Finanzmisere beim HFC

Finanzmisere beim HFC: Warum Lucas Flöther den Halleschen FC retten will

Halle (Saale) - Rechtsanwalt Lucas Flöther begleitet die Insolvenz von Air Berlin. Zugleich hilft er dem Drittligisten aus der Finanzmisere. Warum er das macht.

Von Christoph Karpe 21.03.2018, 08:00
Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Lucas Flöther von der Kanzlei Föther und Wissing sitzt bei einem Interview auf einem Tisch.
Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Lucas Flöther von der Kanzlei Föther und Wissing sitzt bei einem Interview auf einem Tisch. dpa-Zentralbild

In dem weißen Regal im Besprechungsraum der Kanzlei stehen nur zwei Bücher. Voran das „Handbuch zum Konzern- und Insolvenzrecht.“ Autor: Flöther. Mehr ist nicht zu lesen. Dabei hätte durchaus der komplette Name mit allen Zusätzen Platz auf dem Einband gehabt: Prof. Dr. Lucas F. Flöther.

Ein Mann, den Deutschland kennt. Er hat die schlagzeilenträchtige Insolvenz von Air Berlin gesteuert, eine Aufgabe im 2,3-Milliarden-Euro-Umfang, und ist immer noch dabei. Dass er dennoch gerade in seinem Hauptsitz in Halle arbeitet und tatsächlich etwas Zeit findet, ist beinahe zufällig.

Wichtigste Freizeit-Aufgabe: die Rettung des Halleschen FC

Kein Zufall aber ist, das wird schnell klar, warum er die knappste aller Formen der Autoren-Nennung auf jenem Fachbuch wählte: Der Rechtsanwalt und Vater zweier Kindern kommt gänzlich unprätentiös wie unkompliziert daher.

Wohl auch deshalb macht er kein großes Tamtam um seine aktuell wichtigste Freizeit-Aufgabe: die Rettung des Halleschen FC. Er ist einer der drei neuen Vorstände (fünf insgesamt) des Fußball-Drittligisten.

„Als ich in den Medien erstmals das I-Wort im Zusammenhang mit dem HFC gelesen habe, wurde ich hellhörig“, sagt Flöther. Purer Reflex - vereint mit dem Wissen: „Eine Insolvenz wäre natürlich sehr unschön für Verein und Stadt.“

Als dann Bekannte aus den Chefetagen der Stadtwerke und vom Baukonzern Papenburg - beides Sponsoren beim HFC - anfragten, ob er nicht bitte ein Auge auf die Finanzen des mit 1,4 Millionen Euro verschuldeten Klubs haben könne, damit eventuelle Rettungsgelder nicht im Nichts versickern, ließ er sich nicht lange bitten. Und mit diesem Moment kam auch grünes Licht aus den Chefetagen für Rettungsgelder. Eine Pleite des Vereins steht nicht mehr im Raum.

Lucas Flöther ist beim HFC der Mediator im Vorstand

„Erfahrungen mit einer Insolvenz eines Fußball-Vereins hatte ich bis dato unter anderem beim FSV Altmark Stendal. Aber eigentlich spielt das kaum eine Rolle. Egal welche Branche - alles Finanzielle lässt sich auf Grundrechenarten runterbrechen, gerade in der Krise“, sagt Flöther, den es zuvor nur eher beiläufig zu Spielen des HFC verschlagen hatte.

„Ich habe es in meiner Kindheit, damals noch in Zwickau, mal mit Fußball probiert - und es schnell wieder aufgegeben“, sagt er lachend. Lucas Flöther fühlt sich auf dem Tennis-Court vom Talent her besser aufgehoben.

Beim Halleschen FC ist er aktuell der Mediator im Vorstand und das Zünglein an der Waage. Der 44-Jährige vermittelt zwischen den neuen - Sparkassen-Chef Jürgen Fox und Projekt-Entwickler Jens Rauschenbach - und den alten Bossen des Klubs: Präsident Michael Schädlich und Manager Ralph Kühne.

„Ich habe null Komma null Prozent Eigeninteresse“, sagt Lucas Flöther. Bei den Mitstreitern ist das etwas anders. Fox muss auf die Kunden des Geldinstituts Rücksicht nehmen. Rauschenbach vertritt eher die Position der Stadt, Schädlich und Kühne stehen für die Schieflage, die irgendwann auch aufgearbeitet werden muss. Flöther „ist gänzlich unbefangen“. Unterstrichen wird das durch einen nicht unwesentlichen Fakt: Geld nimmt der 44-Jährige für den Retter-Job nicht.

Selbst als Geldgeber einzuspringen, das schließt er derzeit aus. Vielleicht später, sofern er nicht mehr im Vorstand gebraucht würde, wäre ein eigenes Engagement eine Überlegung wert. Womöglich ab Dezember. Dann wird beim HFC ein neues Präsidium gewählt. Bis dahin sollten die Finanzen so sortiert sein, dass der Klub wirtschaftlich möglichst dauerhaft mindestens in Liga drei überleben kann.

Flöther will beim HFC unvorteilhafte Verträge nachverhandeln

„An diesem Punkt könnte ich mich zurückziehen - dann wäre meine Aufgabe erledigt“, unterstreicht Lucas Flöther. „Ich strebe kein langfristiges Amt an. Ich will nur helfen, den Verein in ruhiges Fahrwasser zu bringen.“

Aus diesem Grund wird sich Lucas Flöther in den nächsten Wochen und Monaten unvorteilhafte Verträge für den HFC vornehmen und nachverhandeln. Etwa bei der LED-Bandenwerbung. Die kostet den Klub 9.000 Euro pro Spieltag Miete. Da bleibt nichts hängen. Beim Caterer steht der Klub in der Kreide. Auch da wird Flöther versuchen, zu vermitteln. Nur zwei Beispiele.

Aber ist es in der gern zitierten „Pleite-Liga“ überhaupt möglich, sorgenfrei in die Zukunft blicken zu können? Und genau das ist ja das Ziel beim Halleschen FC. Schwierig. „Große Unternehmen der Region haben ihre Konzernzentralen anderswo in der Republik.

„Wir müssen also wieder mehr den Mittelstand für ein Engagement begeistern“

Da fließt dann meistens auch das Geld für Sponsoring hin“, sagt Flöther. „Wir müssen also wieder mehr den Mittelstand für ein Engagement begeistern. Der muss das Rückgrat des Klubs sein“, sagt er und verspricht, dabei seine Kontakte zu nutzen.

Auch damit es sportlich voran geht. „Noch ist der Klub ein Sanierungsfall, wir können nicht aus dem Vollen schöpfen und müssen dennoch schnell Klarheit haben, wie die Mannschaft der kommenden Saison aussieht. Daran arbeiten wir“, sagt Lucas Flöther. Ein sportlicher Leiter soll in dieser Woche gefunden sein, ein Trainer - Rico Schmitt hat kaum eine Chance auf einen neuen Vertrag - soll bis April unterschreiben.

Am Mittwochabend wird Lucas Flöther auf der Tribüne im Erdgas Sportpark dem HFC beim Pokal-Kracher gegen den FCM die Daumen drücken. Eher aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Ein Erfolg im Landespokal zöge schließlich Einnahmen aus dem DFB-Pokal nach sich. (mz)