Wetter und Verkehr Nach Eisregen fahren erste Straßenbahnen wieder durch Berlin
Der Eisregen in der Nacht zu Montag traf besonders die Straßenbahnen. Die Stromleitungen wurden von Eis überzogen und müssen in Handarbeit befreit werden – ein zeitaufwendiger Prozess.

Berlin - Nach dem Ausfall des ganzen Berliner Straßenbahn-Netzes seit Montagmorgen wegen vereister Stromleitungen ist der Fahrbetrieb mit ersten Bahnen seit dem Vormittag wieder angelaufen. Als Erstes war die Linie M5 zwischen Hackescher Markt und Betriebshof Lichtenberg wieder im Zehn-Minuten-Takt unterwegs, wie die BVG mitteilte.
Inzwischen sei auch die M4 zwischen Weißensee und Hackescher Markt wieder im Einsatz. Auch die M6 fahre zwischen Riesaer Straße und dem S-Bahnhof Marzahn. Die Linie 21 ist zwischen Lichtenberg und Holteistraße unterwegs und die Linie 68 im Abschnitt Wendenschloß und Krankenhaus Köpenick.
Ersatzverkehr mit Bussen
„Zur Stabilisierung des Angebots setzt die BVG zusätzliche Ersatzverkehre mit Bussen ein“, teilte das Unternehmen weiter mit. Auf der 62 fahren die Busse zwischen dem S-Bahnhof Mahlsdorf und Köpenick, auf der 50 zwischen Französisch-Buchholz und dem S-Bahnhof Pankow.
Schritt für Schritt arbeite man an der Enteisung der Oberleitungen und der Wiederaufnahme weiterer Streckenabschnitte, hieß es. Eine Prognose, bis wann der gesamte Betrieb wieder ohne Einschränkungen laufe, gab die BVG bislang nicht. Mit starken Einschränkungen im Tramverkehr müssten die Fahrgäste noch rechnen.
Bus- und U-Bahnverkehr laufe derweil stabil, hieß es. Lediglich auf der U2 bestünden weiter Einschränkungen aufgrund technischer Probleme. Die Linie ist derzeit zwischen Potsdamer Platz und Wittenbergplatz unterbrochen.
Berlin von diesem Eisregen besonders betroffen
Durch den Eisregen wurden die Stromleitungen über den Gleisen innerhalb kürzester Zeit flächendeckend vereist. Die BVG betonte, Berlin sei von dem speziellen Wetter mit dem Eisregen besonders betroffen gewesen. In der Nachbarstadt Potsdam, wo der Tramverkehr ohne Einschränkungen aufrechterhalten werden konnte, sei die Wetterlage eine andere gewesen.
Die „untypische Wetterlage“ mit gefrierendem Regen sei „problematisch für einen sicheren Straßenbahnbetrieb“. Vergleiche mit anderen Gebieten, Wetterlagen und Verkehrssystemen seien nicht möglich.
Schwierigkeiten bereiteten zeitweise auch die Information und die Verbindungssuche der Fahrgäste über Apps und Internetseiten. Wegen der extremen Wetterlage in ganz Deutschland und den außergewöhnlich vielen Anfragen kämen die IT-Systeme der externen Firma an ihre Grenzen, teilte die BVG mit.
Stromleitungen per Handarbeit vom Eis befreien
Am Montagabend hatte die BVG erklärt: „Solange sich die Temperaturen kaum über null Grad bewegen, bildet sich immer wieder neues Eis. Die Enteisung der Oberleitungen dauert daher an.“ Die Oberleitungen könnten nicht automatisiert enteist werden. Jeder einzelne Streckenabschnitt müsse manuell bearbeitet werden. Dafür sind laut BVG drei sogenannte Turmwagen unterwegs, jeweils mit drei Beschäftigten. Diese müssten in „schweißtreibender Handarbeit“ das Eis von den Oberleitungen entfernen.
Busse fahren dagegen laut BVG weitestgehend normal. Vereinzelt könne es aufgrund von Glätte jedoch zu kurzfristigen Einschränkungen oder Verzögerungen kommen. Die Stromschienen von oberirdisch verlaufenden U-Bahnlinien seien durch einen „intensiven nächtlichen Einsatz“ vollständig enteist worden. Damit würden alle U-Bahnen wieder fahren. Die Berliner S-Bahn meldete keine Ausfälle durch Frost.
Berliner Straßenbahn-Netz das drittgrößte der Welt
Die BVG erklärte, das Straßenbahn-Netz, das es fast nur im Osten der Stadt gibt, umfasse rund 200 Kilometer Strecke. Es sei damit das drittgrößte der Welt - daher der große Aufwand beim Enteisen. BVG-Chef Henrik Falk hatte mitgeteilt: „Der Eisregen hat unser Straßenbahn-Netz vor eine Situation gestellt, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht erlebt haben.“