Hallescher FC

Hallescher FC: Hosen-Posse als heftiges Eigentor für Präsident Schädlich

Halle (Saale)/MZ - Der Satz auf der Internetseite des HFC-Fanszene e.V. klingt fast wie Hohn. Auf jeden Fall aber ist er ein kräftiger Tritt in den Allerwertesten für den Präsidenten des Fußball-Drittligisten Hallescher FC, Michael Schädlich. Dort steht: „Wir sehen eine Verbesserung der Kommunikation zwischen Verein und Fans als einen unabdingbaren Baustein, um zukünftig solche Negativschlagzeilen zu ...

Von Karl Ebert

Der Satz auf der Internetseite des HFC-Fanszene e.V. klingt fast wie Hohn. Auf jeden Fall aber ist er ein kräftiger Tritt in den Allerwertesten für den Präsidenten des Fußball-Drittligisten Hallescher FC, Michael Schädlich. Dort steht: „Wir sehen eine Verbesserung der Kommunikation zwischen Verein und Fans als einen unabdingbaren Baustein, um zukünftig solche Negativschlagzeilen zu vermeiden.“

Fans schämen sich für Verein

Gemeint war der Artikel in der MZ vom Dienstag unter der Überschrift: Der HFC und der Skandal mit den Hosen. Was war passiert? HFC-B-Junioren-Trainer Gilbert Hernandez hatte seine Mannschaft in einem Testspiel bei RB Leipzig in Hosen des Gegners spielen lassen, weil sie die eigenen in Halle vergessen hatten. Die Idee, damit das Spiel zu retten, wurde für ihn zum Bumerang und brachte ihm eine vom Präsidium geforderte, aber völlig überzogene Bloßstellung auf der HFC-Internetseite ein.

Seither schämen sich sogar die Fans für den Verein, wie Hunderte Reaktionen zeigen. Und im Mittelpunkt der Kritik steht Präsident Schädlich. Intern erklärte er die Sache in der Präsidiumssitzung am Montagabend für erledigt. Auch Hernandez braucht, wie aus Insiderkreisen verlautet, keine weiteren Disziplinarmaßnahmen mehr zu befürchten.

Der Imageschaden für den Verein bleibt allerdings bestehen. „So eine lächerliche Nummer hätte man dem seriösen Präsidium kaum zugetraut. An Peinlichkeit nicht zu überbieten“, schreibt ein Anhänger auf mz-web.de. „So eine Veröffentlichung eines Schuldeingeständnisses ist für das Präsidium und den Verein ein absolutes Armutszeugnis“, meint ein anderer. „Wer keine Probleme hat, der macht sich welche...lächerlich sowas“, ist in einem weiteren Eintrag zu lesen.

Dabei hatte sich Schädlich im Vorfeld des Tests trotz Protesten der Fans klar für die Austragung ausgesprochen und sich dem Druck der Anhänger nicht gebeugt. „Wir als HFC müssen schauen, dass wir unsere Spieler bestmöglich fördern. Die Entwicklung der Mannschaft steht im Vordergrund und da bieten sich attraktive Gegner wie RB Leipzig an“, sagte er gegenüber der MZ. Mit der öffentlichen Bloßstellung von Hernandez, der sich einfach um eine praktikable Lösung bemüht hatte, um den Test zu retten, schwenkte Schädlich aber komplett um.

Nur ein Ausrüster-Problem?

Besonders absurd: Der offizielle Vorwurf ist, dass Gilberts Team in Adidas-Hosen gespielt hat, der HFC aber von Masita ausgerüstet wird. Schädlich: „Ich erwarte von einem Trainer, der nicht erst seit ein paar Tagen im Verein arbeitet, dass er um die Probleme mit der Ausrüstung weiß und nicht ohne Not Vertragsstrafen riskiert. Dann hätte er in den langen HFC-Trainingshosen spielen lassen sollen.“

Aber Hernandez war wohl nur das Bauernopfer, die Begründung von Schädlich tatsächlich nur ein Vorwand, um es sich mit der Fanszene nicht noch mehr zu verderben. Denn gestern knickte er nach einem Gespräch mit den Anhängern endgültig ein. Fast schon triumphierend verkündete der Fanszene e.V. auf seiner Internetseite: „In einem persönlichen Gespräch zwischen dem Vorstandschef der Fanszene, Carsten Böhme, und dem HFC-Präsidenten Michael Schädlich, wurde deutlich gemacht, dass in Zukunft keine Testspiele einer HFC-Mannschaft mehr gegen das Produkt Rasenballsport angestrebt werden.“

Ein heftiges Eigentor, so ganz nach dem Motto: Was kümmert mich mein Gerede von gestern.