Müllsammelaktion Neujahrsputz junger Muslime gegen Stadtbild-Debatte
Am Neujahrsmorgen ist es seit etwa 30 Jahren Tradition: In vielen Städten rücken junge Muslime mit Besen und Mülltüten aus. Diesmal gibt es eine politische Triebfeder.

Berlin - Nach der von Bundeskanzler Friedrich Merz ausgelösten „Stadtbild“-Debatte haben sich junge Muslime in Berlin und anderen Städten zur Beseitigung des Silvestermülls getroffen. Die Aktion Neujahrsputz läuft bereits seit rund 30 Jahren, doch verstehe man sie dieses Mal stärker als politisches Statement, sagte Imam Scharjil Khalid von der Khadija Moschee in Berlin-Pankow.
„Wir müssen weg von der problematisierenden Debatte über Muslime“, sagte der Imam, der die Aufräumaktion mit organisiert. Vielmehr brächten sich viele junge Muslime konstruktiv ein und seien eine „demokratiefördernde Ressource“.
In Berlin waren nach seinen Worten etwa 100 junge Leute dabei und sammelten 150 Säcke voll Müll. Auf der Sonnenallee in Neukölln habe es jedoch weniger Müll als erwartet gegeben, sagte Khalid. Die Polizei hatte den Straßenzug teils zur Böllerverbotszone erklärt. Aber der Imam sagte auch: „Die Sonnenallee wird schlechtgeredet.“
Jedes Jahr Tausende Müllbeutel
Bundeskanzler Merz hatte im Oktober gesagt, die Bundesregierung korrigiere frühere Versäumnisse in der Migrationspolitik und mache Fortschritte, „aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem“. Später konkretisierte er, Probleme machten Migranten, die keinen dauerhaften Aufenthaltsstatus hätten, nicht arbeiteten und sich nicht an die Regeln in Deutschland hielten.
Hinter der Aufräumaktion in deutschen Städten steht der Verband Ahmadiyya Muslim Jamaat und dessen Jugendverband, die das Streben nach Frieden und soziales Engagement in den Mittelpunkt stellen. Der Ahmadiyya-Jugend gehören nach Worten des Imams bundesweit etwa 20.000 junge Leute an. In den vergangenen Jahren hätten sich in 240 Städten etwa 10.000 junge Muslime bundesweit beteiligt und rund 3.300 Beutel Müll gesammelt und entsorgt.