Zoff mit der ARD

Streit zwischen Mehmet Scholl und der ARD

Köln - Ein heftiger Konflikt belastet offenbar das Verhältnis der ARD zu ihrem langjährigen Fußball-Experten Mehmet Scholl.

TV-Experte Mehmet Scholl imago sportfotodienst

In der letzten Turnierwoche war Mehmet Scholl plötzlich verschwunden. Beim Confed-Cup-Halbfinale zwischen Portugal und Chile fehlte jede Spur vom Europameister von 1996, stattdessen stand Thomas Hitzlsperger als Experte vor der Kamera. Natürlich fragten sich die Zuschauer, was mit dem ehemaligen Bayern-Spieler passiert sei. Laut der ARD sei Scholl erkrankt und abgereist. Doch wie sich nun herausstellt, steckt offenbar viel mehr dahinter.

Ein heftiger Konflikt belastet angeblich das Verhältnis der ARD zu ihrem langjährigen Fußball-Experten. Wie die Bild-Zeitung berichtet, verließ der Ex-Nationalspieler kurz vor Beginn der Übertragung des ersten Halbfinals nach einer Meinungsverschiedenheit fluchtartig das Studio in Baden-Baden.

Der 46-Jährige soll sich über die geplante längere Berichterstattung über die Doping-Vorwürfe gegen Russlands Nationalspieler echauffiert haben. Angeblich fand der ehemalige Profi von Bayern München und des Karlsruher SC das Thema langweilig und bevorzugte ein Gespräch über die Erfolge der verjüngten Auswahl des Weltmeisters beim Confed Cup sowie die deutsche Auswahl bei der U21-EM in Polen. Scholl packte seine Koffer, Hitzlsperger sprang für ihn ein.

Mehmet Scholl spielt das Thema herunter

„Meinungsverschiedenheiten kommen in den besten Familien vor. Wir werden das in den nächsten Wochen intern klären“, zitierte die Bild ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky, der auf SID-Anfrage zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar war.

Scholl spielte das Thema herunter und glaubt nicht an eine vorzeitige Trennung vom Ersten: „Es ist alles prima zwischen der ARD und mir. Ich freue mich auf die WM 2018.“ Seit 2008 er für die ARD als Experte tätig.

Shitstorm nach Äußerung über Ronaldo

Zu Beginn der Mini-WM in Russland hatte Scholl mit einer flapsigen Aussage über eine mögliche Gefängnisstrafe für Portugals Weltfußballer Cristiano Ronaldo (32) wegen Steuerhinterziehung einen Shitstorm im Internet geerntet.

„Vielleicht kommt Cristiano Ronaldo ja wirklich in den Knast. Dann mache ich mir Sorgen, dass er als Miss September endet“, hatte der Ex-Bayern-Profi gesagt. Scholl wurde Homophobie unterstellt. Die ARD-Sportschau hatte die Aussage ihres Experten Scholl getwittert und damit heftige Reaktionen im Netz ausgelöst. Gegen Ronaldo wurde Anklage wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung in Spanien erhoben.

Nicht der erste Fehltritt

Es ist nicht das erste Mal, dass Scholl als Experte angeeckt ist. Mario Gomez kann davon ein Lied singen. „Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wund liegt und mal gewendet werden muss“, hatte Scholl während der EM 2008 für großes Aufsehen gesorgt. (mbr mit sid)