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Geschichte Dresden erinnert an Zerstörung - Tausende bei Menschenkette

Gedenken, Musik und Mahnung: Jedes Jahr bilden viele Dresdner am Jahrestag der Zerstörung ihrer Stadt im Februar 1945 eine Menschenkette. Sie gilt nicht nur als Symbol des Zusammenhaltes.

Von dpa Aktualisiert: 13.02.2026, 19:02
Die Menschenkette wird seit 2010 jedes Jahr am Jahrestag der Zerstörung Dresdens gebildet.
Die Menschenkette wird seit 2010 jedes Jahr am Jahrestag der Zerstörung Dresdens gebildet. Sebastian Kahnert/dpa

Dresden - Dresden bleibt ein Mahnmal für Zerstörung durch Bomben und Krieg. Mit einer Menschenkette haben Tausende am Jahrestag der verheerenden Luftangriffe auf die Elbestadt im Februar 1945 ein Zeichen für Frieden und Versöhnung gesetzt. Pünktlich um 18.00 Uhr fassten sie sich an den Händen, während die Kirchenglocken in der Innenstadt läuteten. Auch Gäste aus der britischen Partnerstadt Coventry reihten sich ein, darunter Oberbürgermeisterin Rachel Lancaster.

Schon eine Stunde zuvor hatten sich viele Menschen vor dem Kulturpalast zu einem Bürgersingen unter Leitung von Philharmonie-Chordirektor Gunter Berger versammelt - etwa 300 Menschen nahmen teil.

Aus Zerstörung kann Versöhnung wachsen

Dresdens Bürgermeister Jan Donhauser hielt ein Grußwort. „Es steht heute über unserer Menschenkette als Zeichen, dass auch aus Zerstörung Versöhnung wachsen kann, wenn wir bereit sind, die Hand zu reichen“, sagte Donhauser.

Conventrys Lord Mayor Rachel Lancaster betonte, es sei sehr bewegend zu sehen, wie Menschen aller Altersgruppen zusammenkämen, um einen Schutzring um die Altstadt von Dresden zu bilden. Dies sei eine starke Botschaft und ein Symbol für Hoffnung und Einheit, erklärte sie.

Die Rektorin der Technischen Universität Dresden, Ursula Staudinger, stellte einen Bezug zur Gegenwart her. Der 13. Februar sei eine Mahnung, die Demokratie lebe vom Einstehen für ihre Werte und vom Mitmachen. „Wir leben in einer Zeit, in wir nicht mehr wegsehen dürfen“, sagte Staudinger. Rechtsextreme Kräfte säßen in den Parlamenten, Hass und Hetze breiteten sich aus. Die Demokratie müsse verteidigt werden. „Wir dürfen nicht passiv bleiben.“

Bis zu 25.000 Menschen kamen ums Leben

Die Menschenkette wird seit 2010 jedes Jahr am Jahrestag der Zerstörung Dresdens gebildet. Die Elbestadt war am 13. Februar 1945 und in den Tagen danach bei Luftangriffen der Briten und US-Amerikaner schwer zerstört worden. Nach Recherchen einer Historikerkommission kamen bis zu 25.000 Menschen in einem Feuersturm ums Leben. 

Das Bombardement ist unter Experten selbst in Großbritannien umstritten. Allerdings verweisen Fachleute immer wieder darauf, dass es nicht losgelöst vom Kriegsverlauf betrachtet werden darf. Auch in diesem Jahr gab es im Vorfeld mahnende Stimmen, die Angriffe historisch korrekt zu bewerten und nicht für politische Zwecke zu missbrauchen. Hintergrund sind Aktivitäten von Rechtsextremisten, die am Samstag einen „Trauermarsch“ planen. Dagegen formiert sich Widerstand, es sind Gegenproteste angekündigt.

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert sieht in der Menschenkette ein „starkes Zeichen für den Schutz der Menschenrechte, für Demokratie und für ein lebendiges Gedenken“. „Dieser Tag vereint Mahnung, Erinnerung und Hoffnung. Niemals dürfen wir die Opfer von Krieg und nationalsozialistischer Gewaltherrschaft vergessen“, sagte er vorab. Zugleich stehe der 13. Februar für Versöhnung. 

Auch die Frauenkirche im Mittelpunkt

Das Dresden-Gedenken hatte am Vormittag mit Kranzniederlegungen und einer Schweigeminute begonnen. Den ganzen Tag über gab es in der Stadt verschiedene Veranstaltungen. Wichtiger Anlaufpunkt war dabei für viele auch die Frauenkirche - die nach dem Bombardement einstürzte und von 1994 bis 2005 auch mit vielen Spenden aus dem Ausland wiederaufgebaut wurde. 

Am Abend sind Sonderkonzerte der Sächsischen Staatskapelle Dresden und der Dresdner Philharmonie geplant. Die Philharmonie zeigt den Film „Oh, To Believe In Another World“ des südafrikanischen Künstlers William Kentridge, zu dem das Orchester unter Leitung von Michael Sanderling live die 10. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch spielt. Gegen 22.00 Uhr, dem Zeitpunkt der ersten Angriffswelle britischer Bomber, läuten wie jedes Jahr alle Glocken Dresdens.