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Besuch bei der Kindheitsliebe Wiedersehen macht Freude: Baumgarts Rückkehr nach Hamburg

Neun Monate war Steffen Baumgart Cheftrainer des Hamburger SV. Der Aufstieg gelang unter ihm nicht. Vor 15 Monaten musste er gehen. Jetzt kommt er mit Union Berlin zurück - ohne jeglichen Groll.

Von Claas Hennig, dpa 12.02.2026, 09:56
Engagiert wie eh und je: Union-Cheftrainer Steffen Baumgart (Archivbild)
Engagiert wie eh und je: Union-Cheftrainer Steffen Baumgart (Archivbild) Uwe Anspach/dpa

Hamburg - Steffen Baumgart kehrt zu seiner Kindheitsliebe zurück - zumindest für einen Tag. Der Cheftrainer des 1. FC Union Berlin leugnet nicht, dass das Bundesliga-Spiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim Hamburger SV im Volksparkstadion kein Spiel wie jedes andere ist. „Ich freue mich auf ein sehr emotionales und interessantes Spiel und kann sagen, dass schon eine große Aufregung mitschwingt“, sagt der 54-Jährige in einem Interview auf der HSV-Webseite.

Ein Wiedersehen mit seinem einstigen Assistenten und heutigen HSV-Cheftrainer Merlin Polzin am Spielfeldrand war in der Hinrunde (0:0) in Berlin noch ausgefallen. Damals hatte Baumgart ausgerechnet gegen die Hamburger wegen einer Roten Karte im vorherigen Spiel gegen Eintracht Frankfurt gefehlt. 

Es ärgere ihn noch sehr, dass er das Hinspiel verpasst habe. „Denn zum einen war es vermeidbar und zum anderen stehe ich als Trainer lieber am Spielfeldrand als in irgendeinem Container“, sagt er. 

Nach neun Monaten musste Baumgart seine alte Liebe verlassen

Neun Monate war Baumgart Cheftrainer beim HSV. Bei seinem Amtsantritt im Februar 2024 als Nachfolger von Tim Walter machte der gebürtige Rostocker keinen Hehl aus seiner Liebe zu dem Verein. Doch Liebe allein reichte nicht. Der Aufstieg aus der 2. Bundesliga wurde verpasst.

Im November desselben Jahres stand Baumgart beim 2:2 gegen Schalke 04 dann das letzte Mal im Volksparkstadion als HSV-Cheftrainer. Die Hamburger lagen in der Tabelle auf Rang acht, die Verantwortlichen um den damaligen Sportvorstand Stefan Kuntz und Sportdirektor Claus Costa sahen das Ziel Aufstieg in Gefahr.

Costa räumte im vergangenen Oktober in einem Interview mit dem Portal transfermarkt.de ein: „Am Ende ist es nicht so aufgegangen, wie wir uns und sich auch Steffen das gewünscht haben.“ 

Die Idee hinter der Verpflichtung von Baumgart sei gewesen, „dass die Mischung aus der spielerischen Qualität des Kaders in Kombination mit Steffens positiver Emotionalität, Energie, seiner Idee vom Fußball und Intensität das entscheidende Puzzleteil sein kann, gepaart mit etwas weniger Ballbesitz“. 

Baumgarts Assistent Polzin gelingt der Aufstieg mit dem HSV 

Als sich die Idee nicht verwirklichte, übernahm Baumgarts Assistent Polzin die Mannschaft erst als Interims-, dann als Cheftrainer. Ihm gelang, was Baumgart und andere prominente Vorgänger auf dem HSV-Trainerposten nicht schafften: die Bundesliga-Rückkehr nach sieben Jahren Zweitklassigkeit. Mittlerweile hat der 35-jährige Polzin mit dem HSV gute Chancen, frühzeitig den Verbleib in der Bundesliga zu sichern.

Groll hegt Baumgart wegen des plötzlichen Endes seiner Hamburger Zeit nicht. Im Gegenteil: „Ich habe schon häufiger erwähnt, dass der HSV der Verein ist, für den ich schon immer einmal arbeiten wollte. Ich wollte nicht bei Bayern, Dortmund oder irgendeinem anderen großen Club arbeiten, sondern mein Wunsch war der HSV“, sagte Baumgart. „Das durfte ich, das hat man mir ermöglicht.“

Gutes Verhältnis zu Mitarbeitern, der Stadt und ihren Leuten

Dass es nicht so erfolgreich war, sei manchmal im Fußball so. „Manche Dinge kann man nicht berechnen. Es war dennoch eine schöne, intensive und gute Zeit“, meinte der ehemalige Stürmer. „Ich habe ein gutes Verhältnis zu den Mitarbeitern, der Stadt und ihren Leuten.“ 

Er habe wirklich nichts Negatives von der HSV-Seite gehört, „eher sogar noch einen gewissen Dank, als es mit dem Aufstieg geklappt hat“ sagte Baumgart weiter. „Das zeigt schon, dass nicht alles schieflief, auch wenn wir uns natürlich andere Ergebnisse gewünscht hätten.“

Baumgart zur HSV-Entwicklung: „Da kann man nur gratulieren“

Die Entscheidungen im Nachgang mit Polzin als Cheftrainer oder die Rückkehr von Polzins Assistent Loic Favé seien richtig gewesen, weil sie zum gewünschten Ergebnis geführt hätten. „Da kann man nur gratulieren. Es ist für alle das Beste herausgekommen.“

Den Aufstieg im Mai vergangenen Jahres habe er mit Freude erlebt. Ganz generell hätten doch alle darauf gewartet, „dass so ein Verein wieder zurück in der Bundesliga ist“, sagte er. „Und ich bin mir relativ sicher, dass ich keinen vergessen habe, zu dieser Leistung zu gratulieren.“

Baumgarts zweite Liebe Union Berlin 

Sechs Wochen nach seinem Aus in Hamburg gelang ihm der persönliche Aufstieg, als er Cheftrainer bei Union Berlin wurde. Der Verein aus Köpenick ist seine zweite Fußball-Liebe. Dort spielte er selbst und wurde zum Fanliebling. Dort lebt er mit seiner Familie, seine Frau arbeitete lange für den Club.

In der vergangenen Saison sicherte er mit Union frühzeitig den Klassenverbleib. Auch in dieser Spielzeit sieht es gut aus. Wenig überraschend, dass im Januar der Vertrag mit Baumgart verlängert wurde. 

Nach 21 Spieltagen in dieser Spielzeit sind die Berliner an neunter Stelle der Tabelle. Mit drei Punkten mehr als der Tabellenelfte HSV, der aber ein Spiel weniger absolviert hat. Allerdings kommt Union mit einer Serie von sechs Spielen ohne Sieg in die Hansestadt.

„Mir nützt es nichts, irgendwelche Ziele auszugeben, sondern mit dem HSV steht das nächste Spiel vor der Tür, und wir sollten alles daransetzen, dieses zu gewinnen“, sagte Baumgart. „Wir müssen eine sehr gute Leistung bringen, um eine Chance zu haben. Denn wir treffen auf eine Mannschaft, die endgültig dabei ist, sich mit ihren Leistungen und ihrer Spielgestaltung in der Bundesliga zu etablieren.“