„Wir haben Sie im Sack“

Sky: Unverschämte Antwort auf Bundesliga-Kündigung

Unterföhring - Mit dem Slogan ist Sky jahrelang gut gefahren: „Alle Spiele, alle Tore“ war der Slogan des Unterföhringer Bezahlsenders.

Von Marcel Jarjour 29.08.2017, 10:00
Der Sender Sky hat nicht mehr die Rechte für alle Bundesliga-Spiele.
Der Sender Sky hat nicht mehr die Rechte für alle Bundesliga-Spiele. imago sportfotodienst

Mit dem Slogan ist Sky jahrelang gut gefahren: „Alle Spiele, alle Tore“ war der Slogan des Unterföhringer Bezahlsenders.

Doch seit dieser Saison ist der Werbespruch aus der Fußball-Übertragung verschwunden. Das hat einen guten Grund: Durch den Rechteverlust und eine einstweilige Verfügung des Gerichts darf Sky nicht mehr damit werben.

Fußball-Bundesliga auf Sky: Nur noch 266 Spiele live

Von den 306 Spielen in der ersten Bundesliga werden nur noch 266 live auf Sky gezeigt – der Rest auf Eurosport. Die Reduzierung im Angebot sorgt für mächtig Ärger bei den Fans und Abonnenten, wie der „Express“ berichtet.

So sehr sogar, dass sich einige auf ihr Sonderkündigungsrecht berufen und vorzeitig aus dem Vertrag rauswollen –  weil eben nicht mehr alle Spiele und alle Tore gezeigt werden, wie es von Sky noch in der Vorsaison versprochen worden war, sondern im Eurosport-Player im Internet - für 29,99 Euro im Jahr.

Einen Fall dieser Art hat der Kölner Anwalt Christian Solmecke von der Kanzlei Wilde, Beuger, Solmecke gerade auf seinem Schreibtisch liegen. Sein Mandant hat sein Abo vorzeitig kündigen wollen. Er berief sich auf sein Sonderkündigungsrecht, weil er nicht mehr alle Spiele bei dem Bezahlsender sehen kann.

Sky verbietet Bundesliga-Kündigung

Einige Tage später kam die Antwort von Sky. Mit heftigen Worten machte der Kundenberater dem Abonnenten klar, dass er nicht vorzeitig aus seinem Vertrag herauskomme: „Da Sie unsere geblümten Worte offensichtlich nicht verstanden haben, möchten wir uns deutlicher ausdrücken: Sie haben kein Sonderkündigungsrecht!!“, heißt es in dem Schreiben.

Und weiter: „Sie haben die AGB bei Vertragsabschluss anerkannt und Ihren Vertrag innerhalb der gesetzlichen Widerrufsfrist nicht widerrufen. Somit haben wir Sie im Sack. Sie sind mindestens bis 2018 unser Kunde und bezahlen für Ihre gebuchten Pakete. Was Sie danach machen, geht uns nichts an.“

Rumms! Weiter heißt es in der patzigen Sky-Antwort: „Sie sehen im Bundesligafernsehen 93% aller Bundesligaspiele. Sie sehen dort Fußball, und nichts anderes. Daraus folgt – da Sie Bundesliga gebucht haben, und Bundesliga bekommen – haben Sie kein Sonderkündigungsrecht.“  Doch es wird immer besser: „Alles andere, wie zum Beispiel dieses Gerede um Verbrauchertäuschung und so, ist alles Kokolores ohne Relevanz ...“

„Ein Unding“

Für Anwalt Solmecke ist so ein Schreiben ein absolutes Unding - „ein unfassbarer Vorgang“.

Sky hat sich inzwischen für den harschen Tonfall in der Mail entschuldigt. „Wir können bestätigen, dass die besagte E-Mail zu einem Kündigungsschreiben bedauerlicherweise von einem Sky-Servicemitarbeiter verschickt wurde“, heißt es auf Nachfrage des „Express“.

„Während die Grundaussage – nämlich, dass kein Sonderkündigungsrecht besteht, solange der Gesamtcharakter des Bundesliga-Angebots erhalten bleibt – inhaltlich zwar korrekt ist, so sind wir mit der Tonalität des Schreibens in keinster Weise einverstanden.“

Was Sky mit dem Wort Gesamtcharakter meint, ist nicht eindeutig. Viele Fußballfans dürften Probleme mit dem Sky-Paket haben, wenn ihr Verein mehrmals in der Saison oder  wie der Hamburger SV bis Mitte September gleich dreimal hintereinander nur freitags antritt und dann ausschließlich auf Eurosport zu sehen ist.

Anwalt Solmecke ist der Meinung, dass Sky sehr wohl den Charakter des Senders durch die weggefallenen Spiele verändert.

Sky nimmt Kündigung doch an – Mögliche Klage?

Der Jurist  ist auch davon überzeugt, dass bereits der Begriff Gesamtcharakter alles andere als verständlich  ist. „Die Klausel dürfte einer AGB-Kontrolle nicht standhalten und wäre insofern unwirksam“, ist sich Solmecke sicher. Sollte sich Sky weiter querstellen, entscheide ein Richter über den Sachverhalt.

Der Pay-TV-Sender hat im genannten Fall Kontakt mit dem Kunden aufgenommen und sich entschuldigt. Jetzt der Knaller: Sky hat bereits am vergangenen Freitag die außerordentliche Kündigung des Mandanten akzeptiert. Rückwirkend zu Ende Juli.

Anwalt Solmecke allerdings sammelt weiter Beschwerden von Sky-Kunden - mittlerweile seien es schon ein Dutzend.

Inzwischen wirbt Sky wieder mit dem Slogan „Alle Spiele, alle Tore“. Allerdings bezieht er sich jetzt auf die Handball-Bundesliga... (mz)