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Neuer MBC-Coach im Interview Basketball-Bundesliga: MBC-Trainer Kaminski will Weißenfels zur "Hölle für Gegner" machen

Von Daniel George 16.08.2019, 08:54
Wojciech Kaminski gibt im MBC-Training die Richtung vor.
Wojciech Kaminski gibt im MBC-Training die Richtung vor. Peter Lisker

Weißenfels - Im Leben von Wojciech Kaminski ist gerade viel los. Vor zwei Monaten wurde seine Tochter geboren. Nun ist der 45 Jahre alte Pole mit seiner Familie nach Weißenfels gezogen, um sich der neuen Herausforderung beim Syntainics MBC zu stellen. Am Sonnabend startet die Saisonvorbereitung mit einem öffentlichen Training (Beginn: 16 Uhr) in der Stadthalle Weißenfels. Daniel George hat sich mit zuvor mit dem neuen Cheftrainer des Bundesligisten unterhalten.

Herr Kaminski, wie gefällt Ihnen Weißenfels bislang?
Kaminski: Für mich und meine Familie ist es hier perfekt. Wir können alles zu Fuß erreichen. Es gibt grüne Ecken. Jetzt müssen wir nur noch ein Lieblingsrestaurant finden, wo wir nach getaner Arbeit gut essen und Kaffee trinken können (lacht). Ich wurde auch in einer kleineren Stadt geboren. Das mag ich. Manche Menschen zieht es ja in die Großstadt, aber ich brauche das nicht. Ich habe in Weißenfels alles, um glücklich zu sein – und vor allem: um gut zu arbeiten. Das ist das Wichtigste für mich.

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Ihre Frau und ihre kleine Tochter haben sie gleich mitgebracht nach Weißenfels.
Genau. Und zwar, weil ich nicht nur für zwei, drei Monate hierbleiben will. Ich habe einen Einjahresvertrag mit der Option auf ein weiteres Jahr unterschrieben und werde hart daran arbeiten, um so lange wie möglich hierbleiben zu dürfen. Ich will meinen Weg in der Bundesliga mit dem MBC gehen. Das ist meine neue Herausforderung.

Als frisch gebackener Vater bekommen Sie zurzeit wahrscheinlich wenig (lacht) Mein Schlaf ist gut, um mich muss man sich keine Sorgen machen. Und Polen ist ja auch nicht weit weg, also, wenn wir mal Hilfe mit der Kleinen brauchen, dann ist die Oma ganz schnell in Weißenfels.

Sie haben bislang ausschließlich in Polen gearbeitet. Wie schätzen Sie die neue Liga ein?
Die Bundesliga ist viel, viel besser als die erste polnische Liga. Allein, was die Organisation der Vereine angeht. Alles ist auf einem höheren Level. Ich glaube, dass die Bundesliga in ein paar Jahren die beste Europas sein wird.

Warum glauben Sie das?
Die BBL hat große Klubs wie Alba Berlin oder Bayern München. Dann hat sie aber noch zahlreiche andere Teams, die international mithalten können. Und: Es gibt keine einfachen Spiele. Das Niveau ist in jeder Partie hoch. Du darfst dich nicht ausruhen. Auch gegen vermeintlich kleinere Teams, wie wir es sind, nicht. Außerdem hebt die Liga ihre Standards kontinuierlich an und wächst so gemeinsam. Das ist der richtige Weg und ich möchte ein Teil dieser Entwicklung sein.

Warum ist es Ihnen so wichtig, langfristig bei einem Verein zu bleiben?
Weil du als Trainer nur so wirklich etwas aufbauen kannst. Ich hatte in 17 Jahren in Polen zwei Vereine und konnte die Mannschaften, die Klubs entwickeln. Das passt zu mir als Mensch. Und außerdem hasse ich Umziehen (lacht). Das ist das Schlimmste an meinem Job. Wir sind ja gerade auch noch dabei, unsere Wohnung einzurichten. Mittlerweile kennen wir, vor allem meine Frau, wohl schon jedes Einrichtungsgeschäft in Weißenfels und Umgebung, aber das gehört wohl dazu.

Bei Ihren bisherigen Stationen hatten Sie immer ein tolles Verhältnis zu den Fans. Wie wichtig werden die Anhänger des Syntainics MBC für Ihren Erfolg in Weißenfels sein?
Unheimlich wichtig, denn wir brauchen unsere Fans! Sie sind unser sechster Mann. Vor allem in der Stadthalle, wo alles sehr eng beieinander ist, können wir eine tolle Atmosphäre kreieren. Für uns müssen die Heimspiele ein Vorteil sein – und unsere Gegner müssen sich fühlen, als würden sie in der Hölle spielen.

Wie werden die Fans Sie an der Seitenlinie erleben?
Da kann ich schonmal verrückt werden. Mal sehen, was die Schiedsrichter mir da durchgehen lassen. In Polen wusste ich das, hier muss ich es erst noch austesten (lacht).

Ihr Co-Trainer Aleksandar Scepanovic, der zu Beginn der vergangenen Spielzeit Cheftrainer beim Syntainics MBC war, sagte vor einem Jahr im MZ-Interview: „Die Spieler müssen mich nicht lieben.“ Welchen Ansatz verfolgen Sie im Umgang mit den Profis?
Um ein Basketballspiel zu gewinnen, musst du ein Team sein. Jedes Team hat Leistungsträger und Ergänzungsspieler, aber alle sind wichtig. Die Spieler müssen mir vertrauen und ich muss ihnen vertrauen. Wir müssen uns alle aufopfern füreinander und für den Verein. Und wir müssen zusammenbleiben, auch wenn wir mal ein paar Spiele verlieren. Deshalb haben wir auch versucht, unser Team um Spieler aufzubauen, die sich zerreißen für unseren Klub und mit vollem Herz dabei sind. Ich bin natürlich auch mal sauer auf einen Spieler, wenn etwas nicht so gut läuft. Aber am nächsten Tag ist das wieder vergessen. Du darfst Siege nicht zu lange feiern und dir über Niederlagen nicht zu lange den Kopf zerbrechen. Denn die Zukunft ist wichtiger als die Vergangenheit.

Ist der Moment, wenn eine neue Mannschaft zum ersten Mal zusammenkommt, auch für Sie als erfahrenen Cheftrainer noch etwas Besonderes?
Auf jeden Fall. Du siehst, welcher Spieler im Sommer gut gearbeitet und wer es sich nur am Strand gemütlich gemacht hat. Und du musst diesen Teamgeist entwickeln, den besten Weg finden, die Jungs zusammenzubringen. Das ist eine extrem spannende Aufgabe, die du nicht innerhalb von ein, zwei Tagen bewältigst. Eine große Herausforderung, auf die ich mich sehr freue. Denn ich habe unheimliches Glück, dass ich das machen darf, was ich liebe und damit meinen Lebensunterhalt verdiene. Bislang habe ich immer und überall, wo ich gearbeitet habe, die Ziele, die wir uns zu Saisonbeginn gesetzt haben, auch erfüllt. Und das will ich auch hier in Weißenfels schaffen. Ich will den Verein, die Fans, die Spieler und die Leute glücklich machen. (mz)