Für RB Leipzig ist der Weg in die Bundesliga weiter steinig. Der Tabellenzweite der 2. Liga musste sich beim 1. FC Kaiserslautern mit einem kampfbetonten 1:1 (0:0) begnügen.

Von Ullrich Kroemer 25.04.2016, 20:38
Schiedsrichter Bastian Dankert zeit Leipzigs Willi Orban (l) die rote Karte.
Schiedsrichter Bastian Dankert zeit Leipzigs Willi Orban (l) die rote Karte. dpa

Für RB Leipzig ist der Weg in die Bundesliga weiter steinig. Der Tabellenzweite der 2. Liga musste sich beim 1. FC Kaiserslautern mit einem kampfbetonten 1:1 (0:0) begnügen.

Als RB nach Tor von Emil Forsberg bereits auf der Siegerstraße schien, brachte der Platzverweis von Willi Orban (Gelb-Rot, 63.) die Partie wieder ins Wanken.

Ausgangslage

Den Showdown im Aufstiegskampf hätte sich der 1. FC Kaiserslautern wahrscheinlich auch anders vorgestellt.

Doch statt um einen der Aufstiegsränge mitzuspielen, ist der 1. FCK nach einer verhagelten Saison – der schlechtesten Spielzeit seit 2007/08 – im Niemandsland der unteren Tabellenhälfte zu finden.

Nach einer fünf Spiele währenden Pleitenserie haben die Pfälzer zuletzt immerhin sieben Punkte aus drei Spielen geholt und den Klassenverbleib perfekt gemacht.

Gegen RB haben die Lauterer bisher eine positive Bilanz, sind gegen die „Roten Bullen” noch ungeschlagen und triumphierten in der Hinrunde mit einem 2:0-Auswärtssieg in Leipzig.

Für RB geht es im viertletzten Spiel der Saison darum, den Druck zum Saisonende nicht zu groß werden zu lassen.

Um einen weiteren entscheidenden Schritt in Richtung Bundesligaaufstieg zu gehen, forderte RBL-Coach Ralf Rangnick, „mal wieder zu Null zu spielen” und im Gegensatz zu den vergangenen Partien von Beginn an zu dominieren.

Personalien

RB Leipzig musste lediglich auf den nach Aduktorenverletzung noch nicht wieder ganz fitten Rani Khedira verzichten.

Dafür war auch der zuletzt wegen einer Muskelzerrung angeschlagene Lukas Klostermann von Beginn an dabei.

Im defensiven Mittelfeld setzte Rangnick wieder auf das Duo Ilsanker/Demme.

Der Chefcoach entschied sich auf dem Betzenberg für die im Saisonverlauf besser funktionierende 4-2-3-1-Grundordnung.

Heißt: Davie Selke musste zunächst wieder einmal auf der Bank Platz machen. Und auf der Linksverteidigerposition ersetzte Marcel Halstenberg nach seiner Gelb-Sperre wieder Anthony Jung.

FCK-Coach Konrad Fünfstück veränderte seine zuletzt siegreiche Elf nicht.

Fans

Dass RB Leipzig auf dem Betzenbergs eine der ungemütlichsten Schlachten der Saison erwartet, war klar – auch auf den Rängen. „Ihr seid die hässliche Ausgeburt einer Entwicklung, die den Fans ihren Fußball nimmt”, plakatierten die Hardcore FCK-Anhänger in der Westkurve.

Dazu reckten die „Roten Teufel” ein ganzes Arsenal weiterer Anti-RB-Plakate in die Höhe.

Geschmacklos geriet jedoch unter anderem ein Transparent mit dem Konterfei des Ex-Kaiserslauterer Kapitäns Willi Orban im Fadenkreuz.

Denn den Wechsel nach Leipzig haben die Fans dem gebürtigen Pfälzer nicht verziehen. So wurde Orban bei jedem Ballkontakt mit einem gellenden Pfeifkonzert bedacht.

Insgesamt waren 27.332 Zuschauer im Stadion gekommen; aus Leipzig waren beim zweiten Montagabend-Auswärtsspiel in Serie etwa 300 Anhänger mitgereist.

Spielverlauf und Analyse

RBL hatte sich zwar einen engagierten und wacheren Start als in den vergangenen Spiele vorgenommen.

Doch es war der Rangnick-Elf anzumerken, dass sie zunächst abwarten wollte, was sie auf dem Betzenberg erwartet.

