Halle statt DEL2

„Königstransfer“: Was die Saale Bulls von Top-Scorer Patrick Schmid erwarten

Patrick Schmid soll für Halles Eishockey-Oberligisten Saale Bulls den Unterschied ausmachen. Was den Angreifer antreibt.

Von Fabian Wölfling
Auf dem Eis lebt Patrick Schmid seine Emotionen aus. Abseits davon ist er ein ruhiger, lockerer Typ.
Auf dem Eis lebt Patrick Schmid seine Emotionen aus. Abseits davon ist er ein ruhiger, lockerer Typ. Foto: imago/Lobeca

Halle (Saale) - Der Griff geht zum koffeinhaltigen Erfrischungsgetränk. Allerdings wählt Patrick Schmid, der „Königstransfer“ der Saale Bulls, die „Zero“-Variante des bekannten Herstellers. Zucker soll jetzt erstmal wieder in kleineren Dosen in den Profisportlerkörper.

Nach zwei Wochen Urlaub auf Teneriffa, Mitte Juni hat der 33-Jährige da mit Frau Sophie und dem fünfjährigen Sohn Levi ausgespannt, stehen jetzt die Sommerpflichten eines Eishockeyspielers an. Das heißt: Gewicht runterschrauben und Kondition bolzen, Gewichte stemmen, zur Abwechslung vielleicht auch mal Inlinehockey spielen. Zusammengefasst: Die viel beschriebenen körperlichen Grundlagen als Basis einer erfolgreichen Saison müssen in den nächsten Wochen antrainiert werden. „Eine nervige Zeit“, stöhnt Schmid.

Patrick Schmid kommt auf 600 Punkte in der Oberliga

Aber der Lockenkopf weiß um die Bedeutung des Schindens. Nur aus einem fitten Körper können Höchstleistungen entspringen. Das hat er nach inzwischen 14 Profijahren verinnerlicht. Und Patrick Schmid weiß auch ganz genau, dass von ihm in Halle viele Tore, Vorlagen, Unterschiedsmomente, kurz: nichts anderes als Höchstleistungen erwartet werden.

Das Label „Königstransfer“ haben ihm die Bulls selbst verpasst. „Dass wir den Topscorer der Liga verpflichten konnten, ist ein Ausrufezeichen“, hatte Sportchef Kai Schmitz gegenüber der MZ nach Bekanntgabe des Transfers im Mai auch noch gesagt. Schmid soll eine zuletzt starke Mannschaft noch stärker machen.

Große Erwartungen, die so schwer wiegen können wie ein Sack voll Pucks. Schmid lächelt sie aber einfach weg. „Ich kann damit leben“, sagte der gebürtige Nürnberger so kurz wie ungerührt.

Patrick Schmidt: Leistungsdruck wandelte er stets in Tore um

Großer Leistungsdruck begleitet ihn schließlich schon seit Jahren. Als Toptransfer oder Wunschspieler ist er schon bei einigen Klubs vorgestellt worden. Schmid lieferte danach immer ab. Er ist wohl der beständigste Stürmer der Oberliga. In bisher 435 Drittligaspielen für Leipzig, Passau, Frankfurt, Selb und die Hannover Scorpions kommt er auf 600 Scorerpunkte. 231-mal traf der abschlussstarke Flügelspieler selbst ins gegnerische Tor.

Auch in der DEL2 hat er überzeugt, für Bietigheim und Heilbronn spielte und scorte er dort in der Vergangenheit. Aber nur in der Oberliga fühlt sich Schmid so richtig wohl. „Viele haben mich in den Jahren gefragt, warum ich nicht in der DEL2 spiele“, sagt er. „Aber da sind viele Ausländer in den Teams und dann als Deutscher in der vierten Reihe für eine Minute aufzulaufen, macht mir keinen Spaß. Dazu wird in der DEL2 taktischer agiert, in der Oberliga ist das Spiel freier. Da kannst du mehr zipfeln.“ Was zocken auf fränkisch heißt.

Vermutlich ist genau das auch das Erfolgsrezept von Patrick Schmid. Der Mann hat natürlich Talent. Inzwischen auch viel Erfahrung. Er hat aber auch einfach Spaß am Spiel. Das hat er sich bewahrt, seit er als Dreijähriger von seinem Vater, damals Betreuer bei Nürnbergs DEL-Klub Ice Tigers, zum ersten Mal aufs Eis gestellt wurde. „Ich habe einfach Bock, Tore zu schießen und Spiele zu gewinnen“, sagt Schmid.

Patrick Schmid hat auch in der Defensive seine Qualitäten

Dieser Freude am Spiel fehlt aber nicht der nötige Ehrgeiz oder Einsatz. Schmid kommt nach einer der erfolgreichsten Spielzeiten seiner Karriere nach Halle. Mit den Scorpions, für die Schmid vier Jahre lang auflief, scheiterte er erst im entscheidenden fünften Spiel der Finalserie gegen Selb am Aufstieg in die DEL2.

Beobachter bescheinigten ihm nicht nur als Torgarant einen wichtigen Anteil am Erfolg, sondern lobten auch seine Defensivarbeit. Und hart spielen kann der Angreifer sowieso. Mit 583 hat er in der Oberliga fast so viele Strafminuten wie Scorerpunkte angesammelt. „Ich habe es immer gehasst, gegen ihn anzutreten. Weil er hart ist, auch mal provoziert, dazu aber auch richtig gut spielt. Er ist ein kompletter Eishockeyspieler“, sagt Kai Schmitz. Mehr Lob geht kaum.

Patrick Schmid hat Ambitionen bei den Saale Bulls: „Klub will in die DEL2“

Auch in Halle, wo er mit Frau und Kind eine Wohnung im Stadtzentrum bezogen hat, will Schmid viel erreichen. „Der Klub hat Ambitionen, will in die DEL2“, weiß er. Neben der räumlichen Nähe zur fränkischen Heimat und Schmitz’ ausdauernden Bemühen hat das den viel umworbenen Spieler überzeugt. Für zwei Jahre hat er in Halle unterschrieben.

Jetzt spricht Schmid vom nächsten Schritt, den er mit den Bulls gehen will. „Wir haben eine gute Truppe zusammen, mit der viel möglich ist“, sagt er. Zwar hat die Konkurrenz, allen voran Schmids Ex-Klub Hannover Scorpions hochkarätig eingekauft, ein Platz unter den besten vier Mannschaften nach der Hauptrunde soll es aber mindestens sein. „In den Playoffs muss man dann schauen, was geht.“ Dass es möglichst weit geht, dafür wird sich Schmid in den kommenden Wochen quälen. Und auf Zucker in seinen Erfrischungsgetränken verzichten. (mz)