Ex-Stasi-Major Horst Kopp

Ex-Stasi-Major Horst Kopp: Der Mann, der die Fake News erfand

Berlin/Halle (Saale) - Sein größter Coup half der DDR am Ende weniger als Willy Brandt, dem sozialdemokratischen Kanzler der Bundesrepublik, die eigentlich der Feind war. Horst Kopp, Mitarbeiter der Hauptabteilung X der Auslandsaufklärung des Ministeriums für Staatssicherheit, ist im April 1972 unterwegs, dem Sozialdemokraten das Amt zu ...

Von Steffen Könau

Sein größter Coup half der DDR am Ende weniger als Willy Brandt, dem sozialdemokratischen Kanzler der Bundesrepublik, die eigentlich der Feind war. Horst Kopp, Mitarbeiter der Hauptabteilung X der Auslandsaufklärung des Ministeriums für Staatssicherheit, ist im April 1972 unterwegs, dem Sozialdemokraten das Amt zu retten.

Kopp, eigentlich ein Mann, der Journalisten selbst bei großen Westmedien gezielt mit Falschnachrichten füttert, hat einen Koffer dabei. Die DDR-Führung will, dass Brandt bleibt - und da der SPD die Mehrheit fehlt, soll Horst Kopp sie kurzerhand kaufen.

Ex-Stasi-Mann Horst Kopp: Der Mann, der Fake News aus der DDR im Westen lancierte

Es ist die größte Mission des gelernten Schriftsetzers, der den Krieg als Kind erlebt, den Neuaufbau als Neuanfang begreift und nach einer kurzen Karriere als FDJ-Sekretär schließlich 1960 dem Ruf folgt, seine DDR als Offizier beim MfS zu schützen.

Für den Sohn eines Gastwirtes Ehrensache. Kopp, der über sein Leben jetzt ein Buch geschrieben hat („Der Desinformant“, Das Neue Berlin, 16,99 Euro), entwickelt ein Talent dafür, sich unter falschen Namen zu bewegen, Legenden zu benutzen und Kontaktleute zu führen. In der Abteilung „Agitation“ beschäftigt er sich aber auch damit, „aktive Maßnahmen“ im Kampf um die Köpfe der Zeitungsleser und Nachrichtenhörer auszudenken. „Desinformatija“ heißt das bei den sowjetischen Genossen, „Fake News“ würde man heute sagen.

Die verbreitet er über einen Wirtschaftsinformationsdienst, den einer seiner IM in Nürnberg aufgebaut hat. Später hilft ihm ein übergesiedelter Defa-Regisseur, Texte in Westzeitungen zu lancieren und die Interessen der DDR so vermeintlich neutral in die Öffentlichkeit zu transportieren. Auch der Stimmenkauf für Brandt fiel erst später auf - und er ist bis heute nicht endgültig geklärt. 100.000 D-Mark will Kopp damals bezahlt haben. Doch einer der angeblichen Empfänger behauptete stets, er habe gegen Brandt gestimmt. (mz)