Magdeburger Fußball-Wunder

Mit Titz' Punkteschnitt wäre der FCM aufgestiegen

Von Malte Zander
Trainer Christian Titz brachte den 1. FC Magdeburg wieder auf Kurs und sorgte für den vorzeitigen Klassenerhalt.
Trainer Christian Titz brachte den 1. FC Magdeburg wieder auf Kurs und sorgte für den vorzeitigen Klassenerhalt. (Foto: imago/Christian Schroedter)

Magdeburg - Den entscheidenden Sieg zum Klassenverbleib konnten die Spieler des 1. FC Magdeburg auf der langen Rückfahrt aus Saarbrücken genussvoll auskosten. Vergessen waren die bitteren Momente, als der Traditionsverein am 17. Spieltag als Schlusslicht der Tabelle grüßte.

Doch dann übernahm Mitte Februar Christian Titz. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten bei der Umsetzung der neuen Spielidee legt der Trainer mit seinem Team einen unglaublichen Endspurt hin, holte 26 von 39 möglichen Punkten. Mit dem achten Sieg in zehn ungeschlagenen Spielen war der Ligaverbleib mit dem 3:0 am Mittwochabend beim 1. FC Saarbrücken auch rechnerisch sicher.

1. FC Magdeburg: Titz-Plan geht nach anfänglichen Problemen voll auf

„Den Hut müssten sie vor der Mannschaft ziehen, weil das diejenigen sind, die das hier umsetzen“, sagte Titz bei „MagentaSport“. Der 50-jährige Coach verbuchte zuletzt einen Punkteschnitt, mit dem der einzige Europapokalsieger der DDR (1974) theoretisch Drittliga-Spitzenreiter wäre.

Überblick: So läuft die Kaderplanung beim FCM

Diesen Anspruch hat der Club auch, doch Realitätssinn und Zielstellungen klafften seit dem Zweitliga-Abstieg vor zwei Jahren weit auseinander. Mit Titz, der noch bis Sommer 2022 Vertrag hat, könnte der Blick wieder nach oben gerichtet werden. Vorausgesetzt, die personellen Weichen werden vernünftig gestellt.

Denn Titz hatte bei seinem Amtsantritt einen blutleeren Club mit drei Punkten Rückstand auf dem vorletzten Tabellenplatz übernommen. Sofort stellte der frühere HSV-Trainer auf ein hochriskant wirkendes Offensivspiel um. Mit mitspielendem Torwart und einer Zweierkette im Spielaufbau schob der FCM seine Pressinglinie weit in die gegnerische Hälfte. Anfangs kassierte das Team drei Niederlagen mit 1:7 Toren zum Einstieg, doch Titz blieb bei seiner Linie. Als die Mannschaft die Spielidee verinnerlicht hatte, stabilisierte sich die Abwehr und es war Schluss mit den niederschmetternden Niederlagen. In den folgenden zehn Partien stand sieben Mal die Null.

FCM-Spieler schwärmen von Trainer Christian Titz

Mittelfeldspieler Andreas Müller, der gemeinsam mit Adrian Malachowski und Thore Jacobsen abwechselnd absichert und Angriffe einleitet, überraschte diese Entwicklung nicht. „Uns wurde klar gesagt, dass wir uns erst finden müssen, bis das System greift, dass du dann aber erfolgreich sein wirst“, erzählte er beim Podcast „Neues vom Krügelplatz“ bei „mdr Sachsen-Anhalt“.

Immer wieder reden die Spieler vom „genauen Plan“, den Titz ihnen an die Hand gebe. Diese Pläne gingen auf. Dabei schlug Magdeburg direkte Konkurrenten im Abstiegskampf wie Kaiserslautern, Meppen und Lübeck und feierte auch Erfolge gegen Spitzenteams - etwa den ersten Auswärtssieg bei Hansa Rostock seit 1978.

Baris Atik ist beim FCM das Gesicht des Aufschwungs

Während Titz das Gesicht des Erfolgs neben dem Platz ist, so verkörpert Baris Atik den Turnaround auf dem Rasen. Bei 13 Scorerpunkten in nur zwölf Einsätzen ist er mit sechs Treffern der beste Torschütze der Magdeburger und mit sieben Assists auch bester Vorlagengeber. Ohne den Winterzugang wäre der Klassenerhalt wohl nicht möglich gewesen. Atiks Vertrag läuft aber am Saisonende aus, ungewiss ist, ob er ein weiteres Jahr in der 3. Liga spielen möchte.

Möglich, dass Atik wieder in eine höhere Spielklasse wechselt. Da sieht der Mittelfeldspieler auch Trainer Titz. „Meiner Meinung nach gehört der in eine viel höhere Liga. Wie professionell er arbeitet, was er für eine Idee hat, das habe ich auch in der zweiten Liga nicht erlebt. Damit hat Magdeburg einen brutalen Fang gemacht“, lobte Atik. (dpa)