Schwerer Autounfall

Sebastian Striegel: Ermittlungen gegen Landtagsabgeordneten der Grünen nach Autounfall

Könnern - Grünen-Politiker Sebastian Striegel missachtet Vorfahrt und fährt zunächst weiter. Ein 28-Jähriger landet mit dem Auto im Graben und wird schwer verletzt.

Von Dirk Skrzypczak 29.08.2016, 13:12

Die Polizei ermittelt gegen den Grünen-Innenexperten Sebastian Striegel wegen fahrlässiger Körperverletzung. Der 35-Jährige hatte am frühen Freitagabend bei Könnern (Salzlandkreis) einen schweren Verkehrsunfall mit einem Verletzten verursacht.

Nach Polizeiangaben beachtete der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Landtagsfraktion beim Abbiegen von der Landesstraße auf die Autobahn 14 die Vorfahrt nicht. Ein aus der Gegenrichtung kommender 28-jähriger Bernburger musste ausweichen, verlor die Kontrolle über seinen Wagen. Das Auto überschlug sich und landete auf dem Dach - während Striegel seine Fahrt zunächst fortsetzte und erst später zum Ort des Geschehens zurückkehrte.

Schlüsselbeinbruch und Schnittwunden: Unfallopfer schwer verletzt in Bernburger Krankenhaus

Das Unfallopfer wurde schwer verletzt ins Bernburger Krankenhaus eingeliefert - nach eigenen Angaben mit einem Schlüsselbeinbruch sowie Schnittwunden. Der Mann meldete sich am späten Freitagabend aus dem Krankenhaus selbst bei Facebook: „Es geht mir den Umständen entsprechend gut. Macht Euch keine Sorgen“, teilte er dort mit. Er ist seit Sonntag wieder zu Hause und derzeit krankgeschrieben.

Sebastian Striegel macht freiwillig einen Alkohol- und Drogentest

Striegel, der von einer Veranstaltung des Kreissportbundes in Plötz (Saalekreis) auf dem Weg nach Magdeburg war, hatte nach eigenen Angaben von der Autobahn aus die Polizei alarmiert und war über die nächste Abfahrt zum Unfallort zurückgekehrt. Vor Ort habe er sich freiwillig einem Alkohol- und Drogentest unterzogen. „Das Ergebnis war negativ“, sagte eine Sprecherin der Polizeidirektion in Magdeburg der MZ.

Auf seiner Facebook-Seite hatte Striegel den Unfall selbst veröffentlicht. „Ich habe einen Fehler gemacht und stehe dafür auch gerade“, sagte er der MZ.

Zu dem Vorfahrtfehler sei es gekommen, da „ich durch unklare Lichtverhältnisse das Auto im Gegenverkehr nicht bemerkt habe“, erklärte er. Ob Striegel durch die tief stehende Sonne geblendet wurde, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Warum stoppte Sebastien Striegel nicht gleich?

Unklar ist, warum der Politiker nicht sofort stoppte. Der Grünen-Innenexperte will zunächst nicht bemerkt haben, dass das entgegen kommende Fahrzeug in den Graben geschleudert wurde. „Ich habe erst kurze Zeit später realisiert, was geschehen war. Auf der Autobahn kann man schlecht wenden“, erklärte sich Striegel. Für das Unfallopfer ist die Erklärung des Politikers wenig glaubwürdig: „Das kann man nicht übersehen haben“, erklärte der 28-Jährige gegenüber der MZ.

Keine Ermittlungen wegen Fahrerflucht gegen Sebastian Striegel

Offenbar glaubt die Polizei Striegels Aussagen und ermittelt deswegen auch nicht wegen Fahrerflucht, sondern nur wegen fahrlässiger Körperverletzung. Vor allem die Tatsache, dass er sofort zum Unfallort zurückkehrte, wertete die Polizei zugunsten von Striegel. Auch ansonsten gilt: Ob eine Fahrerflucht vorliegt oder nicht, ist situationsabhängig, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es handele sich nicht automatisch um Fahrerflucht, wenn jemand den Unfallort verlasse. „Das muss immer individuell geprüft werden.“

Für die weiteren Ermittlungen muss die Immunität des Parlamentariers nicht aufgehoben werden. Offen ist, mit welchen Konsequenzen Striegel nun rechnen muss. Wie die Staatsanwaltschaft der MZ sagte, könne der Geschädigte einen Strafantrag gegen Striegel stellen.

Liege ein öffentliches Interesse vor, dann könne man dies als Ermittlungsbehörde auch selbst tun. Striegel kündigt an, mit der Polizei zusammenarbeiten zu wollen. Unterdessen hat sich der Grünen-Politiker schon bei dem Unfallopfer gemeldet. Über den konkreten Inhalt des Gesprächs wollte sich keiner der beiden Beteiligten äußern. (mz)