1. MZ.de
  2. >
  3. Panorama
  4. >
  5. Zum Schutz vor Femiziden: Expertin: Fußfessel kann verbotene Kontakte verhindern

Zum Schutz vor Femiziden Expertin: Fußfessel kann verbotene Kontakte verhindern

Immer wieder werden Frauen Opfer von Tötungsdelikten. Die elektronische Fußfessel könnte ein Mittel dagegen sein. Eine spanische Expertin sagt, warum das so ist.

Von dpa 29.08.2025, 08:28
Eine spanische Kriminologin sagt: Die elektronische Fußfessel kann verbotene Kontakte verhindern. (Symbolbild)
Eine spanische Kriminologin sagt: Die elektronische Fußfessel kann verbotene Kontakte verhindern. (Symbolbild) Julian Stratenschulte/dpa

Hannover - Die Einführung der elektronischen Fußfessel für Gewalttäter zur Verhinderung von Femiziden kann nach Erfahrungen aus Spanien abschreckend wirken. „Das Wissen, dass Verstöße sofort Alarm auslösen, scheint verbotene Kontakte zu verhindern“, sagte Lorea Arenas, Dozentin für Kriminologie an der Universität Extremadura in Westspanien, der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Anekdotische Berichte und Opferbefragungen in Spanien zeigten ein gesteigertes Sicherheitsgefühl und weniger gemeldete Verstöße. 

Niedersachsen will Fußfessel einführen

Zwar gebe es nur wenige kontrollierte experimentelle Studien, sagte die Expertin. „Doch internationale Forschungsergebnisse stützen eine moderate Abschreckung im kurz- bis mittelfristigen Bereich. Die Wirksamkeit hängt stark von einer schnellen polizeilichen Reaktion und konsequenter Durchsetzung ab.“ Als Femizide werden Gewaltverbrechen bezeichnet, bei denen Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet werden.

Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) hatte angekündigt, dass die elektronische Fußfessel im Zuge der Reform des niedersächsischen Polizei- und Ordnungsbehördengesetzes eingeführt werden soll. Die Innenminister von Bund und Ländern hatten bei ihrer Frühjahrskonferenz beschlossen, dass die elektronische Fußfessel nach dem sogenannten spanischen Modell künftig beim Schutz von Frauen vor Gewalt helfen soll. In Spanien wird die elektronische Fußfessel seit 2009 angewandt. 

Frühzeitig in Netzwerktechnik investieren

„Eine wichtige Erkenntnis ist, dass dieses System eine Echtzeitüberwachung ermöglicht, wodurch direkter Kontakt verhindert und auf Verstöße schnell reagiert werden kann“, sagte Arenas. „Zweitens ist die Koordination zwischen Gerichten, Polizei und Opferschutzdiensten entscheidend – Technologie allein reicht nicht aus.“ Die Zahl der Femizide in Spanien sei in den vergangenen zwei Jahrzehnten zwar gesunken, es sei aber schwierig, diesen Rückgang direkt der elektronischen Überwachung zuzuschreiben. 

Internationale Studien zeigten jedoch, dass elektronische Überwachung neue Angriffe in Fällen sogenannter häuslicher Gewalt deutlich reduzieren könne, sagte sie der Zeitung. Im Falle Deutschlands riet sie, frühzeitig in Netzwerktechnik zu investieren und für enge Abstimmung zwischen Gerichten und Polizei zu sorgen.