Trauerfeier für Yosef „Sein Lächeln hat über den ganzen Schulhof gestrahlt“
Nach dem mutmaßlichen Mord an Yosef (14) nehmen Hunderte in Dormagen Abschied von dem aus Eritrea stammenden Jungen. Er hatte nicht nur als Torwart und Klassensprecher die Herzen der Menschen erobert.

Dormagen - Menschen wimmern, schluchzen, weinen. Rund 800 Trauergäste sind auf dem Fußballplatz des FC Delhoven in Dormagen zusammengekommen, um von Yosef (14) Abschied zu nehmen. Trotz sechs Grad Kälte und Regen. Ein ungewöhnlicher Ort, aber: Hier war Yosef Torwart und genauso beliebt wie an seiner Schule und im Hundesportverein. Viele Trauernden tragen ein Foto vom lachenden Yosef.
Dass er sich hier wohlgefühlt hat, darauf deutete sein Profilbild bei WhatsApp hin: Es zeigt diesen Sportplatz in Dormagen, einer 65.000-Einwohner-Stadt zwischen Köln und Düsseldorf. Vor neun Tagen ist Yosef in Dormagen umgebracht worden. Ein Spaziergänger hatte seine mit Stichen und Schnitten übersäte Leiche an einem See entdeckt.
Am vergangenen Wochenende hatten bereits 2.000 Menschen an einem Trauerzug für ihn teilgenommen. Wenige Stunden vor der Trauerfeier gibt die Polizei bekannt, dass die Tat aufgeklärt ist: Ein zwölfjähriger Junge stehe im dringenden Verdacht, Yosef getötet zu haben. Das Jugendamt habe das strafunmündige Kind in Obhut genommen.
Rihanna ertönt
Die Zeremonie beginnt mit dem Stück: „I'm not what happened to me“ (Ich bin nicht, was mir passiert ist). Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld (SPD) spricht die Hinterbliebenen an: „Ihr seid nicht allein. Wenn Unrecht geschieht, muss die Gesellschaft zusammenhalten, um zu zeigen: So nicht!“
„Euren Schmerz können wir nicht in Worte fassen. Unsere heile Welt hat heute einen Riss bekommen“, sagt der Bürgermeister. „Für unsere Gemeinschaft in unserer Stadt wird es nicht mehr dasselbe sein, wie vor dieser Zeit. Diese Tat wird eine Wunde hinterlassen, die vermutlich nie ganz geschlossen wird.“
Geistliche mehrerer Kirchen halten einen Gottesdienst: „Wir beten für Yosef, der viel zu früh und unerwartet aus dem Leben gerissen wurde. Wir beten für alle Jugendlichen, die Yosef kannten, die Angst haben und sich leer fühlen.“ Dann ertönt ein Lied, das Yosef gerne gehört habe. Rihanna singt: „Shine bright like a diamond.“ (Strahle wie ein Diamant)
Schülersprecherin rührt zu Tränen
Als Schülersprecherin Luisa aus der neunten Klasse spricht, rührt sie noch mehr Menschen zu Tränen. „Yosef war ein toller Mensch, den man nicht so leicht vergisst. Er hatte immer ein Lächeln im Gesicht. Sein Lächeln hat über den ganzen Schulhof gestrahlt.“ Zeitweise versagt ihr die Stimme. Als Klassensprecher habe er sich noch vor wenigen Tagen Rat bei ihr geholt.
Eine Nachbarin erinnert daran, wie Yosef vor acht Jahren „mit seiner Mama und seiner kleinen Schwester aus Eritrea nach Deutschland kam“. „Sie kamen mit dem Wunsch nach Sicherheit und Frieden“, sagt die Frau.
Die Jugendwartin des Hundevereins, in dem er Mitglied war, sagt: „Du warst ein Mensch mit einer unglaublich positiven Lebenseinstellung. Dein wunderbares Lächeln war ansteckend und warm.“ Sein größter Traum sei gewesen, bei den deutschen Jugendmeisterschaften im Hundesport teilzunehmen. Er habe studieren und Arzt werden wollen.
Symbolisches Tor
Seine Mannschaftskameraden vom Fußballverein FC Delhoven, wo Yosef Torwart war, schießen symbolisch ein Tor für ihn. „Mit ihm gab es nie Streit, er war immer nett und auch nach Niederlagen nie frustriert“, sagen sie. Nach der Trauerfeier macht sich Yosefs Mutter auf den Weg zur Beerdigung ihres Sohnes auf dem nahen Friedhof. Sie wird gestützt vom Bürgermeister.