2:3-Heimpleite gegen Hertha

2:3-Heimpleite gegen Hertha: „Ex-Bulle“ Selke schießt RB Leipzig ab

Leipzig - Davie Selke baute sich vor der Haupttribüne auf, legte eine Hand ans rechte Ohr und signalisierte den Leipziger Fans: Ich höre Euch nicht! Und in der Tat raunten und ächzten die RB-Anhänger nur, während die gut 3000 Berliner Anhänger mit Selke und ihrem Team ...

Von Ullrich Kroemer 17.12.2017, 19:58
Grüße an die Fans in der Red Bull Arena: Davie Selke traf gegen seinen Ex-Klub gleich doppelt für Hertha BSC Berlin.
Grüße an die Fans in der Red Bull Arena: Davie Selke traf gegen seinen Ex-Klub gleich doppelt für Hertha BSC Berlin. X03330

Davie Selke baute sich vor der Haupttribüne auf, legte eine Hand ans rechte Ohr und signalisierte den Leipziger Fans: Ich höre Euch nicht! Und in der Tat raunten und ächzten die RB-Anhänger nur, während die gut 3000 Berliner Anhänger mit Selke und ihrem Team feierten.

Bei seiner ersten Rückkehr an die alte Wirkungsstätte erzielte der Matchwinner das frühe 1:0 (6.) ebenso wie das 3:0 (51.) und war so der Garant für den 3:2 (2:0)-Auswärtserfolg von Hertha BSC bei RB Leipzig. Und das, obwohl die Gäste aus Berlin beinahe das gesamte Spiel über nur zu zehnt gespielt hatten.

RB Leipzig nutzt 83 Minuten in Überzahl nicht aus

Jordan Torunarigha hatte früh Rot gesehen, weil er als letzter Mann RB-Stürmer Timo Werner an der Hose gezupft hatte. Schiedsrichter Frank Willenborg entschied auf Notbremse – eine äußerst harte Regelinterpretation (7.).

Doch RB konnte aus der Überzahl keinen Profit schlagen, spielte lange unrund, nervös und ungenau – nicht nur im Abschluss – und hatte auch Pech, wie bei Diego Demmes Distanzschuss gegen den Pfosten (37.). So rannte RB lange erfolglos an und nutzte selbst beste Chancen nicht, etwa als die Hertha wegen einer Verletzung kurz nur zu neunt auf dem Platz stand und Werner vergab (45.+1).

Dazu kamen wie bereits in den vergangenen Spielen grobe Patzer in der Defensive, die alle drei Tore der Berliner begünstigen. Vor Selkes erstem Treffer kullerte der Ball nach der Hereingabe von Alexander Esswein einmal durch den halben Leipziger Strafraum, bis Selke wuchtig mittig im Sechzehnmeterraum abzog.

Hertha BSC Berlin gegen RB Leipzig gnadenlos effektiv

Das 2:0 der gnadenlos effektiven Berliner durch einen Kopfballtreffer von Salomon Kalou (31.) entsprang einem Freistoß; Selkes 3:0 fiel direkt nach einer Ecke (51.). Die Gegentore Nummer neun und zehn nach Standards (ohne Elfmeter) für die unsortierten und inkonsequenten Leipziger.

Wie zufrieden sind Sie mit der Hinrunde von RB Leipzig?

Es war nicht nur in diesen Szenen, sondern im gesamten Spiel jede Menge Genugtuung bei Selke zu spüren. Der Angreifer hatte sich in Leipzig von Trainer Hasenhüttl missverstanden gefühlt. Dass er nun gerade gegen die alten Kollegen seine Bundesligatore drei und vier für die Hertha erzielte, bestätigte den 22-jährigen Sturm-Schlaks, den sie in Leipzig „langer Lachs” gerufen hatten.

RB Leipzig: Pfiffe gegen Davie Selke bei dessen Auswechselung

Bei seiner Auswechslung (68.) pfiffen die Leipziger Anhänger lautstark – nicht nur wegen seines Doppelpacks, sondern auch weil sich Selke viele kleine Provokationen á la Ballwegschlagen, Zeitverzögerung und Gelb-Fordern geleistet hatte. Doch Selke klatschte zufrieden mit seinen Kollegen und Trainer Pal Dardai ab.

Beinahe hätte er RB noch den endgültigen Todesstoß versetzt, doch bei einem Konter, als er völlig allein vor RB-Torhüter Peter Gulacsi auftauchte, setzte er den Ball nur an den linken Pfosten (62.).

Durststrecke von RB Leipzig im Dezember geht weiter

So probierten es die Gastgeber weiter unermüdlich und wurden nach Bruma Hereingabe auf den Kopf von Kapitän Willi Orban auch mit dem 1:3 belohnt (68.). Doch zahlreiche weitere Topchancen wie die von Keita (57.) und Augustin (80.) landeten in den Armen von Herthas starkem Keeper Rune Jarstein oder neben dem Tor. Marcel Halstenbergs 2:3-Anschlusstreffer (90.+2) nach langem Ball von Diego Demme kam zu spät.

So bleibt RB erstmals seit der Zweitliga-Saison 2014/15 wieder fünf Spiele in Serie sieglos und rutschte durch die fünfte Saison-Niederlage vor der Winterpause auf den fünften Tabellenplatz ab. So betrachten die Leipziger nach dem Kraftakt ohne Happy End mit hängendem Köpfen die Lasershow im Stadion, während die Hertha-Spieler vor der Gästekurve feierten – natürlich angeführt von Davie Selke.

Spielstatistik: RB Leipzig – Hertha BSC 2:3 (0:2)

RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann (61. Kaiser), Konaté (31. Demme), Orban (C), Halstenberg – Ilsanker, Keita – Kampl, Bruma – Poulsen (46. Augustin), Werner.

Hertha BSC: Jarstein – Pekarik (C, 46. Skjelbred), Stark, Torunarigha, Plattenhardt – Lustenberger, Maier – Esswein, Lazaro, Kalou (72. Haraguchi) – Selke (68., Ibisevic).

Tor(e): 0:1 Selke (6., Esswein), 0:2 Kalou (31., Lazaro), 0:3 Selke (51., Lazaro ), 1:3 Orban (68., Bruma), 2:3 Halstenberg (90.+2, Demme); Torchancen: 14:5; Ecken: 6:1; Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück); Gelbe Karten: Keita (4) / Haraguchi (1), Ibisevic (3), Lazaro (1); Rote Karte: Torunarigha (7., Notbremse); Zuschauer: 36.109 in der Red-Bull-Arena Leipzig. (mz)