Vogelzug „Kommen und Gehen“ - Kraniche im Winterwetter-Durcheinander
Die ersten aus warmen Winterquartieren zurückgekehrten Kraniche werden bereits in Teilen Sachsen-Anhalts gesichtet. Parallel gibt es Beobachtungen des Rückzugs. Was steckt dahinter?

Magdeburg - Erste Kraniche sind aus ihren Winterquartieren in einige Teile Sachsen-Anhalts zurückgekehrt. Gleichzeitig gebe es aus Hierbleibern bestehende „Kranich-Trupps“, die ihnen entgegenkommen, sagte Axel Schonert, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Kranichschutz der Deutschen Presse-Agentur. „Es ist ein Kommen und Gehen. Ein Durcheinander. Kranichen, die nach Nordosten ziehen, kommen welche entgegen, die nach Südwesten fliegen.“ Grund sei der strenge Winter.
Tagtäglich die Reserven abwägen
Die Kälte ist Schonert zufolge nicht das Problem, aber die seit Wochen geschlossene Schneedecke und der tief gefrorene Boden. „Sie kommen nur sehr schwierig bis gar nicht an Futter heran, was ihre "Körperheizung" nicht mehr richtig funktionieren lässt.“ Kraniche ernähren sich laut Schonert wie ein Huhn, suchen etwa auf Feldern nach Mais- und Getreideresten. „Gelegentlich darf es auch mal eine Maus oder ein Frosch sein.“ Ein Hierbleiber müsse unter den jetzigen Bedingungen jeden Tag pokern und seine Reserven abwägen.
Flachgewässer, in denen sich Kraniche gern aufhalten, sind seit Wochen zugefroren. „Die Kraniche stehen quasi Tag und Nacht auf dem Acker. Die Bedingungen sind gerade suboptimal.“ Sobald es aber warm werde, würden die als Frühlingsvorboten bekannten Vögel schnell in größerer Zahl ihre Brutplätze besetzen. „Jetzt ist auf jeden Fall im Normalfall die Zeit, wo sie zurückkehren. Aber dieses Jahr ist alles ein wenig anders.“ Immer mehr Kraniche würden sich aber dazu entscheiden, den Winter in hiesigen Gefilden zu verbringen. „Vogelzug ist niemals ohne Risiko“, so Schonert.
Rückkehr der meisten Kraniche Anfang März erwartet
In den kommenden drei bis vier Wochen dürften laut Naturschutzbund (Nabu) insgesamt rund 400.000 Kraniche nach Deutschland zurückkommen, vor allem aus Spanien und Portugal, aber auch aus verschiedenen Teilen Frankreichs.
Im vergangenen Herbst waren Tausende Kraniche in Sachsen-Anhalt an der Geflügelpest gestorben. „Das war eine Zäsur“, sagte Schonert. „Welche Auswirkungen dieses Massensterben hat, können wir aktuell aber weder benennen noch beziffern.“