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Leichtathletik-Meeting in Dessau Leichtathletik-Meeting in Dessau: Röhler und Mihambo sorgen für die Highlights

Von Fabian Wölfling 14.06.2019, 21:00
Hochkonzentriert und kraftvoll: Thomas Röhler siegt beim Meeting in Dessau.
Hochkonzentriert und kraftvoll: Thomas Röhler siegt beim Meeting in Dessau. www.imago-images.de

Dessau - Natürlich betritt der größte Star als Letzter die Bühne in Dessau. Wobei das nicht ganz stimmt. Thomas Röhler wird zur Eröffnungszeremonie des Anhalt-Meetings ins Paul-Greifzu-Stadion gefahren, sponsorenfreundlich mit einem Pick Up. Dabei zeigt sich: Hier steckt auch Star drin, wo Star draufsteht. Fast royal winkt der Speerwurf-Olympiasieger am Freitagabend ins Publikum, posiert anschließend für die Fotografen. Dankbarer Applaus im altehrwürdigen Rund.

Für Röhler ist es bereits der vierte Auftritt in Dessau. 2012, 2015 und 2018 war er schon da, hat sich zum Gesicht der Veranstaltung entwickelt. Sein Konterfei prangt auf den Flyern, er ist allgegenwärtig in den sozialen Kanälen des Meetings. Tatsächlich könnten sich die Macher in Dessau kaum ein besseres Zugpferd wünschen als den Top-Athleten aus Jena.

Anhalt-Meeting Thomas Röhler siegt mit 86,99 Metern

Warum, das untermauert er dann rund drei Stunden später erneut eindrucksvoll. Mit einer Serie von starken Würfen bringt er die Feuerfontänen, die Würfe jenseits der 80 Meter belohnen, mehrfach zum Speien. Letztlich gewinnt er mit einer Weite von 86,99 Metern nicht nur den Wettkampf souverän, sondern stellt in Dessau auch eine neue persönliche Saisonbestleistung auf. „Heute habe ich gesehen, dass Potenzial vorhanden ist“, sagt Röhler nur Minuten nach dem seinem letzten Wurf schon wieder reflektiert und locker in die versammelte Medienrunde.

Es ist diese seltene Kombination aus sportlicher Weltklasse und personellem Charisma, die Röhler zu einem der derzeit besten Botschafter der deutschen Leichtathletik macht. Nicht nur in Dessau („Ich liebe das Meeting“). Der Sport- und Wirtschaftswissenschaftlicher versteht das Spiel mit der Öffentlichkeit, ist eloquent, kann über Sportpolitik genauso spannend reden, wie über die physikalischen Feinheiten des Speerwerfens.

Weil er seine Sportart so durchdenkt, wie kein zweiter Speerwerfer, kann Röhler auch seine Weite vom Freitagabend so entspannt einordnen. Ja, es ist eine Saisonbestleistung. „Aber eigentlich war es heute ein Trainingswettkampf“, erklärt er. Dass er nicht an seine überragende Weite von 90,75 Metern aus dem Vorjahr heranreichen würde, das wusste Röhler schon vor seinem ersten Wurf.

Speerwurf-Star Thomas Röhler peilt jetzt WM-Gold an

Malaika Mihambo ist ihrer Favoriten-Rolle im Weitsprung eindrucksvoll gerecht geworden. Mit 7,05 Metern im letzten Versuch stellte der deutsche Star in Dessau einen Meeting-Rekord auf (zuvor Heike Drechsler 6,77) und siegte vor der Ukrainerin Maryna Bekh-Romanchuk (6,85 Meter).

Mihambo gelang der zweitweiteste Sprung ihrer Karriere nach den 7,07 Metern in der vergangenen Woche beim Diamond-League-Meeting in Rom. Die deutsche Europameisterin sagte: „Ich wollte zeigen, dass der Sprung von Rom keine Eintagsfliege war. Das habe ich geschafft.“

Er hat es sogar bewusst einkalkuliert. Die Weltmeisterschaft, das große Ziel in diesem Jahr, ist äußerst spät. Erst Ende September, Anfang Oktober. Der WM-Sieg ist der eine Triumph, der dem Meister der Speerwurfzunft noch fehlt. Zweimal war er Vierter bei den Welttitelkämpfen. „Ich habe da noch eine Rechnung offen“, betont Röhler daher.

Damit die aufgeht, baut er seine Form behutsam auf. „Eine so lange Saison muss man mental anders planen“, hatte Röhler bereits früh im Jahr angekündigt. Das Meeting in Dessau zählt da eben eher noch als Training unter Wettkampfbedingungen. „Erst danach fangen wir an, uns über die Weiten Gedanken zu machen“, sagt er.

Große Gedanken darüber, wer bei der WM seine schärfsten Rivalen sein werden, muss sich Röhler dagegen nicht machen. Es werden die weiteren nationalen Größen sein. Sämtliche internationalen Titel der vergangenen Jahre teilten sich die Deutschen auf.

Röhler ist amtierender Olympiasieger und Europameister, Johannes Vetter, der in Dessau angeschlagen fehlte, Weltmeister. Dazu kommen mit dem EM-Zweiten Andreas Hofmann und Senkrechtstarter Bernhard Seifert, am Freitagabend mit 81,48 Metern Zweiter, weitere Medaillenkandidaten. Aber spätestens mit seinem Dessauer „Trainingswurf“ auf 86,99 Meter hat Röhler untermauert, dass die Medaillenvergabe auch in diesem Jahr wieder nur über ihn geht. „Der Anlauf heute hat gepasst, das nehme ich mit“, sagt er, bevor er zur Siegerehrung läuft. Wieder brandet Applaus auf. Für den Mann, in dem auch Star drinsteckt, wo Star draufsteht. (mz)