Scheidung perfekt

Hallescher FC: Stefan Böger ab sofort nicht mehr Sportdirektor - Vertrag aufgelöst

Halle (Saale) - Der Hallesche FC und sein bisheriger Sportdirektor Stefan Böger gehen ab sofort getrennte Wege.

Von Christoph Karpe
Mit Stefan Bögers Abschied aus Halle endet wohl eines der größten Missverständnisse der jüngeren HFC-Geschichte.
Mit Stefan Bögers Abschied aus Halle endet wohl eines der größten Missverständnisse der jüngeren HFC-Geschichte. imago sportfotodienst

Am Montagabend haben sie zusammengesessen, die Wichtigen des Halleschen FC. Es gab ja auch Wichtiges final zu beratschlagen: Die Scheidung von Sportdirektor Stefan Böger. Es gab kein langes Palaver.

Zwischen dem Vorstand des Drittligisten und seinem Verwaltungsrat, der auch dann zurate gezogen wird, wenn außerplanmäßige Ausgaben im fünfstelligen Bereich anstehen, herrschte schnell Einigkeit. Man wolle Böger ziehen lassen. 

Schließlich hatte der 51-Jährige Ende Juni selbst die Idee entwickelt, seinen bis Juni 2019 laufenden Vertrag schnellstmöglich auflösen zu wollen. Böger wurde informiert. Er checkte die Auflösungs-Modalitäten, stimmte zu. Und am Dienstagnachmittag kam die Nachricht: Böger ist ab sofort nicht mehr Sportdirektor der Rot-Weißen. Er räumte auch prompt seinen Schreibtisch.

Offene Differenzen zwischen HFC-Trainer Rico Schmitt und Sportdirektor Stefan Böger

Damit endete eines der größten Missverständnisse der jüngeren HFC-Geschichte. Böger hier, machtverliebter Fachmann, dort ein Klub, der mangels finanzieller Potenz unrealistisch überbordende Visionen nicht teilen wollte und konnte. „Die Themenfelder und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entsprachen letztlich weder meinem Ehrgeiz noch meinem Anspruch, so dass ich mich als Fußball-Enthusiast nicht wie erhofft verwirklichen konnte“, ließ Böger entsprechendes via Klub-Homepage wissen.

Zudem stimmte die menschliche Chemie zwischen den Handelnden längst nicht mehr. In der Transferperiode waren Differenzen zwischen Trainer Rico Schmitt und Böger offen zutage getreten. Es könne nicht sein, dass ein Coach schlussendlich über Neuverpflichtungen entscheide, hatte Böger gemosert.

„Die gegenseitigen Erwartungen lagen weit auseinander. Wenn eine Kooperation nicht mehr tragfähig und belastbar ist, dann muss man ehrlich sagen: Eine Trennung ist vernünftig“, so beschrieb am Dienstagnachmittag Präsident Michael Schädlich die Situation und ergänzte: „Unsere Lehre: Prüfe, wer sich länger bindet.“ Ob Böger der Abschied mit einer Abfindung versüßt wurde, wollte der HFC-Chef nicht verraten.

Präsident Michael Schädlich: Projekt Sportdirektor ist beim HFC nicht gescheitert

„Über die Modalitäten wurde Vertraulichkeit vereinbart. Nur so viel: Die Initiative zur Trennung ging von Stefan Böger aus.“ Wenn überhaupt, dann  ist also viel weniger als ein geschätztes Jahresgehalt von 60.000 Euro geflossen. Generell hält Schädlich das Projekt Sportdirektor für den HFC nicht gescheitert.

Aber frühestens 2018 soll das Thema wieder diskutiert werden. Zunächst teilen sich Schmitt, Manager Ralph Kühne und Nachwuchsleiter Nicola Alexander Sahm die Arbeit. „Jetzt können wir uns auf das Wesentliche konzentrieren, den Saisonstart“, sagte  Schädlich noch - und klang erleichtert.

Was Böger nun macht? Kolportiert wurden Ambitionen, in China als Nachwuchs-Auswahl-Coach einzusteigen. Unwahrscheinlich. Ebenso ein Engagement als Sportchef bei Zweitligist Kaiserslautern. Dort soll er sich beworben haben.  Wie auch immer: „Böger bereitet alle Dinge ordentlich vor“, glaubt Schädlich  dass sein Ex-Angestellter doch ein Ass in der Hinterhand hat.  (mz)