Davie Selke

Davie Selke: RB Leipzig-Stürmer liefert gegen Ex-Verein Werder Bremen beste Leistung ab

Leipzig - Ein Einsatz gegen die alten Kollegen, ein Tor selbst geschossen, ein weiteres vorbereitet - doch Davie Selke wird bei RB Leipzig wohl weiter die Bank wärmen.

Von Martin Henkel
Drin! Davie Selke trifft ins leere Werder-Tor zum 3:1.
Drin! Davie Selke trifft ins leere Werder-Tor zum 3:1. imago sportfotodienst

Natürlich musste Davie Selke vor die Mikrophone. Das Spiel gegen seinen früheren Klub Werder Bremen war Sonntag wie gemalt gewesen für den Stürmer von RB Leipzig. Ein Einsatz gegen die alten Kollegen, ein Tor selbst geschossen, das dritte des 3:1, bei dem er in der Nachspielzeit einen Freistoß-Abpraller nur noch ins leere Tor schieben musste, weil Werders Keeper Felix Wiedwald sich am anderen Ende des Spielfeldes mit ins Getümmel gewagt hatte. Und ein Tor, das zwischenzeitliche 2:0, mit einer Flanke auf die Stirn von Naby Keita, vorbereitet.

Es war der bis dato ertragreichste Auftritt des 21-Jährigen gewesen, da geht man gern hin zu den Fragestellern. Und lieber noch, wo Selke dafür in den vergangenen Wochen eigentlich nie groß Anlass hatte. Er saß bis auf die Partie in Köln immer auf der Bank. „Ich hab mich riesig gefreut, dass ich viele alte Kollegen wieder gesehen habe“, so Selke. „Werder ist mir ans Herz gewachsen. Ich hatte dort eine tolle Zeit, an die ich mich immer wieder gern zurück erinnere.“

Selke ist gut drauf, er hat von seinen Qualitäten nichts verlernt

Es verbat sich, Wehmut durch diese Sätze klingen zu hören, obgleich der Verdacht nahe lag. Die meisten Menschen reagieren auf Krisen mit der Erinnerung an bessere Zeiten. Nur ist eben nicht geklärt, ob das bei Selke bereits eine ist, oder ob er sich noch im Vorraum zu ihr aufhält. Denn vielleicht hat ihn sein exzellenter 18-Minuten-Auftritt die Sachlage noch mehr vor Augen geführt, als das vor der Partie der Fall gewesen ist. Er ist gut drauf, er hat von seinen Qualitäten nichts verlernt – aber er wird auf absehbare Zeit wohl trotzdem nicht zur Startelf des Aufsteigers gehören.

Dafür müsste er sich an Timo Werner vorbei spielen. Der war gegen Werder zwar unauffällig, aber der Sommer-Zugang aus Stuttgart ist der bessere Stürmer für RBs Gegenpressing, schneller, kleiner, wendiger als Selke. Und ein ständiger Unruheherd auch für tiefstehende Abwehrspieler, wie die von Bremen am Sonntag.

Oder Selke müsste darauf hoffen, dass Yussuf Poulsen in ein Formloch stürzt. Selke und der dänische Zimmerkumpel teilen in etwa die gleiche Körperstatur und verwandte Talente. Poulsen aber ist aktuell gesetzt, weil er weit besser im Spiel nach vorn Bälle annehmen, abschirmen, weiterleiten und verwerten kann. Poulsen ist ein Vorstrafraumspieler, Selke nach eigenem Bekunden eher weiter vorn zu Hause.

Poulsen und Selke - gute Freunde und Konkurrenten

Hätte Selke nach dem Spiel neben Poulsen gestanden, die Freundschaft der beiden wäre vielleicht auf eine interessante Probe gestellt worden. Natürlich freute sich der Däne über Tor und Torvorlage seines Sturmkollegen. Bei der Bewertung von Selkes Auftritt aber übernahm Poulsen beinahe die Wortwahl seines Trainers, der jüngst erklärt hatte, er sehe in Selke gerade eher einen Joker, aber er freue sich über dessen professionellen Einsatz im Training.

Denn je höher die Qualität dort, desto besser könnten die aus der ersten an denen aus der zweiten Reihe wachsen. Poulsen sagte: „So muss das auch sein. Jeder will spielen, und wenn die, die gerade nicht so zum Zug kommen, gute Einsätze haben, dann hilft das uns das allen, das Niveau hoch zu halten.“

"Es ist umso schöner, dass er mit so einer geilen Leistung auf den Platz kommt"

Selkes Wert für die Mannschaft ist deshalb kein Lippenbekenntnis. Und es dürften so ziemlich alle Spieler wie Kapitän Dominik Kaiser empfunden haben, der nach der Partie sagte: „Jetzt muss er sich gerade öfter von der Bank aus die Minuten erarbeiten. Deswegen ist es umso schöner für ihn, dass er mit einer geilen Leistung so auf den Platz kommt und an beiden Toren beteiligt ist. Das freut jeden einzelnen in der Mannschaft.”

Auch Diego Demme sagte: „Ich bin schon nach der Flanke auf Naby sofort zu ihm hingelaufen. Das macht er überragend. Er gibt immer Vollgas im Training. Heute hat er das Spiel auf unsere Seite gezogen.” Und natürlich weiß auch der Trainer seinen Joker zu schätzen, der nach dem 3:1 auf Selke losstürmte und den aus Rücksichtnahme auf seinen alten Verein zur jubelfreien Säule erstarrten Reservestürmer ansprang. Kurz darauf folgten alle anderen Spieler samt Selkes Bank-Kollegen.

Aber dieser Wert ist eben festgelegt. Seine Grenze ist der schmale Grat zwischen Startelf und Spielrandhäuschen. Hilf uns, besser zu werden – das ist der Ruf an Selke. Momentan. Und daran hat sich auch nach dem Bremen-Spiel (noch nichts) geändert. Trotzdem ist dieser Nachmittag natürlich nicht der schlechteste für Selke gewesen ist. So bleibt er im Fokus. Und im Gespräch. Eben wie gemalt. (mz)