HFC verpflichtet Fabian BredlowHFC verpflichtet Fabian Bredlow: „Wir lassen uns nicht beeinflussen“

Halle (Saale) - Fabian Bredlow registrierte das Banner sofort. „Im ersten Moment war das schon ein Schock“, erinnert er sich. In roten Druckbuchstaben stand auf weißem Untergrund eine beleidigende Anfeindung geschrieben: „Bredlow verpiss dich.“ Drei Worte, mit denen eine kleine Gruppe vermeintlicher Anhänger des Halleschen FC am vergangenen Freitag für Kopfschütteln sorgte. Einziger Grund: Der Nachwuchs-Torhüter stammt aus der ...

Von Daniel George 29.06.2015, 19:49

Fabian Bredlow registrierte das Banner sofort. „Im ersten Moment war das schon ein Schock“, erinnert er sich. In roten Druckbuchstaben stand auf weißem Untergrund eine beleidigende Anfeindung geschrieben: „Bredlow verpiss dich.“ Drei Worte, mit denen eine kleine Gruppe vermeintlicher Anhänger des Halleschen FC am vergangenen Freitag für Kopfschütteln sorgte. Einziger Grund: Der Nachwuchs-Torhüter stammt aus der Red-Bull-Schule.

Fabian Bredlow hat am Montag trotzdem einen Zweijahresvertrag beim HFC unterschrieben - wie auch Verteidiger Robin Urban, der von Fortuna Düsseldorf kommt. Und der Keeper setzte damit ein starkes Signal gegen Fans, die ihre Grenzen nicht kennen. Die Frage aber bleibt beim HFC im Raum: Wie kann man einen 20 Jahre alten Mann öffentlich so an den Pranger stellen? „Dass ein Spieler so diffamiert wird, ist unterste Schublade“, sagt HFC-Manager Ralph Kühne.

Gebürtiger Berliner

Die Banner-Aktion beim 1:0-Testsieg gegen den tschechischen Zweitligisten FK Usti nad Labem wirkt also nach. Drei Jahre trug der Keeper das Trikot der „Roten Bullen“, dem aufgebauschten Feindbild einiger HFC-Fans. 2012 wechselte der gebürtige Berliner aus Zehlendorf in den Jugendbereich von RB Leipzig. Später wurde Bredlow nach Salzburg entsandt. In der vergangenen Saison stand er 29 Mal für den FC Liefering auf dem Rasen, für das RB-Ausbildungsteam in der zweithöchsten Spielklasse Österreichs.

„Ich hätte dort bleiben können, das wäre aber keine Weiterentwicklung gewesen“, sagt Bredlow, der sich für eine Rückkehr nach Deutschland zu „einem ambitionierten Drittligisten“ entschied.

Dass Teile der Fanszene Spieler mit RB-Vergangenheit nicht akzeptieren wollen, ist nicht neu. Bereits 2013 war es zu einem Vorfall gekommen: Da wurde Maximilian Watzka im Training übel beschimpft. Der Probespieler hatte früher für den 1. FC Magdeburg und RB Leipzig gespielt. „Bauer und RB-Söldner. Watzka verpiss dich.“ Das stand damals auf dem Banner geschrieben. Der Hallesche FC verpflichtete Watzka nicht. „Aber aus rein sportlichen Gründen“, wie Michael Schädlich im Rückblick bestätigt.

„Die Diskussion um RB Leipzig ist keine Diskussion, die der HFC führt“, stellte der Präsident am Montag klar. „Die Aktion mit dem Banner schadet sowohl Fabian Bredlow als auch dem Image unseres Vereins.“ Und auf eine mögliche Verpflichtung des U-20-Nationalkeepers habe das Spruchband sowieso keine Auswirkungen gehabt, versicherte Manager Kühne. Und stellte unmissverständlich klar: „Wir werden uns auch in Zukunft nicht auf den Marktplatz stellen und fragen, wer willkommen ist. Da lassen wir uns nicht beeinflussen.“

Nummer eins auf dem Rücken

Die Entscheidung für Bredlow ist auch eine Entscheidung gegen die RB-Hasskultur. Denn warum sollte der HFC nicht von der guten Ausbildung solcher Spieler wie Bredlow profitieren? „Wir freuen uns, dass wir so einen talentierten Torwart für uns gewinnen konnten“, sagt Präsident Schädlich.

Und Fabian Bredlow? Der weiß das Banner richtig einzuordnen. „Natürlich nimmt einen das ein bisschen mit“, gibt der 20-Jährige zu, „aber im Spiel war mir das dann egal.“ Der Keeper brachte seine Leistung, spielte eine Halbzeit lang - und das zu Null. Die Nummer zwei hinter Lukas Königshofer soll er voraussichtlich werden, vielleicht sogar einen Kampf um den Stammplatz entfachen. Beim offiziellen Foto-Shooting trug er am Montag jedenfalls das Trikot mit der Nummer eins.

Kleinheider nicht auf Team-Foto

Ein anderer Keeper dagegen war da gar nicht dabei: Pierre Kleinheider durfte nicht mit auf das Mannschaftsbild. Beim Training fehlte er dann später - krankheitsbedingt, wie der Verein mitteilte. (mz)