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Wissenschaft Unis sollen mehr Friedens- und Konfliktforschung anbieten

Die Landesregierung will den Bereich Friedensforschung stärken. Doch wie sieht es aktuell in Thüringen aus? Und wie kommt diese Aufforderung bei den Hochschulen an?

Von dpa 30.08.2025, 04:00
An der Uni Jena soll ein neues Exzellenzcluster das Feld stärken. (Archivbild)
An der Uni Jena soll ein neues Exzellenzcluster das Feld stärken. (Archivbild) Martin Schutt/dpa

Erfurt - Thüringens Hochschulen sollen sich laut einem Kabinettsbeschluss mehr in der Friedens- und Konfliktforschung engagieren. Doch viele von ihnen sehen sich in dem Bereich bereits gut aufgestellt, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Zudem gibt es Vorbehalte gegenüber politischen Vorgaben zu Forschungsschwerpunkten. 

Uni-Sprecherin: Nur Anregungen, keine Vorgaben

Eine Sprecherin der Friedrich-Schiller-Universität Jena wies auf die im Grundgesetz verankerte Freiheit von Forschung und Lehre hin. Themenwahl, die Entwicklung von Fragestellungen und die Gewichtung von Forschungsschwerpunkten lägen in der Hand der Forschenden. „Politische Impulse wie dieser können dabei Anregungen bieten – sie dürfen jedoch nicht als Vorgaben verstanden werden“, mahnte sie.

Hintergrund ist eine neue Rahmenvereinbarung für die Hochschulen im kommenden Jahr. Darin sind grobe Leitlinien enthalten, aber auch Finanzierungsfragen. Sie wurde am Dienstag vom Kabinett verabschiedet. Darin heißt es auch: „Die Hochschulen verstärken ihr Engagement für eine breit angelegte Friedens- und Konfliktforschung.“

Forschungsverband soll das Feld weiter stärken

An Thüringens größter staatlichen Uni in Jena wird Friedens- und Konfliktforschung laut Sprecherin in etlichen Fächern behandelt. Das Thema sei von Studierenden seit Jahrzehnten stark nachgefragt. Aktuelle globale Entwicklungen und Krisen rückten das Thema zunehmend in den Fokus.

Künftig solle das Exzellenzcluster „Imaginamics“das Feld weiter stärken, hieß es. Erst im Mai hatte die Uni eine Förderzusage für dieses disziplinübergreifende Forschungsprojekt erhalten. Untersucht wird darin, wie gesellschaftliche Vorstellungen entstehen. Auch Wissenschaftler der Bauhaus-Universität in Weimar und der Uni Erfurt waren an dem Projektantrag beteiligt. 

Der Präsident der Bauhaus-Uni, Peter Benz, erklärte, die Universität engagiere sich bereits intensiv in der Erforschung und der Lösungsfindung von gesellschaftlichen Konflikten. „Neue Lehrstühle, die sich explizit nur mit diesen Themen beschäftigen, sind an der Bauhaus-Universität Weimar nicht geplant.“ 

Bachelorstudiengang in Erfurt stark nachgefragt

Auch an der Uni Erfurt gibt es einer Sprecherin zufolge etliche Projekte im Bereich Friedens- und Konfliktforschung. Der Bachelorstudiengang „Internationale Beziehungen“ sei außerdem stark nachgefragt, das Interesse der Studierenden sei seit vielen Jahren hoch. Sollten zusätzliche Programme aufgelegt werden, sei davon auszugehen, dass sich auch Forschende der Universität Erfurt darauf bewerben. 

An der Fachhochschule Erfurt wird das Thema laut einer Sprecherin vor allem in den Fachrichtungen Soziale Arbeit und in der Stadt- und Raumplanung bearbeitet. Die Ernst-Abbe-Hochschule Jena verweist darauf, dass sie als Hochschule mit anwendungsbezogenen Disziplinen zwar keine Professuren in dem Feld habe. Friedens- und Konfliktforschung werde aber in verschiedenen Fachdisziplinen aufgegriffen. Die Hochschule sehe darin einen wichtigen Beitrag zur Stärkung von Diskurskultur und Friedensbildung in einer offenen Gesellschaft.

Etwas zurückhaltender ist die Hochschule Nordhausen. Dort heißt es, Friedens- und Konfliktforschung sei bisher kein eigenständiger Schwerpunkt. Konkrete Maßnahmen, wie das Feld gestärkt werden könnte, seien nicht beschlossen. Es sei aber ein gesellschaftlich relevantes Feld, dass künftig für die Hochschule an Bedeutung gewinnen könnte.