Beim 2:1 gegen TSG Hoffenheim

Beim 2:1-Sieg in der Bundesliga gegen TSG Hoffenheim: Das bedeutet Bundestrainer Joachim Löws Besuch für RB Leipzig

Leipzig - Joachim Löw beobachtete bei seinem ersten Besuch in der Red Bull Arena nicht nur RB-Spieler Timo Werner.

Von Ullrich Kroemer 30.01.2017, 04:00

Für seinen Antrittsbesuch bei RB Leipzig hatte sich Joachim Löw lange Zeit gelassen. 17 Spieltage. Zum Rückrunden-Auftakt gegen die TSG Hoffenheim – dem vierten von fünf Spitzenspielen mit Leipziger Beteiligung hintereinander – war der Bundestrainer an diesem Samstag zum ersten Mal zu Gast beim Bundesliga-Team der Stunde.

Löw saß auf den Plätzen vor der RB-Loge in VIP-Ebene sechs, genoss die tiefstehende Wintersonne, ließ sich einen Espresso bringen und hielt ein Schwätzchen mit Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel. Durch die Gläser seiner Pilotenbrille sah er, wie sich die Leipziger mit Wucht gegen den erstmaligen Rückstand im eigenen Stadion durch Hoffenheims Nadiem Amiri (18.) stemmten und das Spiel durch Tore von Timo Werner (38.) und Marcel Sabitzer (78.) drehten.

Löw schaut bei roter Karte für Sandro Wagner ganz genau hin

Als dann Hoffenheims Stürmer Sandro Wagner – wie Werner Kandidat für die Nationalelf – nach einem üblen, aber unabsichtlichen Tritt gegen Stefan Ilsanker die Rote Karte sah (60.), schaute der Bundestrainer auf den Bildschirmen in der Loge ganz genau hin.

Auch wenn Löw sich mit den RB-Verantwortlichen nicht konkret über einzelne Spieler austauschte, hatte sein Premierenbesuch bei RB Leipzig Strahlkraft. Schließlich brachte der Bundestrainer internationales Flair in die Arena, bevor hier in der kommenden Saison möglicherweise auch internationale Teams gastieren.

Erstmals ein Leipziger im Länderspielaufgebot?

Dass Löw einige Leipziger auch für das Nationalteam auf dem Radar hat, untermauert den neuen Stellenwert, den der Emporkömmling in Fußball-Deutschland genießt. Schon in den kommenden Länderspielen gegen England und Aserbaidschan könnte erstmals ein Leipziger im Aufgebot der A-Nationalmannschaft stehen.

Timo Werner etwa, der erst in der Halbzeitpause bemerkte, dass Löw überhaupt im Stadion war. Er machte Werbung in eigener Sache. Nach seinem elften Saisontreffer ist er aktuell der beste deutsche Torschütze in der Bundesliga. Sandro Wagner, den Werner überholte, leistete reuig Abbitte bei seinem Team und dem gefoulten Ilsanker. „Ich wollte den Zweikampf in der Luft gewinnen, habe ihn dann unten erwischt, sieht echt fies aus“, sagte er. „Ich habe mich selbst erschrocken, das ärgert mich ungemein. Es war nicht böse gemeint, ich bin der allerletzte, der jemanden verletzen will.“

Ralph Hasenhüttl freut sich über den „big point“

Während Hoffenheims Champions-League-Ambitionen in Leipzig einen Dämpfer erhielten, freute sich RB-Trainer Ralph Hasenhüttl über „big points“. Der Österreicher sagte zufrieden: „Deswegen war es heute gegen einen direkten Verfolger wirklich ein sehr, sehr wichtiger Schritt für uns.“

Wie sich sein Team, das zu Beginn der Partie hektischer agierte als gewohnt, das Sieg-Glück erarbeitete, wertete Hasenhüttl als wichtigen nächsten Entwicklungsschritt für seine Mannschaft. „Mir hat die Art und Weise imponiert, wie wir uns nicht von unserem Weg haben abbringen lassen“, lobte er. „Unser Matchplan war so manifestiert, dass auch ein Rückstand nicht daran rütteln konnte.“

Klassenerhalt ist auch rechnerisch sicher

Obwohl RB mit nun 42 Punkten auch rechnerisch den Klassenverbleib perfekt gemacht hat, mochten die Funktionäre keine neuen Saisonziele ausgeben. Immerhin äußert Rangnick inzwischen, dass er es für möglich halte, dass RB Leipzig weiter an der Tabellenspitze bleibt. Doch so richtig deutlich sprach nur Timo Werner über die Königsklassen-Ambitionen. „Wenn wir auch die nächsten drei, vier Partien gewinnen“, sagte der Torjäger, „kann man fast gar nicht mehr Nein sagen zur Champions League.“

Den nächste Meilenstein auf dem Weg wollen die Leipziger am kommenden Wochenende passieren. „Wieder ein Spitzenspiel, ein heißes Spiel, Dortmund muss gewinnen, wenn sie weiter oben rankommen wollen“, sagte Rangnick. „Das wird eine Herausforderung, vor 80 000 Zuschauern vor der Gelben Wand zu spielen. Aber nach diesen zwei Siegen haben wir nicht den großen Druck, dass wir dort gewinnen müssen.“

Ob dann auch der Bundestrainer wieder zuschaut, ist nicht bekannt. Für Rangnick, der sich nicht neben Löw setzte, sondern aus Aberglaube weiter auf seinem angestammten Platz einen Rang tiefer sitzen blieb, begreift es ohnehin als Selbstverständlichkeit, dass Löw sich nun regelmäßig mit RB beschäftigt. „Wenn der Zweite gegen den Dritten spielt und man selbst hauptsächlich in Berlin wohnt, kann man schon auch mal vorbeikommen“, sagte der 58-Jährige. „Das ist jetzt nichts so Außergewöhnliches.“ Nicht mehr.

(mz)