Kommentar zur „Schwuchtel“-Beleidigung

Kommentar zur „Schwuchtel“-Beleidigung: Null Toleranz bei Homophobie

Zwickau - Gehört eine „Schwuchtel“-Beleidigung zum Fußball dazu? Nein, damit wird klar eine Linie überschritten. Ein Kommentar.

Von Benjamin Binkle 12.12.2017, 13:26
Eine Regenbogen-Eckfahne wirbt beim Länderspiel zwischen Dänemark und Deutschland im Juni 2017 für Toleranz.
Eine Regenbogen-Eckfahne wirbt beim Länderspiel zwischen Dänemark und Deutschland im Juni 2017 für Toleranz. Ritzau Foto/AP

Der Umgangston auf dem Fußballplatz ist rau. Das wird jeder bezeugen, der selber mal ab der Kreisliga gekickt hat. Da wird gemeckert, beleidigt, provoziert  – und im besten Falle ist das alles mit dem Handschlag nach Abpfiff wieder vergessen.

„Da sind eben Emotionen im Spiel“, ist die häufigste Erklärung dafür, dass sonst ruhige und besonnene Typen während der 90 Minuten plötzlich zum verbalen Wüterich werden: „Das gehört eben zum Fußball dazu!“

Doch ist das wirklich eine Erklärung? Oder doch eher eine halbherzige Entschuldigung? Wohl Letzteres, denn nicht alles, was gesagt oder gebrüllt wird, darf mit der Emotionalität und der Hektik auf dem Rasen erklärt werden.

Der jüngste Fall war beim hitzigen Ost-Duell zwischen dem FSV Zwickau und dem Halleschen FC am Sonntag zu sehen, als Davy Frick die HFC-Spieler nach seinem Platzverweis als „Schwuchteln“ bezeichnete. Es geht nicht darum, den Fußball familienfreundlich und jugendfrei zu machen. Aber es gibt ganz klar rote Linien, die nicht überschritten werden dürfen.

Null Toleranz bei Rassismus und Homophobie

Rassismus ist eine davon, Homophobie eine andere. Es ist eine Schande, dass es im Jahr 2017 offenkundig noch immer ganz normal ist, andere Menschen über deren Sexualität herabzuwürdigen. Und darum ist es nur richtig und wichtig, dass der DFB-Kontrollausschuss nun gegen Zwickaus Davy Frick ermittelt.

Homophobie wurde natürlich nicht in Zwickau erfunden. Es ist nur ein Beispiel für einen generellen Misstand. Dass Frick seine Äußerungen unmittelbar neben dem Außenmikrofon tätigte, war schlichtweg Pech für ihn. Es hätte mit Sicherheit auch andere Spieler in anderen Partien treffen können.

Denn leider sind homophobe Beleidigung in der Fußball-Branche noch sehr weit verbreitet und keineswegs skandalöse Einzelfälle. Da ist Frick in guter Gesellschaft. Auch die Fans auf den Rängen mischen munter mit. Wer hin und wieder ein Fußballstadion besucht, findet dazu zahlreiche Beispiele.

Mit Konsequenz gegen Homophobie vorgehen

Im Juni lief Julian Draxler als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft mit einer Regenbogen-Binde am Arm auf. Eine schöne Geste des DFB, der sich den Kampf gegen Homophobie auf seine Fahne geschrieben hat. Immer wieder gibt es entsprechende Aktionen, die für das Thema sensibilisieren sollen.

Aber entschieden wird dieser Kampf nicht in PR-Abteilungen, sondern in den Stadien. Der DFB kann „Schwuchtel“-Sprüche nicht verhindern, aber er kann sie sanktionieren und damit ein Zeichen setzen. Bei rassistischen Äußerung macht er das bereits. Und er ist gut beraten, das auch gegen Homophobie konsequent zu tun.

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(mz)