Natürlich hatte der Aufstiegsfavorit mehr Ballbesitz als die Hausherren und erspielte sich auch mehr Übergewicht. Doch so richtig gefährlich wurde es in der ersten Hälfte nur selten – seit der Winterpause ein Problem im RBL-Spiel.

Auch aus den zahlreichen Standardsituationen, die Lautern den Leipzigern in der Anfangsphase in Strafraumnähe gewährten, konnte der Tabellenzweite zu wenig Profit schlagen.

Nichtsdestotrotz resultierten zwei der drei RB-Chancen in der ersten Hälfte aus Standards. Die beste Möglichkeit hatte Orban, der nach einer Ecke frei zum Kopfball kam, aber den Kopfstoß zu zentral platzierte (13.). Kapitän Dominik Kaiser setzte einen noch leicht abgefälschten Freistoß nur knapp neben den linken Pfosten (37.).

Sonst agierte RB im Gegenpressing couragiert, agierte in der Offensive jedoch zu unstrukturiert und untypisch viel mit hohen Bällen ins Strafraumzentrum, wo Poulsen sich jedoch nicht durchsetzen konnte.

Einen Ball, den die FCK-Verteidiger in einer solchen Situation eigentlich schon entschärft hatten, landete bei Klostermann, der volley abzog, den Kasten allerdings verfehlte (25.). Die Gastgeber verteidigten diszipliniert, hatten in den ersten 45 Minuten jedoch keine einzige Gelegenheit.

Forsberg trifft, Orban fliegt

Als die „Roten Teufel” in der zweiten Hälfte versuchten, etwas offensiver zu agieren, wurde das prompt bestraft.

Marcel Sabitzer nutzte die kurzzeitige Unordnung im defensiven Mittelfeld der Lauterer gedanklich schnell und setzte mit einem außergewöhnlichen Schnittstellenball Marcel Halstenberg in Szene, der Emil Forsberg per Querpass mustergültig bediente.

Der Schwede hatte elf Spiele lang auf seinen siebten Saisontreffer warten müssen, brauchte nun aber nur noch den Fuß zur 1:0-Auswärtsführung hinhalten (56.).

Dass RB ab der 63. Minute nur noch zu zehnt agieren musste, machte die Partie, die RB zuvor im Griff hatte, plötzlich wieder spannend.

Orban war nach einem unnötig harten Einsteigen gegen Marcel Gaus im Mittelfeld mit Gelb-Rot vom Platz geflogen Knackpunkt der Begegnung.

RB stemmte sich nun mit kämpferischen Mitteln und dem eingewechselten Atinc Nukan gegen die drängenden Kaiserslauterer.

Dennoch hätte FCK-Offensivmann Alexander Ring den Ausgleich erzielen müssen, vergab aber freistehend aus halbrechter Position (80.).

Kurz darauf dann machte es der eingewechselte Kacper Przybylko besser, der eine Hereingabe von Ring zum schmeichelhaften 1:1 verwertete (83.). Der Deutsch-Pole hatte ganz knapp im Abseits gestanden.

Ausblick

RBL muss im kommenden Heimspiel gegen Arminia Bielefeld (Freitag, 18.30 Uhr) ran. Kaiserslautern spielt zeitgleich gegen den FSV Frankfurt, der akut in Abstiegsgefahr geraten ist.

Statistik

1. FC Kaiserslautern – RB Leipzig 1:1 (0:0)

1. FC Kaiserslautern: Müller – Mockenhaupt (75. Przybylko), Vucur, Ziegler, Gaus – Karl (46. Klich), Halfar (C) – Zimmer (90. Fomitschow), Ring, Jenssen – Bödvarsson

RB Leipzig: Gulácsi – Klostermann, Orban, Compper, Halstenberg – Demme (79. Jung), Ilsanker – Kaiser (C), Forsberg (75. Nukan) – Sabitzer – Poulsen (90.+2 Selke)
Tor(e): 0:1 Forsberg (56. Halstenberg), 1:1 Przybylko (83., Ring); Ecken: 2:5, Torchancen: 2:5
Schiedsrichter: Bastian Dankert (Rostock) Gelbe Karten: 21. Karl (6) 41. Gaus (6) / 45. Orban (10), 52. Demme (7) Gelb-Rot: 63. Orban
Zuschauer: 27.332 im Fritz-Walter-Stadion Kaiserslautern   (mz)