Nach tragischem Saison-Aus

Saale Bulls planen Neuangriff mit Erfolgskern

Trotz des Corona-Schocks vor den Playoffs fällt das Saisonfazit bei den Saale Bulls sehr positiv aus. Wie der Oberligist für die kommenden Spielzeit plant.

Halle (Saale)

Das abendliche Unterhaltungsprogramm ist mindestens so viel Qual wie Spaß. Aber Ryan Foster kann einfach nicht anders. Also flimmert während der Quarantäne, eine Woche ist geschafft, eine liegt noch vor ihm, Eishockey über den Bildschirm. „Ich schaue Playoffs, gestern habe ich zwischen drei Spielen hin und her geschaltet“, erzählt der Trainer der Saale Bulls am Donnerstag. Macht ja grundsätzlich auch Sinn, allein schon, um Spieler zu scouten. Aber: „Es tut schon extrem weh, das zu sehen.“

Weil die Saale Bulls doch eigentlich selbst dabei sein sollten. Verdientermaßen sogar als einer der Favoriten in der Oberliga Nord. Die Hauptrunde hatte das hallesche Team als Dritter abgeschlossen, war mit 20 Siegen aus den letzten 23 Spielen stärker in Form als alle Konkurrenten um den Aufstieg in die DEL2. Foster hatte auch schon Powerpoint-Präsentationen zu möglichen Gegnern zusammengestellt, einen Motivationsfilm geschnitten.

Eine Woche vor den Playoffs dann aber der Corona-Schock: Gleich sieben Spieler der Bulls wurden positiv getestet, bei Nachtestungen sind inzwischen drei weitere Profis hinzugekommen. Die Quarantäne war damit unvermeidlich und damit auch das Saisonaus ohne K.o,-Runde.

Saale Bulls haben großen Schritt nach vorne gemacht

Eine Woche hatte Foster inzwischen Zeit, diesen Schock zu verdauen, seine Gedanken zu ordnen und sich von den ersten Frustemotionen zu lösen. Inzwischen kann er die Spielzeit als das nehmen, was sie aus seiner Sicht war: „Eine Top-Saison“. Auch ohne das von allen gewünschte Ende. Mit Foster erstmals für eine komplette Serie an der Bande, haben sich die Bulls massiv gesteigert. In der vergangenen Saison reichte es nur zu Platz sieben, dabei war die Mannschaft teuer wie nie.

Obwohl das Budget wegen der Corona-Krise kleiner ausfiel, war der Oberligist diesmal viel erfolgreicher. 29 Siege gelangen in 42?Spielen. „Ich bin zwar Perfektionist, will jedes Spiel gewinnen“, sagt Foster. „Aber wir haben auch die besten Gegner wie die Hannover Scorpions oder Tilburg Trappers geschlagen und sind unter die ersten drei Teams gekommen, das war mein Ziel.“

Entscheidend dafür waren Veränderungen bei der Kaderplanung. „Wir haben den Fokus mehr auf die Abwehr gelegt, da junge, hungrige Spieler wie Leon Fern oder Erik Hoffmann verpflichtet“, sagt Foster. „Dazu haben wir mehr auf die Mentalität der Spieler geachtet. Vom Talent her war das nicht die beste Mannschaft, die ich hier in Halle bisher hatte, aber die mit der besten Einstellung.“ Und somit die erfolgreichste.

Saale Bulls: Kapitän Schmitz und Star Vihavainen bleiben

Was auch der spielende Sportchef Kai Schmitz so bestätigt. „Die Teamchemie hat den Erfolg gebracht“, sagt der Kapitän. Mentalität vor Name, das war die Lektion aus der enttäuschenden Saison 2019/2020. „Menschlich hat es noch nie so gut gepasst, wie in dieser Saison.“

Worauf aufgebaut werden soll. Wie im Eishockey üblich, sind die Kaderplanungen bei den Bulls schon seit Wochen in Gange, wichtige Personalien bereits geklärt. Ryan Foster hat seinen Vertrag verlängert, ebenso der überragende Angreifer Tatu Vihavainen aus Finnland (zwei Scorerpunkte pro Spiel). Auch Anführer Schmitz spielt weiter. „Wir versuchen generell so viele Spieler wie möglich aus dem aktuellen Team zu halten“, sagt der. „Bei allen wird das nicht gelingen, etwa aus privaten Gründen oder wegen Angeboten aus der DEL2. Aber zu großen Teilen sieht es gut aus.“

Geplant wird bei den Bulls mit einer Kaderstärke von zwölf Stürmern und sieben Verteidigern plus zwei Goalies. Einige Zugänge sind bereits fixiert, werden aber erst nach den Playoffs bekanntgegeben. „Vier, fünf Schlüsselpositionen“, sagt Schmitz, gelte es noch zu besetzen.

Die Zielstellung für die kommende Saison, da sind sich Sportchef und Trainer einig, ist klar und ambitioniert. „Wir wollen wieder eine Top-Mannschaft der Oberliga sein“, betont Foster. (mz/Fabian Wölfling)