Medizin Hautärztemangel in Sachsen verschärft sich deutlich
Weite Wege, lange Wartezeiten und verzögerte Diagnosen: Warum der Hautärztemangel in Sachsen und Ostdeutschland immer dramatischere Folgen hat.

Leipzig - Der Mangel an niedergelassenen Hautärztinnen und Hautärzten spitzt sich auch in Sachsen weiter zu. Wie aktuelle Zahlen der ärztlichen Bedarfsplanung zeigen, gibt es in vielen Regionen des Freistaates heute deutlich weniger Hautärztinnen und Hautärzte zur Versorgung der Bevölkerung als noch vor zehn Jahren.
Berechnet wird der sogenannte dermatologische Versorgungsgrad. Er gibt an, wie viele Hautärztinnen und Hautärzte es in einer Region im Verhältnis zum rechnerisch „benötigten“ Soll gibt. Grundlage hierfür ist die ärztliche Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigungen. Ein Versorgungsgrad von 100 Prozent bedeutet, dass es genau so viele Dermatologen gibt, wie nach der Planung für die Bevölkerung vorgesehen sind.
Von Über- zu Unterversorgung
Gemessen an dieser Größe ist die Entwicklung besonders in der Kreisregion Löbau-Zittau (Landkreis Görlitz) dramatisch: Dort liegt der dermatologische Versorgungsgrad aktuell nur noch bei 15 Prozent, nachdem er 2016 noch 122 Prozent betragen hatte. In der Kreisregion Annaberg (Erzgebirgskreis) sank der Versorgungsgrad im gleichen Zeitraum von 161 auf 60 Prozent, in Bautzen von 142 auf 78 Prozent.
Den Angaben zufolge ist Sachsen mit dieser Entwicklung nicht allein. Auch in anderen ostdeutschen Flächenländern seien ländlich geprägte Regionen zunehmend von einer sehr geringen dermatologischen Versorgung betroffen.
Alter, Abwanderung und fehlende Perspektiven
„Die Daten zeigen, dass Teile Ostdeutschlands in der ambulanten Dermatologie an eine strukturelle Unterversorgung heranreichen“, sagte der Präsident des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD), Ralph von Kiedrowski. Wenn Planungsbereiche Versorgungsgrade im unteren zweistelligen Bereich aufwiesen, sei das nicht nur ein statistischer Befund - es bedeute für Patientinnen und Patienten weite Wege, lange Wartezeiten, verzögerte Diagnostik und vermeidbare Krankheitsprogression.
Als Ursachen nennt der BVDD altersbedingte Praxisabgaben, fehlende Nachfolger sowie eine geringere Attraktivität ländlicher Regionen. Die Situation und mögliche Lösungsansätze wollen Expertinnen und Experten des BVDD und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) auf einer gemeinsamen virtuellen Pressekonferenz am 24. Februar diskutieren.