BVB-Spiel auf Mittwoch verlegt

Borussia Dortmund: Explosion war gezielter Angriff auf BVB – Spiel wird Mittwoch nachgeholt

Dortmund - Die Staatsanwaltschaft untersucht den Fall als versuchten Tötungsakt.

12.04.2017, 06:32
Die Dortmundspieler stehen nach dem Anschlag vor dem Teamhotel.
Die Dortmundspieler stehen nach dem Anschlag vor dem Teamhotel. AP

Nach der Sprengstoff-Attacke gegen den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund wollen Trainer Thomas Tuchel und die Vereinsspitze das geschockte Team für das Champions-League-Spiel am Mittwoch gegen den AS Monaco wieder aufrichten. Bei der Attacke waren BVB-Verteidiger Marc Bartra sowie ein Polizist verletzt worden. Das ursprünglich für Dienstag angesetzte Spiel war nach den Attacken kurzfristig abgesagt und auf Mittwoch verlegt worden.

In einem Gespräch mit der „Bild“-Zeitung sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: „Der Verein ist ohnehin unfassbar geschlossen. Aber wir müssen die Mannschaft in einen spielfähigen Zustand versetzen. Das ist eine Herkulesaufgabe.“
Watzke will gemeinsam mit Sportdirektor Michael Zorc am Morgen bei der Mannschaft sein. „Den Rest muss dann Thomas Tuchel lösen“, sagte Watzke. „Wir müssen schnell zur Normalität zurückkehren, dazu gibt es keine Alternative.“

Die Dortmunder Polizei hat das Verhalten der Zehntausenden Fußballfans nach der kurzfristigen Absage des Champions-League-Spiels gelobt. „Das ist gestern mit sehr viel Ruhe abgelaufen, und das hat uns natürlich als Polizei und sicherlich auch dem Verein sehr geholfen“, sagte Nina Vogt, Sprecherin der Dortmunder Polizei, am Mittwochmorgen im ZDF. „Ich glaube, da können wir alle sagen, dass wir auf die Reaktionen gestern

Sicherheitsmaßnahmen werden erhöht

Für das Nachholspiel werden verschärfte Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. „Wir werden alles Menschenmögliche dafür tun, dass das Spiel morgen sicher ablaufen kann“, sagte Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange. Die Ermittler sicherten in der Nacht weiter Spuren.
Die Polizei teilte am frühen Mittwoch mit, dass neben BVB-Verteidiger Marc Bartra auch ein Beamter durch die drei Explosionen gegen 19.15 Uhr neben dem Mannschaftsbus verletzt worden war. Der Polizist fuhr auf einem Motorrad vor dem Bus, um ihn zum Stadion zu begleiten, wie ein Sprecher sagte. Er habe ein Knalltrauma und einen Schock erlitten und sei nicht dienstfähig.

Marc Bartra direkt in den OP

Bei dem Anschlag war Bartra schwer an der Hand verletzt worden. Der Spanier wurde noch in der Nacht in einem Dortmunder Krankenhaus wegen eines Bruchs operiert. Auf die Frage nach dessen Zustand sagte Watzke: „Ich weiß auch nur, dass er gerade operiert wird und dass er erstmal nicht einsatzfähig sein wird.“ Watzke geht dennoch mit einem Gefühl der Sicherheit in das Spiel gegen Monaco (18.45 Uhr). „Mein persönliches Sicherheitsgefühl ist sehr gut.“

Die Polizei geht von einem gezielten Angriff auf den Bus der Dortmunder aus und sprach vom Verdacht auf ein versuchtes Tötungsdelikt. Ein mögliches Bekennerschreiben werde „intensiv“ auf seine Echtheit geprüft, sagte Staatsanwältin Sandra Lücke am Dienstagabend. Es werde in alle Richtungen ermittelt.
Der BVB erhielt Solidaritätsbekundungen aus der Sportwelt und der Politik. „Meine Gedanken sind bei der Mannschaft“, wurde Bundesinnenminister Thomas de Maiziere am Abend über den Twitter-Account seines Ministeriums zitiert.

Auch Trainer Thomas Tuchel habe die Attacke direkt mitbekommen, berichtete Watzke: „Thomas war natürlich auch geschockt, weil eine der Explosionen wohl direkt an seiner Seite stattgefunden hat.“ Der BVB-Bus wurde an zwei Stellen beschädigt.

BVB-Torhüter Roman Bürki berichtete von den Schreckmomenten. „Ich saß in der hintersten Reihe neben Marc Bartra, der von Splittern der zerborstenen Rückscheibe getroffen wurde“, sagte der Profi der Schweizer Zeitung „Blick“. „Der Bus bog auf die Hauptstraße ein, als es einen Riesenknall gab – eine regelrechte Explosion“, sagte Bürki. Dann hätten sich die Spieler geduckt und auf den Boden gelegt. „Wir wussten ja nicht, ob noch mehr passiert.“

BVB-Stadionsprecher Norbert Dickel informierte die Fans vor Ort: „Es besteht jetzt hier im Stadion kein Grund zur Panik“, sagte Dickel, der von einem „gravierenden Zwischenfall“ sprach. Die Fans wurden aufgefordert, zunächst im Stadion zu bleiben. Die Monaco-Fans skandierten „Dortmund, Dortmund“. (dpa)

Die Polizei sichert den Mannschaftsbus des BVB.
Die Polizei sichert den Mannschaftsbus des BVB.
AP
Die Polizei patrouilliert am Stadion in Dortmund, nachdem am Mannschaftsbus des BVB drei Sprengsätze explodiert sind.
Die Polizei patrouilliert am Stadion in Dortmund, nachdem am Mannschaftsbus des BVB drei Sprengsätze explodiert sind.
AFP